Kommentar: Back to Counter-Strike - Comeback in Cologne

Absprache, Koordination, Harmonie: Counter-Strike ist ein intensiver Team-Shooter. Warum und mit welchen Mitspielern ich Valves Shooter erneut für mich entdeckt habe, das erfahrt ihr im Bonjwa-Blog "Back to Counter-Strike".

Niko | Flakes 03.10.15

Ich spiele wieder Counter-Strike - nach einer Pause von 7 Jahren. Es liegt eine ganze Weile und einige Versionsnummern zurück, dass ich den Team-Shooter aus dem Hause Valve als eSport-Titel gespielt und genossen habe. Mit Counter-Strike 1.6 war vieles anders, der Spaß ist noch der gleiche. Mein zweiter Start mit Counter-Strike: Global Offensive.

Früher war alles schwierig

Es ist um die Jahrtausendwende: Ein junges Kerlchen, altersmäßig zwischen gelben und grünen USK-Stickern, sitzt vor einem mächtigen Röhrenbildschirm, in der rechten Hand eine alte Maus, in der linken die Tasten von W bis D, von STRG bis Space. Eine von den alten Mäusen übrigens, die statt blendenden Lasern noch eine ganz ruhige Kugel über das mit Delfinen bedruckte Mauspad schoben. Das Highlight auf dem Bildschirm: Counter-Strike 1.6. Ich war noch etwas zu jung, mein Internet zu langsam und jede Minute im World Wide Web nahm einen großen Bissen vom familiären Girokonto - Flatrates waren Zukunftsmusik.

Als ich mich also mit einem mindestens dreistelligen Ping über de_dust2 teleportierte, entdeckte ich einen Shooter, der mich durch mein ganzes bisheriges Leben begleiten sollte. In den kommenden Jahren trat ich Clans bei, gründete eigene, nahm an Clan-Trainings teil - und meldete mich Ende Mai 2007 bei der ESL an. Damals gegen andere Clans zu spielen, das war garnicht so einfach. Matchmaking? Fehlanzeige. Verdeckte Statistiken, die den eigenen Skill festlegen? Schön wär's! Das Skill-Level gib' mal ruhig selber an - zwischen Low und High sollte das eigene Können betitelt werden. Und das stand während jedes Matches im Chat zur lebhaften Diskussion.

Hat man sich einen Gegner in den zahlreichen Ligen herausgepickt und eine Server-IP zugeteilt bekommen, dann konnte es losgehen. Die wöchentlichen Trainings im Clan sollten uns auf die spannenden Matches auf Nuke, Train, Cobblestone und Dust 2 vorbereiten. Wenn die Kommunikation stimmte, dann stimmte am Ende auch das Scoreboard. Davon musste dann nur noch ein Screenshot gemacht und an die ESL geschickt werden - anschließend prangte ein sattgrünes "WON" auf der ESL-Seite des Clans. Dieses Teamplay hat mich spielerisch geprägt. Kein anderes Spiel erreichte wieder, dass mir Teamwork so viel Spaß macht - eSport wollte ich nie wieder alleine betreiben. Ich wollte die Kommunikation, die Absprachen - und das "Well done" nach einer guten Runde.

Wie ein Phönix aus dem Stream

Danach folgte die Flaute. Der Clan löste sich auf, der Kontakt zu anderen Spielern versiegte - und ich entfernte mich immer weiter von Counter-Strike. Jahrelang legte ich keinen Finger an Valves Team-Shooter. Counter-Strike: Source war im Team schnell als zu casual abgestempelt, auch die Neuerungen von Global Offensive schmeckten mir nicht. Molotov-Cocktails, merkwürdige Waffen-Skins? Der Wechsel schien nicht zu lohnen. Auch zum Zeitpunkt meines Beitritts zum Bonjwa-Team war ich noch nicht sonderlich an Counter-Strike interessiert. Das alles sollte sich mit der ESL One in Köln ändern.

Rudelgucken ist in. Sich mit anderen Leuten zusammenzusetzen und die großen eSport-Turniere anzuschauen, das macht nicht erst seit der Fußball-WM vor neun Jahren Spaß. Das erste Counter-Strike-Turnier seit langer Zeiten, das ich in geselliger Runde spannungsgeladen mitverfolgte - das war die ESL One in Köln. Zwischen dem 20. und 23. August kämpften 16 Teams um ein Preisgeld von 100.000 Dollar. Spannende Matches und bewegende Szenen zwischen TaZ von Virtus.Pro und einer buhenden Menge machten die ESL One unvergesslich. Alle Teams lieferten grandiose Leistungen ab. So grandios, dass stellenweise 1,3 Millionen Menschen bei der ESL One dabei waren. Spätestens mit dem extrem packenden Halbfinale zwischen Virtus.Pro und fnatic war ich überzeugt. Letztlich schrieb ich ein Portrait über die dominierenden, aber oft missverstandenen Sieger des Turniers - die Jungs von fnatic.

Quelle: ESL / Foto: Helena Kristiansson

"Okay, das hat Spaß gemacht. Ich muss das unbedingt selbst spielen" - Kurzerhand warf ich Counter-Strike: Global Offensive an und entdeckte die neu hinzugefügten Profil-Level. Um überhaupt an bewerteten Spielen teilnehmen zu können, muss jeder Spieler Level 3 erreichen. Anders gesagt: Er muss unfassbar viele Deathmatches spielen. Es ist unglaublich, wie viele Leichen den Weg eines Level 3-Spielers pflastern. Komisch, dass es hierfür noch keine schockierenden Statistiken gibt. Nichtsdestotrotz habe ich mich mutig und fleißig bis Level 3 durchgeballert. Es konnte losgehen.

Doch nicht. Zwischen mir und meinem ersten Rang bei CS:GO liegen nicht nur Kieselsteine, sondern ganze Berge. Um eine erste Platzierung zu bekommen, müssen zehn bewertete Spiele gewonnen werden. Aber nur zwei am Tag. Im Verlauf der nächsten zwei Wochen wurden also zehn gegnerische Teams in den Boden gestampft und der lang ersehnte Rang blitzte auf - Gold Nova Master. Ja, damit kann man arbeiten.

Von Schaukeln und Hatern

Moment - war da nicht was mit Teamplay? Natürlich habe ich nicht alleine gespielt. Der ganze Witz an Counter-Strike ist ein Team wie ein Uhrwerk. Und bekanntermaßen werden Witze erst dann witzig, wenn sie völlig hirnrissig sind. So surreal wie eine Uhr, die von Salvador Dalís Handgelenk tropft. Welches Team kann aber denn so merkwürdig sein? Eins, das die "Swingin' Dicks" heißt. Genau: Ein bestes Stück auf einer Schaukel. Solche Teams sollte die ESL mal lieber nach Köln einladen. Auf jeden Fall war dieses Team und Mitspieler wie Coolhand, Bermuda und RedPanda ein Grund, warum ich an Counter-Strike hängenblieb.

Während der ESL One wurden auch sogenannte "Souvenir Drops" an alle Zuschauer verteilt. Das Souvenir-Paket für die Karte "Cobblestone" konnte den schwindelerregend wertvollen Dragon Lore-Skin enthalten - und war entsprechend gefragt. Glücklicherweise erhielt ich direkt zwei der begehrten Pakete - für Inferno und eben Cobblestone. Letzteren verkaufte ich und investierte das Geld gleich in neue Skins für meine Waffen. Das Ergebnis: 30 Euro und zwei Stunden Yoshi-Gefluche später war ich perfekt ausgerüstet.

In den kommenden 35 Matches verbesserte sich das Team, es sprach sich ab, es wurde gelobt und gemeckert. Das Besondere an Counter-Strike ist nämlich, dass man als Team besser wird. Man teilt seine Erfolge, lobt und gibt sich gegenseitig Tipps. Nach einem Match kommt direkt das Nächste, Glückwünsche gibt es zu jedem Rangaufstieg. In diesen Matches bin ich insgesamt zwei Mal aufgestiegen und stehe inzwischen auf Master Guardian II. Jedes Match, jede neue Karte, die man als Team lernt - es macht Spaß. Und manchmal, wenn ich mit meinem Highspeed-DSL vor dem Flachbildschirm sitze, die kugellose Maus in der Hand, dann fühlt es sich wie früher an. Counter-Strike hat mich durch mein Leben begleitet - und es ist wieder da.


Kennt auch Ihr dieses Gefühl, wenn eure Leidenschaft für ein altbekanntes Spiel wieder aufflackert?

Erzählt mir eure Geschichte in den Kommentaren!

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Autor: Niko | Flakes

Niko ist der Chefredakteur der Bonjwa-Redaktion und für die Publikationen auf Bonjwa.de verantwortlich. Während seines Studiums der Politikwissenschaft trat er im Sommer 2015 dem Team um Niklas Behrens als Autor bei und leitet inzwischen die Redaktion von Bonjwa. Niko spielt hauptsächlich Counter-Strike: Global Offensive und Overwatch.

3. Oktober 2015 - 22:59
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Muffinman
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25.04.2018 - 22:07
15.11.13
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Harmonie... XD, wenn ich so neben meiner angetrauten, unglaublich ambitionierten (Legendary Eagle) Freundin sitze bekomme ich von Harmonie nicht viel mit. Eher von "Bullshit, der gibt mir en Header durch die Smoke... DER HAT AN, ABER SOWAS VON!" Der Teil in Caps kommt dann von mir, man fühlt ja mit. Der Artikel ist echt gut geschrieben, mich juckt es gerade in den Fingern. Wie viele Deathmatches muss man denn so hinlegen bis Level 3?

4. Oktober 2015 - 0:10
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Flakes
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25.11.2016 - 21:29
02.06.15
114

Hey Muffinman!

Dass man in Counter-Strike auch mal ausrastet, davon kann ich dir auch Lieder singen. Aber im Team selber läuft es gerne mal harmonisch - und das ist schön. Cool, dass du auch einsteigen willst. Du wirst schon einige Matches brauchen, bis du auf Level 3 bist. Das hängt davon ab, wie gut du dich schlägst. Aber vielleicht sieht man sich mal!

Beste Grüße,

Niko

5. Oktober 2015 - 14:36
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sumish
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13.02.2017 - 14:17
02.01.14
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Oh, wie du mir aus der Seele sprichst... Mein wirklicher Einstieg in das Teamspiel kam allerdings erst mit CS:Source. Als kleiner 10-jähriger hab ich fleißig Gun-XP Zombie Mods auf 1.6 gespielt, natürlich auf der cracked Version von Counter Strike, Mutti kauft mir doch kein Ballerspiel!

Dann kam mit 14 Source, als ich festgestellt hab, dass man mit einer Paysafecard und Steam auch ohne Ausweis an Spiele mit einer Altersbeschränkung kommt, und schließlich der erste Kontakt mit der ESL. Mit den Leuten aus meinem damals eigens gegründeten Team "MINDCORE" bin ich immer noch gut befreundet, einer kommt mich jetzt, nach fast 5 Jahren, sogar zu Silvester besuchen und das obwohl er 600km entfernt wohnt. Zusammen haben wir gegen n!faculty's EAS-Team gescrimmt und regelmäßig - um es mal auf Deutsch zu sagen - auf die Schnauze bekommen.

Nach einigen Jahren der Pause und aktivem League Of Legends-Gedaddel bin ich dann, mit meinem neuen PC, doch recht schnell wieder zu Counter Strike gewechselt. Ich brauche einfach dieses Schnelle aber doch Taktische. League Of Legends war mir einfach zu langwierig, in Counter Strike kann ich in jeder Runde aufs Neue zeigen, was ich kann und muss nicht 40 Minuten in Grund und Boden gestampft werden um dann ein neues Spiel anzufangen. Jede Runde hat das Potential umgedreht zu werden. Comebacks im Minutentakt!

Nachdem ich zum Einstieg mit den Jungs vom damaligen MINDCORE gespielt habe, die zu der Zeit schon um Distinguished Master Guardian (DMG) eingestuft waren, und das noch vor der Banwave, die das Ranking-System doch ein bisschen aus dem Ruder gebracht hat, und erstmal ordentlich verschissen habe, kann ich mittlerweile doch von mir behaupten, dass ich Counter Strike: Global Offensive beherrsche.

Falls ihr mal Lust zu spielen habt added mich auf meinem Main-Account, ich log dann um wenn ihr mir ne Nachricht schreibt:

http://steamcommunity.com/profiles/76561198052319643/

6. Oktober 2015 - 9:06
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Nrgy
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16.03.2017 - 13:35
15.11.13
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Von CS kann ich auch ein Liedchen singen. Auch mich hat dieses Spiel zum richtigen Zocken gebracht. CS war das Game, was ich so richtig Esportmäßig gezockt habe. Auch wenn ich es nicht mehr mit Jahrzahlen beziffern kann, haben wir früher mit 4 Freunden alle LANs im Umkreis mit unserem Clan unsicher gemacht. Das war noch zu CS 1.5 bzw zum anfang 1.6 Zeiten. Da waren wir noch kleine Scheißer und keiner von uns hatte ein Auto. Ich weis garnicht, wie wir überall hingekommen sind, aber es hat irgendwie immer geklappt :D Wir waren echt auf jeder LAN die es im Umkreis gab. Früher war CS DAS Spiel was gespielt wurde. Nachdem wir dann alle in eine Lehre angefangen haben, hat das Zocken nachgelassen und danach waren wir auf sämtlichen Partys im Umrkeis. :D Ich hab immer zwischen durch mal irgendwas gezockt. Auch nach vielen Jahren ohne CS habe ich anfang von CSGO mit einem damaligen Freund wieder angefangen und waren begeistert, wie gut CSGO geworden war. Nur zu zweit zocken war halt nicht cool, so das er Dota weiter gezockt hat und ich mich in Starcraft verloren habe. Vor ca. 5 Wochen haben wir entschlossen, noch mal zu zocken regelmäßiger zu zocken. Wir haben in den Jahren immer mal nen Tag gehabt wo wir gespielt haben aber wir haben nie wirklich an besser werden gearbeitet. Wir zocken fast wieder in der alten Crew zusammen, wir sind zumindest zu viert und haben einen sehr guten 5ten Mann gefunden. :) Wir haben wieder richtig spaß, was wohl auch an die erinnerung der alten Zeit liegt. Es war einfach sehr cool und derzeit haben wir sowas auch wieder. Die Alte Gruppe ist fast wieder da. Dazu muss man sagen das wir 4 sehr gute Freunde sind. Meine besten also. Aber etwas verteilt nun in Deutschland, so das der Kontakt hauptsächlich noch via Whatsapp oder nun auch über CS stattfindet. Ein Paar mal im Jahr treffen festigt weiterhin unsere Freundschaft. Ich habe damals eine Geschichte geschrieben, das ein Clan zum besten Freundeskreis der Welt wurde. Das kann ich heute bestätigen, da die Jungs immer noch bei mir sind, wie eh und je. Aber: Die zeit zwischen CS 1.6 und jetzt ist eine verdammt lange zeit. Ich freu mich, mit den Jungs wieder spielen zu können und das es heute noch genausoviel Spaß macht, wie früher.

CSGO: Derzeit wieder unser Spiel :D

Daher kann ich das sehr nachvollziehen was du da geschrieben hast. Wir sind auch wieder da. Nicht mehr so krank wie früher aber wir haben verdammt viel Spaß wieder andere 5er Teams auseinander zu nehmen. :)

Wir sind derzeit master guardian 1, master guardian 2, master guardian Elite und zwei die noch geranked werden müssen. Wir sind fast soweit spielen zu können freunde. Dann gehts rund! Ich würde mich freuen gegen das Bonjwa Team mal ne runde zu spielen. Würde mich freuen die alten Gesichter nochmal in einem Match gegenüber stehen zu dürfen. :) Gruß!

6. Oktober 2015 - 18:01
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sumish
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13.02.2017 - 14:17
02.01.14
97

Was hat es mit diesem Bonjwa-Team auf sich und wie kommt man da rein?