eSport in Deutschland

Der eSport wächst und gedeiht. Aber ist davon auch Deutschland betroffen?

Tina | Noxxey 18.09.15

Mehr als 67 Millionen Menschen weltweit spielen mittlerweile League of Legends. Das Dota International 5 hatte ein Preisgeld von 18 Millionen Dollar. Im Vergleich zum Jahr 2005 ist der E-Sport deutlich gestiegen. Doch wie weit entwickelt ist elektronischer Sport in Deutschland wirklich?

Presse

Selbst die Presse traut sich mittlerweile an das heikle Thema. Das lässt sich nicht mehr leugnen. ZDF Neo übertrug beispielsweise die EPS LoL Finals im Jahr 2014 und 2015 im Fernsehen. Sogar die Tagesschau hat einen Beitrag zum Thema Progaming gesendet - inklusive Originalton des deutschen Starcraft-Pros Gabriel "Heromarine" Segat. Auf der anderen Seite haben das ZDF und auch RTL sich ganze Mühe gegeben, Gaming und den eSport schlecht aussehen zu lassen.
Ein Beitrag des ZDF handelte von den Risiken, die von Free to Play-Games ausgehen. Dort wurde nicht nur von einem Mädchen berichtet, das die Handyrechnung der Eltern sprengte. Es ging auch um das Spiel League of Legends. Um dort besser zu werden, müsse man nämlich Schwerter kaufen.
Die Kritik des öffentlich rechtlichen Senders ist berechtigt: Viele Games basieren ihr Spielprinzip darauf, so genannte "Paywalls" einzurichten. Man kommt also nur weiter, wenn man auch zahlt. League of Legends gehört nur leider nicht dazu. Die meisten Leute waren über die Umsetzung des Themas enttäuscht. Die falschen Informationen zeigen, was für eine intensive Recherche das ZDF betrieb.
Den Beitrag von RTL kennen wir wohl alle - Gamer seien nichts anderes als fette, stinkende Nerds.

Eigentlich ist es das gleiche wie mit Rassismus und Diskriminierung generell: Die Leute haben Angst vor dem Unbekannten. Und genau das zeigt: Der eSport ist noch immer nicht in den Köpfen der normalen Gesellschaft angekommen. "Die Kinder sitzen doch nur den ganzen Tag vor dem PC" und jetzt gibt es auch noch einen berechtigten Grund dazu - Progaming kann nämlich ganz schön lukrativ sein. Trotzdem gehört mehr dazu: Um seine Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen, ist es wichtig, viel Sport zu betreiben und eine ausgewogene Ernährung zu pflegen. Das wird in vielen Dokumentationen überhaupt nicht erwähnt. Aber wir wollen uns ja nicht beschweren - eigentlich sollten wir schon zufrieden sein. Denn die Leute müssen ja überhaupt erstmal verstehen, dass eSport existiert. Alle anderen Details können auch danach noch geklärt werden.

Regierung

Fast jeder von uns wünscht sich nur eins: Der eSport soll als richtiger Sport anerkannt werden. Das zeigt sich dadurch, dass immer wieder deutsche Petitionen im Internet auftauchen - die fordern nämlich genau das. Auch Schach ist seit über 40 Jahren im Deutschen Olympischen Sportbund. Das hindert trotzdem niemanden daran, die Sachlage bis zur Erschöpfung auszudiskutieren. Erschöpfung ist das Stichwort: Es ist nachgewiesen, dass Spieler beim Schach auch körperlich unter Druck stehen. Außerdem wird Sport juristisch gesehen auch als Synonom für Wettkampf genutzt. Das sagen Juristen schon seit Jahren.
Trotzdem will eSport einfach nicht anerkannt werden. In Amerika zum Beispiel wurden mehrere weibliche eSport Persönlichkeiten ins Weiße Haus eingeladen. Dort haben sie über Frauen im eSport und vor allem deren Probleme diskutiert. Währenddessen spricht Angela Merkel vom Neuland und unser Internetminister verspricht uns das "schnellste Netz der Welt". Alleine die Idee, unsere Regierung wisse von der Existenz des eSports scheint absurd.

In Malaysia wurde unser Traum schon Wirklichkeit: Dort wird der eSport als offizieller Sport anerkannt. Auch ein Ausblick nach Korea ist bei diesem Thema unvermeidbar. Die KeSPA (Korean eSport Association) ist im koreanischen olympischen Sportbund und wurde Anfang des Jahres sogar auf Tier 2 angehoben. Klar, jetzt fragt Ihr Euch bestimmt, was das heißt. Im Klartext heißt das: Der eSport steht jetzt auf dem selben Level wie beispielsweise Cheerleading. Mit ganz viel Glück könnten wir also bald eSport bei den Olympischen Spielen bewundern.

Insgesamt eignet sich der elektronische Sport perfekt als Sportart. Unterschiede zwischen den Geschlechtern wurden bisher keine Entdeckt. Auch körperlich Behinderte haben kaum Nachteile, so lange die Arme frei bewegbar sind. Wobei einige Leute sogar mit den Füßen zocken und das auf Twitch streamen.
Obwohl es also keine Unterschiede zwischen Männer und Frauen, groß und klein, dick und dünn gibt - Diskriminierung ist gerade im eSport noch immer ein präsentes Thema.

Universitäten

Doch so schwarz sieht es gar nicht für uns aus. Die Uni Bayreuth zum Beispiel zeigt sich dem Thema unglaublich offen. Sie haben uns nicht nur zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, sondern bieten eSport auch als Uni-Sport an. Als würde das nicht reichen, kann man sich in Bayreuth ab sofort auch für Gaming als Masterstudiengang einschreiben. Allein das ist ein enormer Schritt in die richtige Richtung. Gaming wird das erste Mal als richtige Wissenschaft angesehen und an Universitäten gelehrt. Und seien wir mal ehrlich: Die Studienauswahl ist größer denn je - von Mittelalterstudien, über Holztechnik bis hin zu Sexologie. Warum nicht also auch Gaming?

Die Uni in Bayreuth ist aber nicht die einzige Uni, die sich dem Thema annimmt. Wenn wir etwas weiter in den Westen gehen, finden wir gleich zwei Universitäten. Die sind nicht weit voneinander entfernt und beschäftigen sich ebenfalls mit Gaming. Die Universität Duisburg-Essen hat an ihrem Instiut für Soziologie eine ganz besondere Arbeitsgruppe. "Game Research" nennt sich das Ganze. Dort werden die verschiedensten Forschungen im Bereich Gaming durchgeführt - von female Gruppen im eSport bis hin zur Motivation in MMOs. Das führte sogar unter Anderem zu Kooperationen mit dem deutschen Gaming-Clan n!faculty.

Die zweite Uni, die sich mit dem Thema beschäftigt, ist die Ruhr-Uni Bochum. Auch dort gibt es eine Arbeitsgemeinschaft namens Initiative Game Studies (kurz IGS). Deren Ziel ist es ebenfalls, Gaming in den Fokus der Wissenschaft zu rücken.

Trotz der ganzen Bemühungen von Bayreuth, Bochum und Co. sind wir noch lange nicht an dem Stand Amerikas angekommen. Dort gibt es für League of Legends-Spieler seit einiger Zeit Stipendien, wenn man im eigenen Hochschul-eSport-Team spielt.

Die Entwicklung

Aber wir wollen ja nicht ganz so negativ sein. Auch wenn Deutschland in den letzten Jahren eSport-technisch stark zurückhing, sieht es doch eigentlich gar nicht so schlecht aus. Schon seit einigen Jahren findet die LCS in Deutschland statt. Das Turnier wurde aber so groß, dass es von Köln nach Berlin verlegt wurde. Jetzt wird sogar das Finale von der World Championship in League of Legends (kurz Worlds) in Berlin ausgetragen.
Doch nicht nur LoL-Fans können sich freuen.

Seit 2014 haben wir auch das größte Dota II Turnier Europas auf unserer Seite: Die ESL One in Frankfurt. 2016 soll auch das erste Mal die Dreamhack nach Deutschland kommen - um genau zu sein nach Leipzig. Welche Spiele uns dort erwarten, wurde aber noch nicht verraten. Und es wird noch besser!

Das erste Mal fand jetzt auch die ESL One Cologne statt. Dort wurder aber kein Dota - sondern CS:GO gespielt. In Sachen Marketing leistete die ESL ganze Arbeit. Überall in und um Köln herum hingen riesige Poster, Plakate und Werbebanner. So konnten die Medien nicht anders und berichteten über die "Weltmeisterschaft im Gaming". WDR, Die Zeit und Co. berichteten über das Thema - ganz ohne Vorurteile und komplett objektiv. Damit verstand auch die letzte Mutti, was ihr Kind da eigentlich macht.
Und neben den ganzen Events und Berichterstattungen haben wir einen weiteren großen Punkt, der eSport in Deutschland vorran bringt - die Rocketbeans.
Durch Game One und Giga kennt sie mittlerweile jeder. Selbst mein Vater saß damals mit mir auf der Couch und schaute sich gespannt diese "Videospiel-Sendung" mit mir an. Dabei hatte er überhaupt keine Ahnung, was die da eigentlich erzählten. Jetzt haben die Jungs und Mädels ihren eigenen 24/7-Livestream eröffnet und bringen den deutschen eSport ein ganzes Stück weiter. Letztens gab es ein Launch-Event zum Start der Beta von Call of Duty: Black Ops 3 - inklusive Andre Schürrle. Spätestens dann erfuhr der Fußballspieler von der Existenz des virtuellen Sports.

Als würde das noch nicht reichen, wurden die Jungs von Rocket Beans TV sogar zum Neo Magazin Royale eingeladen, um mit Jan Böhermann zu quatschen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es doch gar nicht schlecht für uns aussieht. Auch wenn sich die Regierung weigert, tut sich momentan doch noch so einiges. Man kann zwar nur mutmaßen, wo der deutsche eSport in Zukunft sein wird. Aber eine positive Entwicklung gibt es auf jeden Fall!

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Autor: Tina | Noxxey

Mein Name ist Tina und falls Ihr diesen Text gerade lest, habt Ihr wahrscheinlich einen meiner alten Artikel rausgekramt. Seit 2014 war ich als Redakteurin und Head of Social Media bei Bonjwa tätig und habe das Team mit meiner quirligen Art bereichert. Mitte 2016 musste ich das Projekt jedoch schweren Herzens verlassen, um mit meinen kreativen Texten über computerspielende Jungs woanders mein veganes Bio-Mittagessen zu verdienen. Ansonsten bin ich ein riesen Star Wars-Fan und verbringe viel zu viel Zeit damit, meine Mahlzeiten über diverse soziale Netzwerke zu verbreiten.

18. September 2015 - 13:17
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Gutterballs
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11.07.2018 - 23:33
31.03.15
7

Allein schon die 80 Jährige "Computerspielexpertin". Bitter das sowas gesendet werden darf.

18. September 2015 - 13:27
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Hmpf
Core
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15.01.2017 - 13:14
07.05.14
61

Es ging auch um das Spiel League of Legends. Um dort besser zu werden, müsse man nämlich Schwerter kaufen.

Noxxey, magst du die Stelle in dem Video benennen, wo dies behauptet wird? Ich höre da nur:

Besonders ärgerlich, wenn schon Geld geflossen ist. Denn auch bei League of Legends können Extras, wie etwa Schwerter, hinzu gekauft werden.

Oder meinst du eine andere Passage, die mir entgangen ist?

18. September 2015 - 19:06
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KuBa
Core
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01.05.2017 - 20:56
15.11.13
62

Zur Presse: Ich habe den RSS-Feed vom kicker abbonniert, dort kommen eigentlich recht häufig Meldungen zum E-Sport. Ganz ohne Wertung sondern neutrale Berichterstattung. Finde ich an sich ziemlich positiv.

18. September 2015 - 15:54
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Nrgy
Core
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16.03.2017 - 13:35
15.11.13
818

Kicker ist auch sehr aktiv auf twitter und eSportnews. Da kommt so einiges an Themen. Auf jedenfall gute Werbung für den E-Sport :)

18. September 2015 - 18:05
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Noxxey
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01.05.2016 - 16:22
30.06.14
120

Lieber Hmpf,

der Beitrag von Frontal 21 handelt von genau diesem Geschäftsmodell.

[...] Erstmal alles gratis. Doch um ein wirklich guter Mitspieler zu sein, muss man sich ausrüsten und Hilfsmittel kaufen.

Dieser Satz fällt genau am Anfang und darauf folgen dann die zwei Beiträge als Beispiele. Der Howrse-Beitrag kommt zwar als erstes, aber trotzdem fällt für die Redaktion von Frontal 21 League of Legends unter das selbe Geschäftsmodell.

Liebe Grüße!

19. Dezember 2015 - 15:18
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flashback
Core
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04.01.2016 - 16:42
18.12.15
3

Ich finde das vom ZDF schon arg Schizophren. Oh ist Regine Pfeifer verwandt mit dr. Christian Pfeifer? :) Mal im ernst die regen sich eh nur auf weil sie nichts daran verdienen. Die bösen Geschäftsmodelle der Spieleentwickler. Aber GEZ zieht einfach alles und überall ein wo es nur geht sogar Haushalte die nicht mal mehr existieren, einfach lächerliche Berichterstattung mal wieder. Apropo Deutschland ist vom Netz her ziemlich zurück wenn man bedenkt das Amerika bereits 1 TB Leitungen hat.

4. Januar 2016 - 16:44
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flashback
Core
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04.01.2016 - 16:42
18.12.15
3

Tatsächlich ist Regine Pfeiffer ( doppel f ) die Schwester von Dr. Christian Pfeiffer. Das erklärt alles.