eSport in Europa – Still behind?

Neue Serie, neues Land. Diesmal mit Blick auf Europa.

Moritz | Cranium 02.12.14

Nachdem wir uns Korea angeschaut haben, blicken wir nun in unsere Gefilde. Denn wo können wir die Kultur besser verstehen, als in unserer eigenen Region. Diesmal schauen wir auf das Ganze - in welchem Land wird welcher eSport-Titel am häufigsten gespielt und wo verdienen die Spieler das meiste Geld. Im ersten Teil widmen wir uns der Geschichte des europäischen eSports und diese wird so manchen von euch verblüffen.

Der eSport hat nach wie vor in unserer Gesellschaft einen sehr kleinen Stellenwert im Gegensatz zu den typisch deutschen Sportarten. Doch auch Europa hat eines der bekanntesten Unternehmen im eSport hervorgebracht.

Die frühen Jahre

Die Geschichte des europäischen und vorwiegend des deutschen eSports ist nur sehr schwer zu rekonstruieren. Während in Amerika 1972 mit dem Spiel „Pong“ erste Turniere offline ausgetragen wurden, begann der eSport in Deutschland erst relativ spät. Zwar gab es immer mal wieder ein paar kleinere Clans, doch erst im Jahre 1996 wurden die ersten Clans gegründet, denen auch heute noch der Erfolg anzusehen ist.

Damals waren „Orcana“, „SK Gaming“ und „pod virtual gaming“ die ersten Teams in Deutschland, die profimäßig Quake spielten. All das passierte in den Jahren 1996-98, in denen die Spiele „Quake“ und „Doom“ die Titel schlechthin waren um eSport zu betreiben. Einen noch größeren Stellenwert bekam der eSport in Deutschland mit dem Release des Online Shooters „Counter-Strike“. Das Spiel aus dem Hause Valve war einer der Hauptgründe, wieso der eSport in Europa so groß wurde und andere Spiele es überhaupt schafften, dermaßen viele Menschen zu begeistern.

Auch die verschiedenen Ligen hatten eine große Rolle in der Geschichte Europas: So wurden gegen Ende der 1990er Jahre die ersten großen Ligen gegründet, die meist nicht nur auf nationaler Ebene agierten. Dazu gehörte beispielsweise auch die Deutsche Clan Liga.

Electronic Sports League

Sie ist wohl die bekannteste Liga innerhalb des eSports. Die „DeCl“ oder euch allen mittlerweile besser bekannt als ESL. 1997 gründete Ralf Reichert die „DeCl“ und legte so den Grundstein für die erfolgreichste und größte Liga ihrer Art. Acer hat sich mit Ralf Reichert zusammengesetzt um über die ESL, SK und den eSport im Allgemeinen zu reden.

Im Jahre 2000 folgte dann die Änderung des Namens in die ESL – Electronic Sports League. Ende 2013 umfasste sie 4 Mio. registrierte Mitglieder und 950 Tsd. Mannschaften. Inzwischen hat die ESL verschiedene Turniere auf nationaler und internationaler Ebene.

Mit den folgenden Marken ist die ESL auf nationaler Ebene aktiv

ESL Ladders und ESL A-Series Für fortgeschrittene Spieler.
ESL Pro Series (kurz EPS)

Nationale Königsklasse und eSport-Bundesliga für die besten Spieler im Kampf um die nationale Meisterschaft.

Mit den folgenden Marken ist die ESL auf internationaler Ebene in 15 europäischen Ländern aktiv

ESL Ladders und ESL A-Series Anfänger und Hobbyspieler
ESL Major Series (kurz EMS, früher International Premiership Series) Die besten Spieler jener Spiele, die nicht in der IEM unterstützt werden.
ESL Intel Extreme Masters (kurz IEM) Nach dem Vorbild der UEFA Champions League als Spitzenliga im Clan-eSport für die besten Mannschaften in Counter-Strike, Quake Live, Starcraft II, League of Legends und Dota 2
ESL WC3L Series (kurz WC3L) Die Warcraft-III-Clanliga als internationale Königsklasse und Teamweltmeisterschaft.
ESL Pro League (kurz EPL) Internationale Liga in Counter-Strike: Global Offensive
ESL European Nations Championship (kurz ENC)

Europameisterschaft für Nationalmann-schaften. Es wird ermittelt, welche Nation die besten eSportler Europas stellt.

Außerdem gibt es zu den meisten Onlinespielen auch eine GO4-Spielliste.

ESL ONE Frankfurt

2014 war bisher das gefühlt größte Jahr in der Geschichte der ESL. Mit der ESL ONE in Frankfurt haben die Veranstalter Geschichte geschrieben. Das größte eSport Turnier in Deutschland fand in der Commerzbank® Arena in Frankfurt statt. Normalerweise trägt dort der Bundesligaverein Eintracht Frankfurt seine Spiele aus. Doch am 28. und 29.06.2014 wurde der Fußball durch eine andere Sportart ersetzt: Dota 2. Der Vorverkauf lief überraschend gut und die Tickets waren heiß begehrt. Im offiziellen Aftermovie könnt ihr euch ein Bild von der wunderbaren Atmosphäre innerhalb des Stadions machen.

Das Medienecho war enorm, so kam der Chefredakteur des ZDFs beispielsweise extra nach Frankfurt, um sich ein Bild von dem neuen Trend "eSport" zu machen. Sein Fazit war voll des Lobes. Der ZDF würdigte das Event mit einem kleinen Beitrag. eSport ist schon lange kein Nischenphänomen mehr und macht sich immer mehr einen Namen in Deutschland.

Turtle Entertainment

Die ESL verdiente ihr Geld anfangs mit Werbeeinnahmen und Sponsoring. Inzwischen vergibt die ESL Lizenzen an Partnerfirmen in ganz Europa, um Turniere im Namen der ESL zu veranstalten. Der Name ESL steht in Europa und der Welt für qualitativ hochwertige Turniere und deren Präsentation. Hinter der ESL steht eine Firma Namens „Turtle Entertainment“, deren Sitz (ebenso wie der der ESL) in Köln ist. Auch auf den Konsolen findet eSport statt, so hat die ESL 2006 eine „Console Sport League“ ins Leben gerufen, um die Zielgruppen auf den Konsolen zu erreichen.

2013 kam das Unternehmen auf beeindruckende Zahlen. Wir haben euch die wichtigsten Details natürlich herausgesucht. Für die komplette Statistik schaut hier.

2,5 Millionen Dollar Preisgeld wurden erspielt.

Reiseweg der ESL Mitarbeiter während des gesamten Jahres: 3,717,402 km

44 Millionen Stunden wurden auf Twitch geschaut.

Damit haben wir den ersten Teil unserer Reise durch Deutschland und den eSport geschafft. In der nächsten Ausgabe schweift unser Blick in die anderen Länder, darüber hinaus wagen wir einen Schwenk auf die einflussreichsten Spieler in Europa.

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Autor: Moritz | Cranium

Moritz, 21 Jahre und aus dem wunderschönen Schwabenland. Inzwischen CS:GO Suchti und Fanatic Fanboy. #TeamWawu

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3. Dezember 2014 - 13:28
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hamu
Administrator
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11.12.2018 - 16:01
15.11.13
778

Da ich bei der ESL-One in Frankfurt war, kann ich das voll bestätigen. Schöner Artikel! :)

Grüße hamu

14. März 2015 - 16:09
Bild des Benutzers Wolf
Wolf
Core
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16.06.2017 - 05:55
08.03.15
11

Ich habe manchmal das Gefühl, dass selbst Fans und Progamer eSport nicht ernst nehmen. Vielleicht ist das eine zu pessimistische Sicht meinerseits, aber die Professionalität lässt manchmal sehr zu wünschen übrig. Ich wage mal zu behaupten dass /r/starcraft einen nicht kleinen Teil der Starcraft Communiy repräsentiert. Eine absolute Giftmüllhalde. Missgunst, Beleidigungen, Kindergarten. Szenerintern wird von bekannten Streaming-Größen wie Destiny gestänkert. Ich habe mir gestern auch eine kleine Talkrunde zwischen Djwheat, Idra, iNcontrol, Painuser und Destiny angesehen. Ist zwar schon 2-3 Jahre her, aber wie Djwheat (damals mindestens 34 Jahre alt. 34 Jahre alt!) und Destiny (Mit 24 auch durchaus als Erwachsener zu bezeichnen) sich dort aufgeführt haben war absolut beschämend. Idra muss ich wohl den wenigsten hier vorstellen.

Auch der Vorfall 2012 zwischen dignitas und Curse. Cheaten auf Lans. Ingame Beleidigungen von Progamern. eSport hat sich extrem weiterentwickelt. Mehr Besucher. Mehr Zuschauer. Streaming und Casting wird zur Jobalternative. Ingesamt kann man optimistisch in die Zukunft schauen. Aber meiner Meinung nach wird die Szene stagnieren falls eine gewisse Professionalität nicht Standard wird.