Community-Probleme: Cry me a river

Tränen fließen, Selbstmitleid kursiert und Unterarme werden zerschnitten. Rumgeheule, oft nur Whining genannt, grasiert unter der Spielerschaft wie eine Seuche und zerstört den Spielspaß vieler Gamer.

Max | Zahard 22.09.14

Wer schon etwas länger Titel wie Starcraft II oder LoL, bzw. Dota II spielt, der sollte wissen, dass nicht nur emotional verwirrte Schwarzträger zum selbstmitleidigen Rumgeweine neigen, sondern auch viele Zocker. Ob Balance, Pech oder wiederholt schlechte Teammates - viele Gamer sind um das Suchen und Finden von vermeintlichen Ausreden für ihr Versagen nicht verlegen. Dass es nicht nur ein Phänomen unter Durchschnittsspielern ist, sondern auch Profis wie Artosis (Wer ist Artosis?) oder Idra in der Vergangenheit mit Balancegeweine auf sich aufmerksam gemacht haben, ist Fakt. Bei Letzterem war allerdings die Grenze zum Flamen und Ragen oft fließend ("I would play Terran, but i have self-respect"). Sogar im Bonjwa-Team gibt es mit Atomie einen permanenten Verfechter der "Protoss is imba"-Fraktion, der jeden Sieg der edlen Beschützerrasse des Universums mit deren kompletten Overpoweredheit begründet. Dass Winseln und Wimmern über solche Dinge am Spiel selbst nichts ändert, spielt für die Beschwerer-Gruppe keine oder kaum eine Rolle, da nur selten Gegenvorschläge vorgebracht oder auf dagegensprechende Argumente eingegangen wird. Wieso, weshalb und warum dieses Verhalten auftritt, versucht das Redaktionsteam von Bonjwa in dieser Ausgabe von "Community-Probleme" zu ergründen.

vom schluchzen und ritzen

Ein großer Teil von "whining" (vom Englischen "whine" für jammern/weinen) findet dabei bereits in dem Vorschicken verschiedener Argumente für das eigene Versagen statt. Die populärste Vermutung vieler Moba-Spieler, dass Teammates für die eigene missliche Lage verantwortlich sind, ist rein mathematisch gesehen schon entkräftigt. Ein Team besteht aus fünf Spielern, wovon einer der eigentliche Protagonist unseres Beispieles ist. Folglich bleiben neun Spieler im gesamten Game übrig: Geht man davon aus, dass im gesamten Spiel ein Troll/Feeder ist, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass er im eigenen Team sitzt bei 4/9, also 44,4%. Es ist also rein theoretisch wahrscheinlicher, dass der Troll im gegnerischen Team ist. Selbst wenn eine Häufung von negativen Ereignissen möglich ist, wird sich die Verteilung auf eine längere Spielreihe betrachtet ausgleichen. Ihr kennt das von der Stochastik: Wenn man eine Münze nur oft genug lang hochwirft, wird sich die Anzahl von Kopf und Zahl auf Lange Sicht hin angleichen. Auch Pech ist eine eher schlechte Ausrede, da es im Wesentlichen ein zu vernachlässigender Faktor ist. Natürlich kommt es in Mobas vor, dass der gegnerische Champ mal mit 3 Hp wegkommt, wodurch ein Kill wegfällt. Nichtsdestotrotz bleibt aber der Vorteil, den Gegner aus der Lane gedrängt zu haben. Auch im späteren Spielverlauf ist Glück auf eine ausreichend große Anzahl von Spielen gesehen eine nahezu unbedeutende Variable des Ergebnisses, da Teamfigths fast immer von Positioning, Teamcomp und individuellem Spielstil entschieden werden. Zuletzt bleibt noch das Kronjuwel aller Atomies, die Balance eines Spiels. Während sie in Mobas eher selten relevant ist, da ja overpowerte Champions häufig gebannt oder selbst gepickt werden können und die Map nahezu symmetrisch angelegt ist, spielt sie in SC II eine größere Rolle. Die Balance zwischen den verschiedenen Rassen ist entscheidend, da Rassenwechsel für Profis nahezu unmöglich sind, aufgrund der sehr unterschiedlichen Spielweise. Deshalb liegt auch das Hauptaugenmerk der Spielbalance immer darauf, dass die Chancengleichheit auf der höchsten Ebene des eSports, namentlich im Echtgeldbereich, gewährleistet ist. Folglich stehen Aussagen über die Ausgewogenheit des Titels nur den besten Spielern zu, da es nur auf sie ausgerichtet ist. Natürlich wird versucht, in jeder Liga ein gewisses Gleichgewicht zwischen den Rassen herzustellen, was jedoch aufgrund des komplett verschiedenen Skill-Levels nur extrem schwer und bei weitem nicht so wichtig ist wie die Balance im Profibereich, da es hier nicht um Geld geht. Die Stärkeunterschiede zwischen den Rassen sind aber auch in Bronze marginal und dem Spielspaß steht eigentlich nur eins im Weg - die eigene Einstellung.

Und genau hier liegt wie immer der Hund begraben. Whining ist reine Kopfsache. Dabei hat das Weinen an sich durchaus eine Funktion für den Menschen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass dieses Verhalten grundsätzlich zwei Funktionen erfüllen kann, was jedoch noch nicht bewiesen werden konnte. So soll der Tränenfluss, respektive Rumgejammmer und dargestellte Trauer, ein Sozialverhalten sein, das um Hilfe, bzw. Verbesserung der Lage bittet, oder eine Möglichkeit zum eigenen Stress- und Spannungsabbau darstellt. Während dieses Verhalten also in der Realität durchaus eine Daseins-Berechtigung genießt, muss diese Funktion für Multiplayer-Games differenzierter angesehen werden. Besonders bei Mobas handelt es sich nicht nur um eine bloße Interaktion zwischen Individuen, sondern um eine zielgerichtete Kooperation. Man arbeitet zusammen und versucht das Spiel zu gewinnen, wobei jeder in der Regel eine vorgeschriebene Rollen einnimmt. Da in den meisten Fällen jeder Zocker siegen will, macht es keinen Sinn sich über Umstände zu beschweren, da das "whining" keine auf dieses Ziel gerichtete Aktion ist. Weder hilft es sich bei anderen zu beschweren wie schlecht der eigene Ad-Carry oder gleich das ganze Team ist, noch sich in Selbstmitleid zu ergeben und zu sagen: "Ich kann einfach nicht hochladdern, weil X das verhindert". Das schnelle Aufgeben von vermeintlich verlorenen Spielen ist ebenfalls ein mehr als unsinniges Verhalten, da das wiederholte Fordern des "surrenders" rein demoralisierender Natur ist und jederzeit mögliche Comebacks verhindert. Das Erbringen der besten eigenen Leistung, bleibt folglich der effektivste Weg um sein Team zum Sieg zu führen.

Was ist der ozean, wenn nicht eine vielzahl von tränen

"Whining" besitzt also keinerlei gewinnbringende Funktion und sollte daher aus sämtlichen Spielverhalten ausgeschlossen werden. Jedoch ist dies oft leichter gesagt als getan. Während bei kleinkindischem Trauerverhalten der Mitspieler ein einfacher Druck auf den Mute-Button genügt, ist bei eigenem Hang zum Selbstmitleid mehr Arbeit von Nöten. Zunächst sollte man sich eine Sache bewusst machen: SC II, DotA und LoL sind ohne Ausnahme bereits extrem ausbalanciert und auch wenn hin und wieder overpowerte (aus der dem Englischen für "überwältigen") Champs und Builds existieren, so gibt es doch eine überwiegende Chancengleichheit. Während bei den Mobas einfaches Bannen im Ranked ausreicht, ist der Schlüssel für das Besiegen von Taktiken in SC II vor allem gutes Scouting und ein möglicher Counterbuild. Sollte das wiederholt nicht möglich sein, sollte man bei der Fehlersuche immer dort anfangen, wo Verbesserungen am einfachsten sind: bei einem selbst. Durch das Betrachten von Replays können Fehler leichter erkannt werden und im nächsten Spiel in Angriff genommen werden. Sollte trotz mehrfachen Begehens desselben Missplays keine Besserung in Sicht sein, helfen vielleicht einige Lehrvideos aus der Bonjwa Academy. Wenn sogar das scheitert, gibt es immernoch die Möglichkeit einen privaten Coach zu engagieren, der einem auf die Sprünge hilft. Grundlage jeder Verbesserung ist und bleibt aber das Eingestehen eigener Fehler.

Schlussendlich trifft die Binsenweiheit "Wenn du willst, dass etwas richtig gemacht wird, mach es selbst" perfekt zu. Sollte man mit der Leistung seines Teammates unzufrieden sein oder Protoss zu stark finden, sollte man sich selbst erst einmal daran versuchen, bevor man urteilt. So meinte auch Grubby, als er zu dem Thema befragt wurde. Wenn er eine Taktik op (Kurzform für overpowered) findet, probiert er sie zunächst mal aus, bevor er sich über die Balance aufregt. Und wenn der sympathische Niederländer kein Vorbild für einen guten (e)Sportsmann ist, wer dann ?

Rage of the day: "There is already two rivers in this map and you want to create another one with your crying"

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Autor: Max | Zahard

Als Student aus Leidenschaft schimpft man mich Redakteur in den Diensten Bonjwas. Meine eSport-Karriere begann mit der Spielzeug-Raserei Trackmania Nations vor ungefähr 7 Jahren und fokussiert sich momentan zu 100% auf Overwatch. Ein Game für die Götter :3

Außerdem zock ich leidenschaftlich Victoria 2 und Europa Universalis 4.

22. September 2014 - 20:16
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-MeRk-
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07.03.2015 - 14:52
21.09.14
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Schöner Beitrag, war doch in WC3 und Broodwar "noch" schlimmer :P

Da die Gamergenerationen immer jünger und naiver werden, bleibt das wohl nicht aus. Wobei ich selbst sagen muss, das ich mich teils auch heftig über jemanden aufrege, dessen Gedankengänge nicht die eines Frosches übersteigen. Aber das kann man ja auch still und nicht unbedingt während dem match.

//edit

Balancing..die Rasse/Champ ist nur so gut wie der Spieler.

22. September 2014 - 21:13
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FabiOrigins
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07.07.2015 - 19:24
26.08.14
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Guter Beitrag, der vielleicht einige Leute zum Nachdenken bringt ;)

Ich selbst habe mich früher sehr oft fürchterlich über meine Mitspieler aufgeregt wenn ich verloren habe (bei LoL). Inzwischen bin ich deutlich ruhiger geworden. Ich denke, dass liegt zum einen am Alter, zum anderen aber auch daran, dass ich League schon lang genug spiele um zu wissen dass ich nicht unfehlbar bin.

Wenn ich mir jetzt meinen drei Jahre jüngeren Bruder ansehe, muss ich entweder laut lachen (wenn ich ihm zusehe) oder laut fluchen (wenn wir zusammen spielen). Läuft die Champion Wahl nicht schon genau so wie er sich den Idealfall vorstellt, ist das Game aus Prinzip schon verloren. Haben wir diese höchst emotionale Phase halbwegs gut überstanden können wir ins eigentliche Spiel starten. Aber da geht es dann richtig los: Wird er getötet, war entweder der Jungler, der Gegner mit seinem Imba-Champ, gleich das gesamte Team oder (und das mit abstand am häufigsten) ich schuld. Sämtliche Schuld weist er komplett von sich und eine Belehrung von seinem Bruder will er schon gar nicht aktzeptieren.

Ich hoffe nur, dass er irgendwann etwas ruhiger wird und das Spiel nicht so verbissen ernst nimmt. Schließlich sollte es in erster Linie Spaß machen :)

22. September 2014 - 22:45
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Lagerraumeis
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19.09.2015 - 23:12
15.11.13
317

Ich glaube in diesem Post wurde angedeutet das Protoss nicht OP sei.

SKANDAL!

toss op.

22. September 2014 - 22:52
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Atomie
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23.02.2017 - 16:11
27.12.13
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Such Protoss very Propaganda.

NAIN Protoss ist nicht op, nur viel zu einfach zu spielen:P.

23. September 2014 - 9:18
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Cranium
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29.10.2017 - 08:59
15.11.13
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Sicher und wieso bin ich dann noch in Silber? So easy.

23. September 2014 - 10:00
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Zahard
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15.04.2018 - 18:31
26.11.13
189

Wurde beim Korrektur lesen rausgenommen, daher hier nochmal:

Jute Besserung Cranium.

23. September 2014 - 10:49
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Liox
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15.04.2016 - 11:31
04.05.14
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Schöner Beitrag "I aM JesuS".

Etwas das ich aus meiner eigenen Erfahrung noch dazu bringen kann ist, dass Whiner meisten eine kleinere Randgruppe der eigentlichen Community sind. Da der Großteil der Community sich aber entweder für die Foren nicht interessiert oder kaum etwas schreibt, wird man, nach meiner Erfahrung, speziell in den Blizzardforen, schnell davon überzeugt, dass viele Spieler anscheinend "Whiner" im klassischen Sinne sind. Diese Leute gehören allerdings dann oft auch zu den Unbelehrbaren. Du kannst ihnen Tipps geben und Videos zeigen usw., sie werden nicht müde dir zu predigen warum das Spiel "krass unbalanced ist" oder kurz vor dem Aussterben steht (die Frage warum sie das Spiel dann noch spielen wird meistens nicht geklärt). Ein klassiches Beispiel sind dann Forenthreads wie "Terran ist tod!!!!!111elf".

Etwas, das für mich persöhnlich interessant wäre, wäre vielleicht für einen der folgenden Beiträge auch mal ein Überblick wie sich die Gamingscene an sich verändert hat im Bezug auf die Spielerbedürfnisse in den letzten 10-20 Jahren (sofern es Leute gibt die soweit zurückblicken können), und zwar einfach aus dem Grund das es ja nicht nur "Whiner" gibt, die sich darüber aufregen, dass sie das Spiel nicht so spielen können wie sie möchten (oder "ständig Verlieren" (bei einer Winratio von ca. 50% *hust*)), sondern auch das genaue Gegenteil:

Vermeintliche "Hardcore"-Gamer/"Wannabe-Pros" die sich darüber aufregen, dass das Spiel was sie spielen zu leicht wird bzw. das man Erfolge leichter erringen kann, weil Mechaniken einsteigerfreundlicher gemacht werden, wodurch es schwieriger wird sich von der Masse abzuheben (und die damit eingehende "Bewunderung" der anderen Spieler zu genießen).

PS: Nerf PROOOOOOtoss :P ^.^

23. September 2014 - 12:14
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PS.unskill3d
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23.09.2014 - 23:24
15.11.13
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Guter Beitrag. Das rumgewhine geht mir auch mächtig auf den Zünder. Vor allem wenn ich mich mal selbst dabei erwische. ^^

23. September 2014 - 17:13
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Honeybadger
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28.02.2017 - 18:09
15.02.14
5

Guter Beitrag, den sollten sich einige Leute definitiv mal durchlesen :D

Wenn ich mal Random spieler, bekomme ich meistens nicht nur das gewhine ggn eine Rasse ab sondern ggn 3. Und es ist echt amüsant(und traurig) zu sehen, worüber so gewhinet wird^^

Ab und zu ertappe ich mich auch bei whinen. Aber meistens gehts nicht um Balance- sondern um Designprobleme. Zum Beispiel die Abhängigkeit von Protoss von Forcefields, oder die eingeschränkte Harass- möglichkeit im TvP earlygame. (wie gerne würde ich mal wieder ne frühe banshee spielen ohne von der Nexus cannon sofort davon gejagt zu werden^^)

23. September 2014 - 18:57
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Shiek
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19.03.2016 - 19:52
16.03.14
212
Guter Artikel bin leider manchmal auch whiny hat aber sehr nachgelassen bei mir. Was mich aufregt ist wenn man seine eigenen Fehler nicht findet und trotzdem richtig hart verliert. Gibt sicher Leute die echt mal etwas kürzer treten sollten was das angeht in sc2 gibts teilweise dudes die dir krasse Beleidigungen an den Kopf werfen, wegen der vermeindlichen imbalance eines Spiels. So hat mich der flame vor kurzem :"I hope your whole family dies off cancer" doch sehr zum grübeln gebracht. Würde der Mensch auf der anderen Seite sowas im reallife jemals unter irgendwelchen Umständen sagen? Ich denke nicht. Deshalb schon echt krass erstaunlich zu was indirekte Kommunikation in Kombination mit Anonymität im web die Leute werden lässt o.0.
25. September 2014 - 9:55
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Turbulence
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30.05.2015 - 01:00
01.12.13
3

Vorneweg gesagt: Sehr schöner Artikel, du sprichst mir aus der Seele.

Ich würde jedoch nicht behaupten, dass die Balance in Mobas selten relevant ist. Der Grund wieso weniger darüber gewhined wird als in Starcraft ist, da es einfacher ist sich über Teammates aufzuregen und man sie beleidigen, reporten etc. kann. Darin liegt auch einer der Gründe wieso Mobas populärer als SC sind. Viele Anfänger werden nach verlorenen Spielen vergeblich nach Mitspielern zum Flamen suchen. Sie können sich selbst aber nicht eingestehen, dass der einzige Spieler im Team, nämlich sie selbst, an der Niederlage schuld sind und hören entweder frustriert wieder auf. Die die weiterspielen suchen sich dann die nächste Ausrede: die Balance.