eSport - Im Bann der Drogen?

Drogen werden immer wieder ein Thema im eSport - doch was genau kann man da eigentlich gegen tun?

Tina | Noxxey 23.08.15

Der E-Sport wächst und wächst: Bei einem International 5 inklusive 18 Millionen Dollar Preisgeld kann man definitiv von keinem Nischensport mehr sprechen. Selbst die Mainstreampresse wird auf den elektronischen Sport aufmerksam. Trotzdem bringt Erfolg bekanntlich auch immmer negative Seiten mit sich. Neben Cheating wurde jetzt eine neue Methode gefunden, erfolgreich zu sein: Drogen.

Der Adderall-Skandal

Der professionelle CSGO Spieler Kory "Semphis" Friesen gab in einem Interview zu, während der ESL One Katowice auf der Droge "Adderall" gewesen zu sein. Eigentlich wird Adderall für die Behandlung von ADHS benutzt und führt somit zu einer besseren Konzentrationsfähigkeit über einen längeren Zeitraum - Nebenwirkungen wie Panikattacken, Herzrasen oder Halluzinationen inklusive.
Angeblich sei das ganze Team auf Adderall gewesen, so Semphis. Das sei in den Interviews auch ziemlich offensichtlich. Bis auf Freakazoid, der zu dem Zeitpunkt der ESL One noch nicht einmal bei Cloud9 war, hat sich keiner dazu geäußert. Er ist der Meinung, dass das alles "Bullshit" sei.

Trotzdem kann man die Versuchung der Spieler verstehen. Die Preisgelder werden im eSport immer höher und auch der Konkurrenzdruck wird immer größer. Im Jahr 2014 organisierte die ESL beispielsweise für Starcraft ein "Winner takes all"-Turnier. 100.000 Dollar Preisgeld gab es für den Erstplatzierten. Der Rest ging leer aus. Das war übrigens auch das Turnier, bei dem Naniwa seinen wortwörtlich glorreichen Abgang hinlegte.

Auch das International ist mittlerweile zum Platzhirsch der Dota 2-Turniere geworden. Sechs Millionen Dollar bekam das Gewinnerteam EG für das TI5. Es ist also egal, was du vorher gemacht hast oder wie lange du schon Progamer bist. Du musst nur ein Turnier gewinnen und bist direkt einer der fünf reichsten Progamer - zumindest, was das Preisgeld angeht. Ob das so gerecht ist, sei natürlich dahin gestellt.

Aber darum geht es. Der eSport wächst. So schnell, dass die Organisationen selber nicht hinterher kommen. Trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - sind Drogen im eSport kein einfaches Thema. Oft werden Qualifier für größere Events von Zuhause aus gespielt. Wie soll eine Organisation so testen, ob die Spieler unter dem Einfluss von Drogen stehen?

Ein Fass ohne boden - Lösungen unmöglich?

Die einzige Möglichkeit, das zu unterbinden, wäre einfach keine Online Qualifier mehr stattfinden zu lassen. Das ist aber aus mehreren Gründen schwierig - wenn nicht sogar unmöglich.

  1. Die Spieler müssten auf eigene Kosten zu Qualifiern auf unterschiedlichen Kontinenten fliegen. Das können sich die meisten Spieler aber finanziell gar nicht leisten und auch zeitlich nicht stemmen. Viele Spieler studieren nebenbei, müssen Turniere spielen oder einfach trainieren. Da passt so ein 12 Stunden-Flug zeitlich nicht in den Plan.
  2. Die Organisationen selber müssten die Spieler einfliegen. Dies kann nicht funktionieren, weil für EIN WCS EU Qualifier durchschnittlich 200 Leute angemeldet sind. Und sowas könnte sich vermutlich noch nicht mal die FIFA leisten.

Sowieso wäre es Quatsch, keine Online Turniere & Qualifier mehr durchzuführen - denn genau davon lebt der eSport. Also sind wir wieder am Anfang und haben immer noch ein Drogenproblem. Trotzdem hat zumindest eine Organisation reagiert und zwar - wer hätte es gedacht - die ESL.

Die ESL hat eine Pressemitteilung über ihren neusten Versuch veröffentlicht. Zusammen mit der NADA (Nationale Anti-Doping Agentur) und der WADA (World Anti-Doping Agency) wollen sie sich dem großen Thema stellen. Wie kann man Doping im E-Sport verhindern?

Dabei wollen sie aber auch einen weiteren Aspekt berücksichtigen.

Warum nehmen die Spieler überhaupt Drogen?

Wie oben schon erwähnt, werden die Preisgelder immer höher. Oft haben Spieler keine richtige Ausbildung, da sie schon früh zum Vollzeit-Gamer wurden. Allein deswegen muss man für die Zukunft vorsorgen. Dies führt wiederrum zu einem anderen, viel größeren Problem: Der Druck.

Das Preisgeld in Dota ist immens. Das führt leider auch dazu, dass der Leistungsdruck immer größer wird. In keinem anderen Spiel werden Teams so oft ausgewechselt wie in Dota. So bald man auch nur ein großes Turnier nicht gewonnen hat, kann man beobachten, wie die Spieler langsam aber sicher ausgetauscht werden. Allein die ESL One in Frankfurt betrachtet: Mousesports, die 2014 mitspielten, haben im Jahr 2015 schon gar kein Dota Team mehr. Fnatic, EG und Cloud9 haben komplett ihre Teams ausgetauscht. Obwohl EG sogar das TI5 gewann, warfen sie einen ihren Support - Aui_2000 - einfach aus dem Team.

Somit ist es für die Spieler ein enormer Leistungsdruck, gut zu performen - denn schon nach den kleinsten Fehlern steht die Karriere auf der Kippe. Kaum ein Mensch schafft es, konstant gut zu spielen. Jeder hat mal bessere, mal schlechtere Phasen. Deshalb ist es wichtig, sich auf den Fortschritt zu konzentrieren und so gut wie möglich die schlechten Phasen hinter sich zu lassen. Der Druck führt oft jedoch zu genauem Gegenteil. Das ist aber nicht nur bei Dota der Fall. Auch bei League of Legends gab es schon einige Fälle, bei denen Spieler von Managern bedroht wurden oder sich sogar umgebracht haben. Und natürlich: auch in CS:GO. Schon vor den Drogen gab es einige Skandale in der Counterstrike-Szene. Neben etlichem Wettbetrug und dem Ausnutzen von Bugs, wurden einige Teams auch schon wegen Cheating disqualifiziert.

Deswegen will sich die ESL nun auch dem Thema des Drucks annehmen. Sie wollen den Spielern helfen, mit dem psychischen und physischen Druck des Gamings umzugehen. Der wird nämlich oft von der Außenwelt gar nicht wahrgenommen, was ein weiteres großes Problem ist. 18 Millionen Dollar Preisgelder - ernst genommen werden wir trotzdem nicht immer.
Bis dato hat jedoch auch noch nie jemand zu Drogen gegriffen. Das denken wir zumindest. Denn auf Grund mangelnder Kontrollen stellt sich jetzt natürlich die Frage: Wie oft haben Spieler bis jetzt wirklich Drogen genommen?

Die erste E-Sportlerin, die - laut eigener Angabe - je getestet wurde, ist Maddelisk auf der ieSF in Rumänien - im Jahr 2012. Doch davor gab es schon mehr als genug große Turniere, bei denen Kontrollen nötig gewesen wären.

ESL One Cologne

Statt heißer Luft lässt die ESL Taten folgen: Auf der ESL One in Köln werden nun zum ersten Mal Doping-Kontrollen eingeführt. Die Spieler werden stichprobenartig nach den Matches zu Tests gebeten. Dort müssen sie dann eine Speichelprobe abgeben, so seien die verbotenen Substanzen für bis zu drei Tage nachweisbar. Durchgeführt wird das Ganze von der NADA, damit auch alles unabhängig und fair bleibt. Doch das ist noch nicht alles: Sogar einen Infostand hat die ESL organisiert. Spieler und Zuschauer können sich dort über die Gefahren von Dopingmitteln aufklären lassen.

So ein großes Event bleibt natürlich auch von der Presse nicht unbemerkt. Selbst das ZDF schrieb einen fundierten und aufklärenden Beitrag über das Counterstrike Turnier. Auch die Zeit nahm sich dem Thema der Cheats und Drogen im eSport an. Wie sich das Thema jedoch weiterhin entwickelt, können wir bisher noch nicht sagen. Immerhin die ESL macht einen Schritt in die richtige Richtung.

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Autor: Tina | Noxxey

Mein Name ist Tina und falls Ihr diesen Text gerade lest, habt Ihr wahrscheinlich einen meiner alten Artikel rausgekramt. Seit 2014 war ich als Redakteurin und Head of Social Media bei Bonjwa tätig und habe das Team mit meiner quirligen Art bereichert. Mitte 2016 musste ich das Projekt jedoch schweren Herzens verlassen, um mit meinen kreativen Texten über computerspielende Jungs woanders mein veganes Bio-Mittagessen zu verdienen. Ansonsten bin ich ein riesen Star Wars-Fan und verbringe viel zu viel Zeit damit, meine Mahlzeiten über diverse soziale Netzwerke zu verbreiten.

23. August 2015 - 22:43
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Muffinman
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25.04.2018 - 22:07
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Das ist ja schon mal ein guter Anfang. Wie sehen den die Strafen aus, wenn einer oder mehrere Teammitglieder positiv getestet werden?

Ich glaube es wäre schon abschreckend, wenn gleich das ganze Team disqualifiziert werden würde wenn nur einer aus dem Team erwischt wird. Somit würden sich wohl schon die Team-Leitung Gedanken um das psychische Wohlbefinden ihrer Spieler machen und eventuell selbst kontrollieren.