Aufgedeckt: Magic: The Gathering

Trading-Card-Games, kurz TCGs, sind beliebter denn je. Mit der Artikelreihe Aufgedeckt beleuchten wir jede Woche einen Titel dieser taktischen Spieleart. Den Anfang macht der Urknall des Genre: Magic: The Gathering

Jakob | bermuda 18.10.16

In den versteckten Hinterzimmern der Comicbuchläden, Gamesgeschäften und Nerdstores dieser Welt finden sich jeden Freitag unzählige Besucher ein, um einem Event beizuwohnen, welches überall gleich oder zumindest sehr ähnlich abläuft. Sie zahlen eine kleine Teilnahmegebühr, dann setzen sich jeweils zwei Spieler an einem Tisch gegenüber und warten auf ein Signal des Schiedsrichters. Die Zeit läuft, beide ziehen von den vor Ihnen liegenden Kartenstapeln je sieben Karten und beginnen ihre Partie. Sie spielen Magic: The Gathering.

Die Ursprünge

Jeden Freitag findet so ein Friday Night Magic, kurz FNM, statt. In jeder größeren Stadt gibt es mindestens eine Location in der jeder bei diesen kleinen Turnieren teilnehmen kann. Hier finden Spieler Gleichgesinnte mit denen sie, abhängig vom Veranstalter, entweder um verschiedene Preise oder einfach nur zum Spaß Magic spielen können. Altgesonnene Veteranen sowie neugierige Einsteiger sind bei FNMs anzutreffen. Wer nicht bei den Turnierformaten mitspielen möchte, findet auch abseits des organisierten Trubels immer wieder Gegner für Gelegenheitsspiele. Hier können auch Karten gesammelt und getauscht werden - ein weiterer wichtiger Bestandteil der Sammelkartenspiele. Dass sich diese "analoge" Form von Magic: The Gathering auch in Zeiten von bequemen Onlinegames und eSport noch weiter entwickelt, ist nicht zuletzt den FNMs und der großen Community gedankt.

Eine Partie Magic: The Gathering im so genannten Commander-Format

Foto: Tourtefouille, Lizenz: CC BY-SA 4.0 (link is external)

Als Mathematiker Richard Garfield 1993 Magic: The Gathering als "schnelles Spiel für zwischendurch" konzipierte, konnte er nicht ahnen, dass sich über 20 Jahre später knapp 20 Millionen Spieler (link is external) an seiner Erfindung erfreuen. Eigentlich wollte er beim Spieleverlag Wizards of the Coast ein Brettspiel names Robo Ralley veröffentlichen. Da Wizards aber die Ressourcen fehlten, schlug Garfield seine Idee für eine neue Art der Kartenspiele vor. Nutzer sollten selbst entscheiden können, mit welchen Karten sie gegeneinander antreten. So entstand das erste Sammelkartenspiel der Welt.

Garfield war es von Anfang an wichtig, dass Magic: The Gathering ein Spiel für jedermann ist. Im Gespräch mit wired (link is external) erklärt der Entwickler: "Ich mag Spiele, die auch als Einstiegsspiele bezeichnet werden — leichte Strategie-Spiele. Sie sind am besten, wenn man sie ernsthaft spielen kann, aber es genug Glück gibt, damit jeder gewinnen kann. Ich habe stets versucht, mit meinen Designs eine breite Masse anzusprechen." Was Magic in dieser Hinsicht jedoch besonders macht, sind "simple Regeln, die trotzdem zu einem komplexen Spiel führen."

Ist doch ganz einfach, oder?

Diese Regeln können auf den ersten Blick trotzdem sehr kompliziert erscheinen. Sind die Basics aber erst einmal verinnerlicht, stehen dem Spieler unendlich viele Möglichkeiten zur Verfügung, seine Erfahrung in Magic: The Gathering zu gestalten. Aus circa 14.000 verschiedenen Karten kann ein Deck in vielen verschiedenen Formaten erstellt werden. Diese Formate haben sehr unterschiedliche Regeln und sorgen für stetige Abwechslung im Spiel. Ablauf und Ziel einer Partie sind jedoch fast immer gleich.

In Magic: The Gathering schlüpfen die Spieler in die Rolle von Zauberern, auch Planeswalker genannt, und versuchen mit Kreaturen, Artefakten und Zaubersprüchen den Gegner zu besiegen. Jeder Spieler hat dabei üblicherweise 20 Lebenspunkte zur Verfügung. Wer es schafft, die des Gegners auf Null zu bringen, gewinnt die Partie. Rundenweise haben die Kontrahenten die Möglichkeit, mit Hilfe von Mana verschiedenste Zaubersprüche oder Kreaturen aus ihren selbst komponierten Kartendecks zu wirken. Dabei nehmen verschiedene Kartentypen unterschiedliche Rollen im Spiel ein: Kreaturen können angreifen und verteidigen. Manche Zaubersprüche können Kreaturen kurzzeitig verstärken oder schwächen - mit anderen kann die gegnerische Strategie verlangsamt oder ausgehebelt werden. Doch das ist nur der Anfang. Auren, Länder, Verzauberungen, Hexereien, Spielsteine oder Spontanzauber sind weitere Kartentypen, die im Spiel vorkommen und es auf ihre individuelle Art beeinflussen.

Magic ist ein farbenfrohes Spiel: Die Bilder auf den Karten sind immer individuelle Kunstwerke

Foto: MTG LION, Lizenz: CC BY 3.0 (link is external)

Die Karten werden dabei grundsätzlich in fünf Farben eingeteilt: Weiß, Blau, Schwarz, Rot und Grün. Alle Farben verfügen über die gleichen Kartentypen. Es gibt also beispielsweise Kreaturkarten in jeder Farbe oder Farbkombination. Die fünf Farben repräsentieren jeweils einen eigenen Stil: Weiß steht für Licht und Ordnung, Blau für Logik und Manipulation. Schwarz ist die Farbe der Korruption und der Zerstörung, wobei Rot für Feuer und Chaos steht. Grün repräsentiert schließlich Leben, Natur und Wachstum. Diese Farben können beliebig in Decks kombiniert werden. So müssen in einem Deck beispielsweise nicht nur rote Karten vertreten sein. Es können auch rote, grüne und blaue Karten in einem Deck vereinigt werden. Diese Vielfalt an Möglichkeiten macht Magic: The Gathering zu einem sehr abwechslungsreichen Kartenspiel, in dem nie zwei Partien identisch ablaufen. Auch wenn es für Neulinge meist sehr schwer ist, mit den taktisch ausgefeilten Decks der Veteranen mitzuhalten, sorgt die Kartenspiel-typische Portion Glück immer für spannende Partien.

Die Besten der Besten - und die, die es werden möchten

Zu Magic: The Gathering gehört neben dem eigentlichen Kartenspiel, welches ebenfalls als Onlineversion verfügbar ist, auch eine umfangreiche Geschichte (link is external). Diese ist den Fans in Form von Büchern und Kurzgeschichten zugänglich und wird stetig durch Erweiterungen fortgeführt. Die aktuelle Erweiterung trägt den Namen Kaladesh und handelt von der gleichnamigen Welt und ihren kreativen Erfindern und den Sabotagen der so genannten Renegaten.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Spiels sind die professionellen Turniere, wie die Pro Tour und der Grand Prix. Hier spielen die Profis der Szene um Preispools in Höhe von 250.000 US-Dollar. Wer bei einer Pro Tour mitmischen will, muss sich zunächst durch die Preliminary Pro Tour Qualifiers (kurz PPTQ) kämpfen und anschließend in den regionalen Pro Tour Qualifizierungen sein Können beweisen. Wer sich hier durchschlagen kann, wird zu nächsten Pro Tour eingeladen und gehört somit zu den weltweit besten Spielern.

Ein Pro Tour Qualifikations-Turnier in Frankfurt am Main: Hier kämpfen zahlreiche Spieler um die begehrten Plätze in der Pro Tour

Foto: Sebastian Rittau, Lizenz: CC0 1.0

Neueinsteiger und die, die es werden möchten, sind jedoch am besten beim Friday Night Magic (link is external) aufgehoben. Wer aber noch einen Schritt weiter gehen möchte, hat die Möglichkeit bei einem Magic Game Day (link is external) erste Wettkampferfahrungen zu sammeln. Am kommenden Wochenende (22. und 23. Oktober 2016) findet der nächste Game Day in vielen Locations in ganz Deutschland statt. Neben einer freundlichen Turnieratmosphäre warten auch einige Preise auf die Gewinner. Hier (link is external) könnt ihr nachsehen, wo es ein Magic: The Gathering Event in eurer Nähe gibt.

Nächste Woche geht es weiter mit einem Spiel, welches nicht zum sammeln und tauschen gemacht wurde. Es geht dafür um das wohl legendärste Kartenspiel der Welt: Poker.

Wie steht es um eure Erfahrungen im Kartenspielgenre:

Wollt ihr in dieses taktische Spiel einsteigen?

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Autor: Jakob | bermuda

Jakob. Vasall der Redaktions-Fraktion seit etwas über einem Jahr. Abseits von Bonjwa bin ich Technikjournalismus & PR-Student im fünften Semester, Kletterfreund und Hearthstone-Mastermind. Die eSport-Szene verfolge ich seit 2010 und in Zukunft versorge ich euch mit allem, was mir zur Gamingwelt durch den Kopf geht.

19. Oktober 2016 - 11:06
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Fusspilzsammler
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20.10.2016 - 01:24
04.02.15
9

Toller Artikel! Als leidenschaftlicher Magic Spieler (nebst Fusspilzsammeln) freut es mich, wie Magic zurzeit einen Boom erlerbt. Wohl auch dank der Präsenz von Spielen wie Hearthstone und Yugioh. Beides zwar nicht mein Fall aber trotzdem bin ich dankbar für das Wachsen der Community. Ich stelle mir im Kopf schon seit geraumer Zeit ein Skript zusammen, wie ich einem kompletten Neuling Magic in möglichst wenigen Sätzen erklären könnte, ohne ihn abzuschrecken :) Manchmal muss mein Hund während eines Spazierganges im Wald dafür herhalten :D Ich werde deinen Artikel sehr gerne als Anregung "einpacken" und ihn unter den potentiellen Jüngern als die frohe Botschaft verkünden.

19. Oktober 2016 - 13:14
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Lorgi
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05.01.2019 - 22:57
26.04.16
172

Ich habe auch sehr lange Magic gespielt. Es war eine tolle Zeit, aber irgendwann habe ich gemerkt, dass Institutionen wie der Magic-Karten-Markt den Sinn des Trading-Card-Games soweit untergraben haben, dass es keinen rechten Spaß mehr gemacht hat. Jeder hat sich seine Decks gezielt zusammengekauft und wenn man als "Sammler" mit mehr oder weniger improvisierten Decks gegen Designer-Decks gespielt hat ist man in der Regel immer untergegangen.

Zudem sind die Karten mit jeder Edition krasser und stärker geworden. Als Eldrazi, Annihilator und Planeswalker eingeführt wurden, bin ich ausgestiegen. Meine Lieblingsblocks waren Alara, Ravnica und Mirrodin. Mit allem danach konnte ich nicht mehr viel anfangen.

20. Oktober 2016 - 1:24
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Fusspilzsammler
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20.10.2016 - 01:24
04.02.15
9

ja das stimmt. Sobalds kompetitiv wird, überschlagen sich viele Spieler fast und eifern einem idealen Einheitsdeck nach. Strebe stets danach, mit lustigen und unerwarteten Kombinationen den hohen Pferdchen gegens Schienbein zu treten. Denke du sprichst den ersten Zendikar und vor allem den Innistrad Block an. letzterer war wirklich völlig over the top. Viel überstarke Karten und der Rest unterirdisch schwach. Hat sich aktuell wieder sehr ausbalanciert. Man kann wieder mit commons und uncommons nette Sachen fabrizieren. Aber wenns dann selbst in meiner sehr durchmischten Spielergruppe wieder mal zu "professionell" wird, bietet sich ein gemütliches Commander zu viert oder fünft an :)