Das größte Turnier der Welt: The International

In diesem Jahr findet zum fünften Mal das jährliche International-Turnier für Dota 2 in Seattle statt. Es geht um 17 Millionen Dollar Preisgeld. Doch wie kam es dazu? Eine Geschichte über plötzlichen Aufstieg und eingetretenen Türen.

Niko | Flakes 25.07.15

Spiele wie Counter-Strike oder Starcraft haben sich im eSport hochgearbeitet – Dota 2 hingegen schlug wie eine Bombe ein. Entwickler Valve tat einiges, um ihr MOBA möglichst lange in der Hinterhand zu behalten. Anschließend wurde das gierige Biest einfach auf die Szene losgelassen. Das Ergebnis: Hochpreisige Turniere, eine riesige Fanbase und die internationale Aufmerksamkeit für Dota 2.

Seit 2011 veranstaltet Valve jährlich große Dota 2-Turniere, zu denen die besten Teams der Welt eingeladen werden – die Internationals. Die International-Turniere sind zum Sinnbild für den raschen Erfolg von Dota 2 geworden. Im August jährt sich das Spektakel zum fünften Mal. Am 8. des Monats findet das Finale des International 2015 in Seattle statt – das Gewinnerteam nimmt über 6 Millionen Dollar mit nach Hause. Valve setzt mit ihren Turnieren neue Maßstäbe für den eSport und macht dabei einen mutigen Schritt nach dem anderen.

THE INTERNATIONAL 2011 – IN KÖLN PLATZT DIE BOMBE

Gerade bei großen Turnieren darf man beruhigt in rosigen Erinnerungen schwelgen. Das sind Erinnerungen von brütend heißen LAN-Parties, lokalen Rivalitäten und Preisgeldern, die dem Team einen Kasten Bier spendieren. Beim ersten International vor 4 Jahren verlief das allerdings nicht ganz so charmant und nostalgisch.

Aber das International 2011 trat die Tür des eSport ein und bat alle Leute um ihre Aufmerksamkeit. Zu einem Zeitpunkt, als League of Legends das Genre fest im Griff hatte und quasi niemand Dota 2 gespielt hatte, nahm sich Valve nicht viel Zeit. Kurzerhand wurde das International-Turnier auf der GamesCom 2011 in Köln präsentiert und damit der Beginn von Dota 2 eingeläutet.

Bei Dota 2 steckte Valve voller Vertrauen. Die Gewinner des International 2011 durften auf eine Million Dollar hoffen – das überstieg jedes andere eSport-Preisgeld bis zu diesem Zeitpunkt. Am Turnier nahmen einige der besten Teams der Welt statt – unter anderem EHOME und Team Natus Vincere samt dem jungen Dendi.

Erst wenige Monate, nachdem GamesCom 2011 in Köln ihre Pforten öffnete, erschien die Open Beta zu Dota 2. Lediglich die teilnehmenden Spieler bekamen das MOBA einige Zeit vorher, um sich auf das Turnier vorzubereiten. Valve veranstaltete also ein extrem hochpreisiges Turnier für ein noch nicht erschienenes Spiel, für dessen Erfolg es keinen Garant gab. Das war nichts anderes als ein Kopfsprung in den eSport.

Noch mehr diente das International 2011 gleichzeitig als chancenschwangere Möglichkeit, Fans für Dota 2 zu gewinnen. Dafür setzte Valve auch eine Dokumentation mit dem Titel Free to Play“ auf, die auf ihrem Höhepunkt das Finale des Turniers als hitzige Auseinandersetzung zwischen den beiden Finalisten skizziert. Im Finale saßen sich das ukrainische Team Natus Vincere und EHOME aus China gegenüber – Natus Vincere nahm eine Million Dollar mit. Im Interview mit dem siegestrunkenen Team Na`Vi fiel der ahnungsvoll historische Satz: "Wir werden irgendwann zurückschauen und sagen, dass hier alles angefangen hat" – und das war die schlichte Wahrheit.

Erstmals in Seattle fand das International 2012 im folgenden Jahr statt. Dabei ähnelte sich das Turnier sehr dem Event in Köln: 16 teilnehmende Teams kämpften um ein Preisgeld von einer Million Dollar. Die Teilnehmer konnte Valve in diesem Jahr etwas aufwerten und holte neben Natus Vincere und EHOME auch die Evil Geniuses (EG) und mousesports ins Boot. Das junge Team von Invictus Gaming aus China besiegte Na`Vi im Finale und brachte das Preisgeld ins Reich der Mitte.

THE INTERNATIONAL 2013 – DIE STEIGENDE KURVE

Woher kommen die hohen Preisgelder für Valves Turniere? Beim International 2013 nutzte der Software-Gigant erstmalig eine Taktik, um das Preisgeld in neue Höhen zu treiben. Anstatt das Geld komplett selbst zu stellen, finanzierte Valve einen Teil des Preisgeldes aus Verkäufen des "Compendiums". Das Compendium ist ein Itempaket für Dota 2 und enthält seit dem International 2013 diverse Items, Skins und Boni für alle Käufer. Je mehr Geld zusammenkommt, desto mehr Items enthält das Compendium. Der von Valve gestellte Prizepool gleichte dem des Vorjahres und enthielt 1,6 Millionen Dollar. Dazu kam, dass das Preisgeld um weitere 1,2 Millionen Dollar gesteigert wurde – nur durch den Verkauf des Compendiums an die Fans. Diese bisher einzigartige Finanzierungsmöglichkeit führte letztlich dazu, dass die International-Turniere Jahr für Jahr das größte Preisgeld aller Zeiten bieten können. So schaffte es Valve auch, das Preisgeld in diesem Jahr über alle Rekorde zu heben.

Erstplatzierte Spieler durften 2013 auf insgesamt 1,4 Millionen Dollar Preisgeld hoffen. Wieder kämpften 16 um den höchsten Platz am Siegertreppchen – und erneut brachte Valve die stärksten Teams der Welt nach Seattle. Natus Vincere nahm wieder teil, ebenso Invictus Gaming. Die zweitplatzierten aus dem International 2011, EHOME, hatten sich kurz vorher aufgelöst und sollten erst zwei Jahre später wieder zusammenfinden. Ihren Platz nahmen dafür Teams ein, die zu dem Zeitpunkt und auch heute den eSport-Olymp besetzen: fnatic, Alliance, Team Liquid und Team Dignitas. Die Schweden von Alliance fanden erst wenige Monate vor dem Turnier zusammen und räumten das Preisgeld im Finale gegen Natus Vincere ab.

Letztlich verfolgten eine Million Zuschauer gleichzeitig das Turnier - doppelt so viele wie im Vorjahr. Damit lag Valve nur etwa hunderttausend Zuschauer unter dem Rekord, den Riot Games mit League of Legends Season 2 Finale aufgestellt hatte. Valve stockte nicht nur jedes Jahr das Preisgeld auf, auch die Zuschauerzahlen verdoppelten sich.

THE INTERNATIONAL 2014 – DER SPRUNG NACH OBEN

Lobeshymnen an den eSport: Im Jahr 2014 schrieb Valve ausschließlich in Superlativen. Das Preisgeld stieg massiv an – Valves Taktik hatte sich erneut gelohnt. Wieder verkaufte man den Spielern das Compendium und sammelte so Preisgelder in Höhe von knapp elf Millionen Dollar. Damit wurde das Preisgeld des Vorjahres verdreifacht. Das erstplatzierte Team durfte sich auf fünf Millionen Dollar freuen. Erstmalig fand das Turnier auch in der Key Arena in Seattle statt - samt Sitzplätzen für 17.000 Zuschauer. Unter den Teilnehmern befand sich ein neues Team namens Newbee. Das chinesische Quintett formierte sich erst wenige Monate vor dem Turnier. Der bedeutungsvolle Name des Teams deuet das an, was das International so besonders macht. Mit dem abrupten Start von Dota 2 sprießen immer wieder neue Teams aus dem Boden. Die jungen Chinesen von Newbee schaften es letztlich, sich im Finale gegen Vici Gaming durchzusetzen – und fünf Millionen Dollar mit nach Hause zu nehmen. Die Internationals sind Kickstarter-Projekte des eSport und geben ungeahnte Möglichkeiten. Die Zuschauerzahlen des International 2014 waren astronomisch: 20 Millionen Zuschauer waren insgesamt dabei, gleichzeitig sogar zwei Millionen davon. Valve verdoppelte die Zuschauerzahl erneut.


"Es ist die beste Zeit des Jahres. Es ist die Zeit, in der es zwischen Entwickler und Fan keinen Unterschied gibt. Wir danken euch, dass ihr dieses Turnier möglich gemacht habt."


- Gabe Newell während der Eröffnung des International 2014 -


Die Internationals geben auch einen Querschnitt über die Länderverteilung in Dota 2. Mit Newbee und Invictus Gaming belegten zwei chinesische Teams den ersten Platz - das schaffte kein anderes Land.

THE INTERNATIONAL 2015 - DIE TRANSZENDENZ

Was kann jetzt noch kommen? Womit können die Internationals jetzt noch aufwarten? Die Zeichen für das International 2015, das bis zum 8. August in Seattle stattfindet, scheinen rosig. Alle Zeichen stehen auf Wachstum: Das Preisgeld für das Turnier sind erneut massiv angestiegen. Aus den Verkäufen des Compendiums konnte bislang ein Prizepool von über 17 Millionen Dollar generiert werden. Etwa ein Drittel davon gehen an den Erstplatzierten – das macht über 6 Millionen Dollar und aus jedem Spieler möglicherweise einen Millionär. Noch das sechstplatzierte Team erhält in etwa so viel, wie Natus Vincere 2011 für den ersten Platz bekommen hat. Man kann beruhigt davon ausgehen, dass das diesjährige International die Listen der Bestverdiener im eSport durchmischen wird.

Den Weg zum höchsten eSport-Preisgeld aller Zeiten will Valve den Teilnehmern aber nicht ohne Steine darlegen. Anstatt – wie gewohnt – alle Gewinner der vorherigen Internationals auch zu diesem einzuladen, wurden Na`Vi (Gewinner 2011) und Alliance (Gewinner 2013) in die Qualifier geschickt. Während sich Natus Vincere für das Turnier qualifizieren konnte, schied Alliance aus und hat keine Chance auf das Preisgeld.

Nicht nur haben Valve mit Dota 2 eins der größten MOBAs auf den Markt gebracht und unterhalten so täglich bis zu einer Million Spieler, sie tragen auch zur Anerkennung des eSport bei. Inzwischen findet der eSport nicht mehr nur in Kellern und Lagerhallen statt. Firmen wie Blizzard, Valve und Riot Games haben sie in Stadien gebracht. Die ESL One Frankfurt findet in der Commerzbank Arena mit über 50.000 Sitzplätzen statt, die Mercedes Benz-Arena in Berlin veranstaltet das Season Finale für League of Legends. Und auch der Mut und die astronomischen Preisgelder, die Valve in den jungen Sport gesteckt hat, lassen selbst Online-Magazine wie die ZEIT über den eSport berichten. Valve hat mit den Internationals viel für den eSport getan – und die Internationals sind eine jährliche Erinnerung daran. Jetzt ist eure Meinung gefragt: Bringen solche hohen Preisgelder den eSport überhaupt weiter?

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Autor: Niko | Flakes

Niko ist der Chefredakteur der Bonjwa-Redaktion und für die Publikationen auf Bonjwa.de verantwortlich. Während seines Studiums der Politikwissenschaft trat er im Sommer 2015 dem Team um Niklas Behrens als Autor bei und leitet inzwischen die Redaktion von Bonjwa. Niko spielt hauptsächlich Counter-Strike: Global Offensive und Overwatch.