Beta Memories: Counter Strike

Der E-Sport verbreitet sich weiterhin wie ein Lauffeuer und heute nehmen wir uns einen Augenblick Zeit um zurück zu blicken um uns unserer Wurzeln bewusst zu werden. Doch bevor wir vollends in die Meditation abschweifen - heute geht es um Counter Strike.

Chrissi | Coolhand 14.07.15

Früher war angeblich alles besser. Mancher Meinung nach trifft dies auch auf Counter-Strike zu, daher haben wir dieser Ansicht eine Stimme gegeben, die ein klein wenig an "Pepperidge Farm remembers" erinnert. Doch auch, wenn die Beta Spieler von damals noch lange nicht am Stock gehen, klingen sie durchaus manchmal danach, als ob sie mit selbigem schwingen und dabei keifend darüber meckern würden, wie das Spiel zu ihren Zeiten um Welten besser war. Und genau damit steigen wir auch direkt ein.

Zu Beta Zeiten hatte die Colt noch 'nen Zoom. - Grennie, ehemaliges Mitglied von =NA=

Im schönen Jahr 1999 begann im Sommer die Beta eines ganz besonderen Spieles. Es nannte sich Counter-Strike und stellte zwar einen neuen, aufregenden Ego Shooter dar, doch damals konnte sich noch keiner so recht vorstellen, wie dieses Spiel das gesamte Genre beeinflussen und revolutionieren sollte. Obwohl 2004 Valve die letzten WON Server geschlossen hat, existieren bis heute noch eigens gehostete Server, auf denen die Beta nicht nur läuft, sondern auch relativ aktiv gespielt wird.

Die Entwicklung von Counter-Strike begann als Freizeitprojekt einer kleinen Gruppe um Minh Le („Gooseman“) und Jess Cliffe. Die erste Beta-Version der Half-Life-Modifikation wurde nach wenigen Wochen Entwicklungszeit am 19. Juni 1999 kostenlos veröffentlicht. Zu Anfang gab es gerade einmal vier spielbare Maps, darunter Siege und Mansion, die später wieder entfernt und dann wieder hinzugefügt wurden, und nur einen Spielmodus, nämlich den klassischen Hostage rescue. Mit der Beta 4.0 wurde das Bombenentschärfungs-Szenario integriert, mit Beta 6.0 die restlichen zwei Szenarien. Zwischendurch wurden immer wieder neue Waffen, Maps und Skins hinzugefügt, bis es die heute bekannte Komplexität erreichte. Dennoch blieb das Spiel im Grunde simpel. Den Gegner zu besiegen war das höchste Ziel, hierzu war taktisches Denken und Teamplay absolute Voraussetzung. Bis heute hat sich hierbei nichts verändert und gerade diese Gegebenheiten hat Counter Strike dort hin gebracht, wo es heute ist.

beta times

Man hat mit Moden oder ISDN mit einem Ping größer als 200 gezockt. Damit wird man heute als Lagger von jedem Server gekickt. - Grennie, heutiger Casual Noob

Spieler, die bis Dato (1999) noch mit Half-Life, Unreal, Quake 3 Arena oder anderen Shootern beschäftigt waren, kamen nun in den Genuss eines Team-Shooters der durch die Half-Life Macher so vertraut schien und doch viel neues bot. Schnelle, actionreiche Runden im Team, passend zum noch folgenden Breitband-Ausbau, machte es den Gamern möglich vom heimischen Rechner aus mit Freunden und Fremden den neuen Geheimtipp zu spielen. Bis zum Release im Jahre 2000 und durchaus auch noch eine gewisse Zeit danach war der heutige E-Sport Platzhirsch nämlich genau das: Ein Insider. Schnell fanden sich Teams zusammen, Freundschaften wurden geschlossen, Noten vernachlässigt. Zudem wurden die Spieler kreativ und fixierten sich neben der perfekten Taktik auch auf die effizienteste Technik. Zu Zeiten vor High-Tec Gaming-Mäusen musste hier zu Tricks aus dem Baumarkt gegriffen werden und so wurde die gute optische Maus mit Teflon- und Silikonspray bearbeitet. Auch Mauspads wurden modifiziert um die manuelle Sensitivität zu steigern. Findige Gamer mit ordentlich Freizeit stellten ganze Anleitungen inklusive Einkaufslisten in Foren für User parat. Das große Basteln war damit offiziell eröffnet.

Auch ingame wurde bereits fleißig gemoddet, Fadenkreuze und Skins konnten relativ einfach selbst gemacht werden, Spraylogos wurden immer beliebter und so erschuf man sich im Spiel einen eigenen Stil, quasi eine eigene Identität. Clans verbreiteten ihr Logo quasi in ihrer Taktik eingebaut auf den Maps. Große Show-offs standen der Community zwar noch bevor, doch der harte Kern hatte sich bereits eingefunden und machte das Spiel zu ihrem eigenen.

Mit den stetigen Erweiterungen der jeweiligen Beta-Abschnitte gewann das Spiel an Umfang, was den Spielern wiederum zu regelmäßig neuen Möglichkeiten verhalf. Nicht nur mit neuen Waffen, Skins, Sounds oder anderen Feinheiten warteten die Jungs von Sierra und inzwischen auch Valve auf. Völlig neue Szenarien, wie den Assassination Mode, bei dem das Ziel darin bestand, den gegnerischen "VIP" zu eliminieren und simultan den eigenen zu schützen. Immer wieder wurden Karten verändert, neu kreiert oder aus dem Map-Pool entfernt. Bis Beta 1.9 konnte die Flashbang noch tödlich sein und Kevlar begrenzte sich ausschließlich auf den Torso. Bis 2.0 gab es keinen Timer, der anzeigte, wie lange die jeweilige Runde noch ging. Drei Monate lang wurde als quasi blind gespielt, bis dieses Feature eingeführt wurde, das heute als selbstverständlich gilt. In 3.0 wurde das "Radio system" hinzugefügt und bereits zwei Tage später kam die "ignoreradio" Funktion, da die Trolle einen Heidenspaß hatten, andere Spieler mit .wav Dateien zu nerven.

Gegen Ende der Betaphase baute sich nicht nur das Spiel Stück für Stück auf, sondern auch die Erwartungshaltung gegenüber der finalen Version wuchs stetig. Nach der Jahrtausendwende befand sich Counter-Strike in der Beta 7.0. Letzte Bugs wurden zum 20. Mal gefixt, Texturen aufpoliert und neue Animationen erstellt. Weitere Maps wurden hinzugefügt, andere geupdated und als Sahnehäubchen beglückten auch die Dual Berettas den Spieler.

Am 8. November 2000 war es nun soweit und der offizielle Release von Counter-Strike stand ins Haus. Weiterhin kostenfrei erhältlich als Half-Life Modifikation, aber auch zusätzlich als Kaufversion, die über Sierra Entertainment als eigenständiges Spiel vertrieben wurde.

COUNTER STRIKE GOING VIRAL

Ab CS 1.0 wurde es dann eklig, da das Spiel populär wurde und jeder 12-jährige Bengel dabei war - Grennie, hat auch seine Maus eingesprüht

Der Release von Counter-Strike lockte Unmengen neuer Gamer an, auch solche, die von dem Spiel noch nicht einmal wissen sollten. Doch hat das damals niemanden sonderlich interessiert und so saßen auch die lieben Kinder vor den Rechnern und lieferten sich mit den Großen Feuergefechte auf den vielen neuen Maps. Endlich kam auch der Spectator Mode hinzu, welcher nicht nur zum Üben neuer Taktiken half, sondern vor allem auch der Spionage des Gegners diente. Eine vollkommen neue Ära war geschaffen. Spieler teilten sich schnell in verschiedene Fraktionen auf, vom Camper bis zum Hacker.

Foren quollen über vor Tipps, Fragen, custom Skins, Maps, Crosshairs und Fanart. Videos und Comics wurden verbreitet und Legenden erschaffen. Die ersten Turniere waren schnell ausgerichtet und genau so schnell wurde klar, wie massentauglich Counter-Strike tatsächlich war. Das seiner Zeit perfekte Turnierspiel ging um die Welt und Clans wurden in der Szene bekannter als so mancher Popstar. Es sollte nicht lange dauern, bis etliche weitere Updates und neue Versionen des Spiels folgten. Trotz einer gewissen Ruhephase ist Counter-Strike heute mit der aktuellen Version Counter-Strike: Global Offensive wieder voll im Geschäft und groß wie nie. Vielleicht sind die Gamer von damals inzwischen ruhiger geworden, doch nun sind die kleinen Geschwister am längeren Hebel und machen das Beste daraus. Die Erinnerungen werden mit Sicherheit nicht vergehen, wenn auch etwas vor den gefüllten Stadien und Streams mit mehreren Tausend Zuschauern verblassen. Jedoch wurde von ihnen der Grundstein für ein Phänomen gesetzt, der die Welt der Computerspiele revolutioniert hat. Erst im April wurde eine Superliga mit einem Preisgeld von 1 Million US-Dollar angekündigt. Und obwohl wir bereits auf über 15 Jahre Geschichte zurück blicken können, beginnt die Reise von Counter Strike gerade erst.

Bild des Benutzers Coolhand

Autor: Chrissi | Coolhand

Chrissi, Assistenz der Geschäftsleitung | Turnier Administration | Die innere Uhr von Bonjwa.

15. Juli 2015 - 16:29
Bild des Benutzers TerenZ
TerenZ
Benutzer
Offline
13.05.2016 - 20:22
20.11.13
19

Achja, die guten alten Cs Zeiten :D Mit 1.4 angefangen, condition zero mit Kampagne (was viele vllt garnicht wissen) bis hin zu dem legendären 1.6 und source. Fand Cs schon immer geil und gut dass Cs grad eine Renaissance durchlebt.

Guter Artikel, bekommt man gleich wieder Lust zu daddeln ;)

15. Juli 2015 - 17:13
Bild des Benutzers Shàwen
Shàwen
Community Mod
Offline
29.08.2018 - 20:30
01.07.14
938

Hach ja, damals im Informatikunterricht.... das war immer eine Gaudi :D. Gleich mal mekren, dass es wieder auf der nächsten Lanparty gezockt werden muss :D

18. Juli 2015 - 15:08
Bild des Benutzers NanashiStarCraft
NanashiStarCraft
Benutzer
Offline
14.03.2018 - 22:31
12.02.14
132

Lol, nice das Video kannte ich noch garnicht :D

21. Juli 2015 - 16:14
Bild des Benutzers ChrizMoh
ChrizMoh
Benutzer
Offline
09.02.2017 - 21:05
07.04.15
21

Oooh Mannomann! 1999! Schon 'ne Ecke her. Ich hatte allerdings erst mit Counter Strike 1.6 Kontakt. Es lähgte nicht auf unseren verstaubten Kompjutern, aber die Schietah gingen einem mit Woalhägs auf den Zeiger. So hab ich das tatsächlich geschrieben - heute weiß ich's fast besser.

Zu der Zeit hat nicht nur ein Clownfisch in "Findet Nemo" sein Debüt gefeiert, sondern ebenfalls die menschliche Ego-Shooter-Gattung, denen 'ne 800 x 600-Auflösung vorkam, wie ein heutiger CGI-Streifen: Ich und meine Freunde. Unser Wissen über Maps, Waffen und der eigentliche Titel des Games wurden nur bei einem von 23 Versuchen richtig ausgesprochen: "Die Karte mit dem Eis."; "Die Waffe, die Dauerfeuer hat."; "Beim Pool."; "Da wo ihr Penner immer gewinnt!" und "Das Spiel mit den Bomben und den Terroristen.". Ja. Wir waren zu dem Zeitpunkt schon wirklich eloquente Teufel. Was sich, wie Chrisi es bereits vortrefflich beschrieben hat, in unseren Noten widerspiegelte: Hab damals beinahe meine Lehre als Süßmoster nicht bestanden.

Dass CS wieder in den Köpfen der Gamer auf dem Vormarsch ist, lässt mich vor Freude meine AWP polieren. Wer nach dem Satz jetzt in seine schlecht beleuchteten Gefilde, im unartigen Teil, seines Oberstübchen abdriftet, hat wohl den falschen TAB offen. Falls Ihr dennoch weiterlest: Gebt dem Titel 'ne Chance. Ist für 'n paar Runden, plus-minus 20, verdammt spaßig und drüber hinaus. Und hey: Mit den Preisgeldern könnt ihr Euch länger auf Euren bevorzugten TABs aufhalten und noch unergründlichen Content freischalten.

Und Euch Schreiberlingen dieser Seite, sei weiterhin ans Herz gelegt: Danke für Eure Arbeit hier und *Motivationsschub. :)

23. Juli 2015 - 20:30
Bild des Benutzers M4na
M4na
Benutzer
Offline
23.07.2015 - 20:30
13.06.15
2

Schön geschrieben. Manchmal vermisse ich dieses Einwahlgeräusch von meinem damaligen 56k-Modem.. *nostalgischwerd* laugh

26. Juli 2015 - 12:27
Bild des Benutzers Flakes
Flakes
Benutzer
Offline
25.11.2016 - 21:29
02.06.15
114

Ein richtig schöner Artikel. :) Kaum ein Spiel birgt so wie wohlige Nostalgie wie Counter-Strike. Das Ur-Counter-Strike war mein erster Online-Shooter und ist eine der wenigen Spiele, die wir ihre vielen Schwächen verzeihen - gerade, weil sie auch so viele Stärken haben und das, was sie machen, gut machen. Counter-Strike hat den eSport frühzeitig geformt und viel für ihn getan.