Computerspielsucht - Ein wachsendes Problem - Teil 2

Wir begeben uns zurück in die Tiefen der Süchte. Wie sieht es mit einer Definition aus? Mehr dazu im Artikel.

Moritz | Cranium 12.06.15

Der Computer als Medium ist zu einem ständigen Begleiter in unserem Berufsleben und vor allem auch in der Freizeit geworden. Online- und Internetaktivitäten wie auch Computer- und Videospiele finden immer größere Verbreitung. Mit wachsendem Gebrauch des Mediums Computer werden jedoch zunehmend pathologische Nutzungsmuster im Zusammenhang mit dem Computer und dem Internet im Sinne einer Verhaltenssucht beschrieben. Gerade Online-Rollenspiele sind mit einem erhöhten Risiko verbunden, ein süchtiges Spielverhalten zu entwickeln. Nach aktuellen Studien weisen zwischen 3-10% der Spieler insbesondere von Online-Spielen ein problematisches Spielverhalten auf.

- Arbeitsgruppe Spielesucht an der Charite Berlin

Vor ein paar Wochen konntet ihr den ersten Teil der Computerspielsucht lesen. Heute setzen wir die Serie fort und blicken auf die Sucht selber. Was ist Sucht? Womit können wir sie definieren und dürfen wir dies überhaupt?

Jeder von uns kennt es: Die Eltern oder der Partner kommen gerade von der Arbeit heim und sehen einen am PC sitzen. Meist wird sofort die Vermutung aufgestellt, bei der man den ganzen Tag nur vor der „Flimmerkiste“ sitzt. Doch eigentlich habt ihr in der Abwesenheit eurer Bekannten das Haus aufgeräumt, Wäsche gemacht und den Hund Gassi geführt. Da will man sich jetzt einmal entspannen und trifft auf sowas.

Es ist ziemlich schwierig für Außenstehende oder ältere Generationen den Sinn in der Technik zu sehen. Zwar wird sich dieses Problem durch den Generationenwechsel von selbst lösen, doch bis es dazu kommen wird, werden wir um Aufklärung nicht herumkommen. Während meiner Ausbildung habe ich in einem Altersheim gejobbt und den älteren Menschen den Umgang mit einem PC „beigebracht“. Mit ein paar kleinen Ausnahmen waren viele der älteren Herrschaften sofort begeistert und wollte gar nicht mehr weg von dem PC. Eines der Grundprobleme in älteren Schichten ist die fehlende Bereitschaft, sich mit neuen Dingen zu Beschäftigen.

Doch wenn die Aussage stimmt? Wenn jemand den ganzen Tag am PC sitzt? Ist es dann Sucht? Im nächsten Absatz spiegelt sich die Meinung des Autors wider.

Zwar ist es eine lange Zeitspanne, wenn jemand morgens um acht den Computer einschaltet und diesen erst in der Nacht um zwei Uhr ausschaltet, doch dann müssten wir jeden eSportler als Süchtigen ansehen. Für mich hat Sucht etwas mit privatem Vergnügen zu tun. eSport ist inzwischen ein Geschäft und wird auch von den Sportlern so betrieben. Dort sehe ich einen klaren Unterschied zu dem typisch Süchtigen. Niemals wird ein eSportler 48 Stunden durchspielen, da sich die Reflexe ohne ausreichenden Schlaf zurückbilden. (Nach 24 Stunden ohne Schlaf verhält sich der Körper so, als hätte er 1,0 Promille) Die wirkliche Sucht beginnt meiner Meinung nach erst mit dem maßlosen spielen eines einzigen Spiels. MMORPG oder MOBAs sind die Spiele mit dem höchsten Suchtpotential. RTS-Spiele haben nicht die Möglichkeiten den Spieler dauerhaft mit Glücksgefühlen zu füttern, besonders im Multiplayer. Ego-Shooter konnten dies erst mit dem Erscheinen von CoD: Modern Warfare wirklich erreichen. Wo auch sonst gab es Belohnungen für jede Kleinigkeit? Schnell war man als Spieler bei Level 70 angelangt und durfte den Prestige Modus ausprobieren. Es war also für lange Nächte vorgesorgt. Nicht umsonst ist der Multiplayer von CoD, der wohl erfolgreichste auf der Welt.

Mobiler Sektor, Diagnose und ein Fazit

Allgemein ist die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit geteilt. Dem Alkoholismus ebenbürtig, haben auch für die Computerspielsucht die wenigsten Menschen Verständnis. Wenn in einer Beziehung der Partner an einer Sucht leidet, so kommt der Begriff der Co-Abhängigkeit ins Spiel. Diese wird wie folgt von Wikipedia definiert:

Co-Abhängigkeit bezeichnet ein umstrittenes psychiatrisches Konzept, nach dem manche Bezugspersonen eines Suchtkranken dessen Sucht durch ihr Tun oder Unterlassen zusätzlich fördern und/oder selber darunter in irgendeiner Form leiden.

- Wikipedia

Unbeabsichtigt helfen die Partner mit. Es wird jedes Mal auf Besserung gehofft und dem Konflikt mit dem Partner ausgewichen. Meist müssen die beiden Partner in psychiatrische Behandlung und haben einen langen Weg der Genesung vor sich.

Spielesucht greift inzwischen auch auf den mobilen Sektor über. Handyspiele locken mit schnellen Erfolgen und einfacher Bedienung, womit sie meist Jugendliche in ihren Bann ziehen. Oft berichten Jugendliche von sogenannten „Halluzinationen“, wenn das Handy in der Hose vibriert, obwohl dies eigentlich gar nicht passiert ist. Große Gefahr besteht im weiteren Spielverlauf bei den „Pay-to-win-Spielen“. Wer die Käufe über die Handyrechnung abwickelt, verliert sehr schnell den Überblick. Plötzlich kommt am Ende des Monats die Rechnung mit einem Betrag von rund 200 Euro, da der Spieler jede Woche etwas Neues gekauft hat. Schnell ist man in die Schuldenfalle gerutscht. Zwar ist die nur bei einem kleinen Prozentsatz der Spieler der Fall, doch auch hier ist tendenziell ein Wachstum zu erkennen. Hier haben Eltern eine wichtige Aufgabe, niemals sollten Kinder oder Jugendliche einen Vertrag haben, bei dem sich Spiele über die Mobilfunkrechnung abrechnen lassen können. Denn ab einem bestimmten Punkt machen solche Handyspiele ohne Einsatz keinen Spaß mehr. Mehr zu Mobile Games findet ihr im Artikel von Bermuda.

Wenn jemand eine Diagnose stellen sollte, dann nur der nächstgelegene Psychologe oder Neurologe. Es ist zwar möglich ein Abbild der Stimmung zu bekommen, doch eine klare Aussage ist durch einen solchen Onlinetest nicht zu erreichen. Ihr könnt euch selbst testen, auf der Seite der Charité Berlin.

Abschließend lässt sich sagen, dass eine Definition sehr schwer ist. Zu viele Variablen und andere Umstände ermöglichen uns keine klare Aussage über die Sucht. Wir orientieren uns an der Charité in Berlin, doch schließen den eSport kategorisch aus.

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Autor: Moritz | Cranium

Moritz, 21 Jahre und aus dem wunderschönen Schwabenland. Inzwischen CS:GO Suchti und Fanatic Fanboy. #TeamWawu

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27. Juni 2015 - 23:25
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esports1de
Benutzer
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10.12.2015 - 20:05
31.03.15
9

Danke für den Artikel. Ich finde es sehr wichtig offen mit dem Thema umzugehen und für Aufklärung zu sorgen. Anders als in Korea beispielsweise geht man hierzulande ganz anders (und teilweise auch völlig falsch) damit um. Ich denke auch der Begriff an sich bewirkt ein Missverständnis bei den meisten. Anders als z.B. bei der Alkoholsucht oder Drogenabhängigkeit hat es bei Games weniger mit der Sucht nach dem "Glücksgefühl" beim Spielen zu tun, sondern hat vielmehr psychologische Ursachen. Man versucht der Realität zu entfliehen und sich mehr und mehr aus einem unerfüllten Leben in eine befriedigendere Existenz zu "retten".