Interview mit Acer | inuh

Im Rahmen der Northcon hat sich unser Team mit dem Korea-Manager von Acer über den momentanen Stand der Szene unterhalten.

Chris | WaWu 26.12.13

Im Rahmen der Northcon hat sich unser Team mit inuh, dem Korea-Manager von Acer, über den momentanen Stand der Szene unterhalten.

Bonjwa: Hallo Inuh. Zunächst erstmal danke für das Interview. Du bist einer der Manager von Acer, erzähl mal wie es dazu gekommen ist. Das wird man schließlich nicht einfach so.

Inuh: Okay, das ist eigentlich eine längere Story. Ich hab als Starcraft II-Spieler angefangen, damals die erste EPS Qualifier gespielt und bin somit das erste Mal mit der Szene in Berührung gekommen. Daraufhin gab es dann einige Vertragsangebote, wodurch ich schließlich bei Terragaming gelandet bin und nach einiger Zeit zu SK Gaming gewechselt bin. Leider hatte ich nach einem halben Jahr nicht mehr sonderlich viel Zeit zum Zocken, gleichermaßen habe ich allerdings auch angefangen, für die ESL, IEM und auch ASUS ROG als Dolmetscher zu arbeiten. Dadurch bin ich quasi auf einer anderen Schiene in den eSport gekommen. Schließlich wurde ich dann von Acer auf der Cebit angeworben.

Dann auch gleich für den Posten des Managers?

Nein, nein. (lacht) Acer hatte damals MMA als Spieler verpflichtet und sie suchten noch einen Dolmetscher, weil sie natürlich Probleme mit der Kommunikation hatten. Da ich MMA aus früheren Turnieren sogar persönlich kannte, hat das ganz gut gepasst. Anfangs ging es natürlich nur um Hotelbuchungen und andere Belange, die auf Koreanisch übersetzt werden mussten, aber irgendwie ging das fließend in den Managerbereich über. Das läuft jetzt seit über einem halben Jahr so.

Das hört sich ja recht zeitaufwendig an. Kommst du denn überhaupt noch selber zum Spielen?

Nein, dafür bleibt mir leider überhaupt keine Zeit mehr. Natürlich gucke ich mir die Matches meiner Spieler an, wenn ich als Personal-Manager zu den Events mitfahre. Immerhin muss ich zwischen den Games den Spielern auch Tipps und Hilfestellungen geben, die natürlich auch korrekt sein sollten. Bei den koreanischen Spielern gibt es hier noch die Besonderheit, dass sie häufig nichts über die europäischen oder amerikanischen Spieler wissen, gegen die sie antreten. Hier kann ich natürlich viele Informationen bereitstellen, Replays besorgen und so weiter.

Wie sieht jetzt deine Zukunftsperspektive aus? Möchtest du das auch weiterhin so machen oder siehst du deine Zukunft eher in anderen Berufsfeldern?

Bisher war die Arbeit bei Acer nur als Halbzeitjob gedacht, weil ich nebenher noch eine Ausbildung als Gestaltungstechnischer Assistent durchlaufen habe. Da diese allerdings jetzt vorbei ist, verbringe ich automatisch mehr Zeit im Job. Ab nächstes Jahr fange ich an „Visuelle Kommunikation“ zu studieren und werde auch dann für den Zeitraum wieder part-time für Acer arbeiten.

Du bist ja mittlerweile ziemlich tief in der Szene drin. Was sind deiner Meinung nach die Unterschiede zwischen dem europäischen und amerikanischen eSport im Vergleich zu den Verhältnissen in Südkorea?

Ich glaube einfach, dass in Südkorea unser Genre von Seiten der Sponsoren einfach hoch angesehen wird und sich somit auch eine deutlich stabilere Infrastruktur ausbilden konnte. In Amerika oder Europa ist es ziemlich schwierig, einen geeigneten Geldgeber für Teams oder Events zu finden, weil das Image des eSports als Investitionsplatz noch nicht so richtig gefestigt wird. Davon mal abgesehen, sind auch die Regionen außerhalb von Südkorea mittlerweile auf einem guten Weg. Wenn man sich mal die amerikanische LoL-Szene ansieht, dann merkt man einfach, dass sie sich global auf einem ziemlich ähnlichen Level befindet, wie die in Korea.

Insbesondere in diesem Jahr hat der eSport an sich einen enormen Aufschwung erlebt. Wie sieht es da speziell mit Starcraft II aus?

Es ist schon richtig, insbesondere in letzter Zeit gab es im Allgemeinen recht positive Veränderungen. Was Starcraft angeht, so geht es in diesem Punkt leider nicht sonderlich steil bergauf. Hier dominieren ganz eindeutig LoL oder DOTA, was die unterschiedlichsten Gründe haben mag. Dazu kommt auch das neue CS:GO, was ja bei der DreamHack Winter recht viel gespielt wurde. Ich glaube einfach, dass solche Teamgames für viele Casual-Spieler immer noch interessanter sind, als sich immer nur alleine in einem 1on1 zu messen. Deswegen gibt es dann natürlich auch mehr Zuschauer.

Was hältst du von den Stärken der Foreigner? Werden sich in SC II jemals mehr als eine handvoll Nicht-Koreaner an der Spitze befinden, die es auch mit der Konkurrenz aufnehmen können?

Der Vorteil der Koreaner sind einfach die strukturierten Teamhäuser und das etablierte Spielen mit ihren Coachs und den Managern. Die Spieler spielen wirklich nur und müssen sich um nichts anderes sorgen - daher rührt meiner Meinung auch der kleine Unterschied in der Spielstärke. Man sieht es ja auch beispielsweise an Naniwa oder Scarlett. Beide waren in solchen Teamhäusern, haben genauso trainiert wie die Koreaner und das spiegelt sich dann auch in den Ergebnissen wider.

Vielen Dank für deine Zeit inuh, weiterhin viel Erfolg mit deinen Schützlingen und deinem Studium.

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Autor: Chris | WaWu

Chefredakteur a.D., Vorstand und Objekt der Begierde von #TeamWaWu. Ist ein leidenschaftlicher Zocker und sexy Typ.

Aktueller Stand im 1on1 vs. Padierfind: 11:3 #Nuffsaid

27. Dezember 2013 - 17:04
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M4stro
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06.07.2016 - 19:25
13.12.13
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Tolles Interview, danke! :)

27. Dezember 2013 - 17:24
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Epiclepticer
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13.02.2014 - 10:17
15.11.13
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Spannendes Interview, weiter so!

27. Dezember 2013 - 17:28
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Cranium
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29.10.2017 - 08:59
15.11.13
205

Was ein korrekter Typ ! Gutes Interview danke dafür. Wenn ihr mal das Glück habt und auch die Zeit : Ihr kennt ihn doch alle den Twitch Dolmetscher auf den großen Turnieren.. den besser kennen zu lernen wäre mal gut, weil der hat ja auch viel mit den Sportlern zu tun und der Szene allgemein.

28. Dezember 2013 - 1:12
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Hanzo
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25.07.2015 - 19:56
23.12.13
22

Sehr interessantes Interview :-)

Bei uns kommen Videospiele erst langsam in den großen Medien und somit der breiten Masse an. Mit Geduld und Projekten wie bonjwa.de sind wir in Deutschland auf nem guten Weg esport immer populärer und interessanter auch für Neueeinsteiger zu machen.

lg Choel

2. Januar 2014 - 21:52
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Nrgy
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16.03.2017 - 13:35
15.11.13
818

Nettes Interwiev. Schön es mal von dieser Seite zu hören :)