Kommentar: Back to Starcraft

Ich war auf der Suche. Aber wonach? Nach einem neuen Spiel, einer neuen Passion, einer neuen Herausforderung? Was auch immer ich suchte, ich fand mehr...

Max | Zahard 21.08.15

Ich und mein Pc, die immer wiederkehrenden Fragen, der endlose Zug der Casualspieler, die Community voller Narren. Wozu zock ich? Wozu nutzt dieses Leben? Die Antwort: Damit du hier bist. Damit das Laddern nicht zu Ende geht, deine Individualität. Damit das Spiel der Drohnen weitergeht und du deinen Platz in der Liga einnehmen kannst.

Jahre ist es her. So lange, dass ich mich kaum noch erinnern kann. Als ich das letzte Mal die Ladder betrat, war über den Abschluss der Starcraft-II-Trilogie lediglich der Name bekannt, Legacy of the Void. Dafür befand sich ein anderer Teil in der Beta - Heart of the Swarm. Zwar war ich nicht wirklich aktiv in der 1vs1 Ladder von Wings of Liberty, aber so ein Betakey reizte micht schon, vor allem da ich damals noch leidenschaftlich die Streams von großen Turnieren und einzeln Spielern, darunter auch ein deutscher Protoss, verfolgte. MyStarcraft bekam 100 Keys zur Verlosung und so witterte ich meine Chance, mir auch einen solchen zu verdienen. Zusammen mit einem Genossen, den ich aus dem Teamspeak kannte, konnten wir erst einen und später auch einen zweiten für uns ergattern, unter anderem durch einen Nachbau der damals noch suizidalen Spidermine in Minecraft, inklusive Zersprengungsknopf. Doch die Beta war schwer und Noobs wie ich hatten wenig Spaß daran, zerschreddert zu werden, wodurch sogar meine Lust auf 1vs1 in Starcraft allgemein komplett zerstört wurde. So wand ich mich anderen Spielen zu, wodurch mein Interesse am Mehrspielermodus von Blizzards Weltraumepos langsam verblasste.

Jahre gingen ins Land und ich verbrachte meine Zeit primär mit League of Legends. Doch auch wenn ich viel Spaß hatte, wurde es immer schwerer das Spiel wirklich zu genießen. Waren in Season 2 und 3 die Flamer noch das größte Problem, hat sich in letzter Zeit der Fokus verschoben, hin zum exessiven Weinen und schnellen Aufgeben. Du liegst 2000 Gold hinten? Du wurdest getötet? Du hast ein Minion verpasst? "ff 20"! Die gesamte Community verlor zusehenst ihren Kampfgeist und so verlor LoL langsam aber stetig an Reiz. Nun war es vor wenigen Wochen soweit. Ein weiteres Spiel endet praktisch nach 10 Minuten, da unser Adc 10 Creeps hinten war und daraufhin beschloß ab Minute 20 jede freie Sekunde nach der Aufgabe zu betteln. The game was dead.

Die Passion war vielleicht tot, aber nicht der eSportler und da bei Bonjwa Starcraft weiterhin tagein tagaus gezockt wurde, dachte ich mir, dass nach so langer Zeit vielleicht doch wieder der Moment kam, sich in die 1vs1 Ladder zu stürzen. Hatte ich WoL noch Protoss gespielt, war ich HotS zu Zerg gewechselt, auch wenn ich nur selten in Teamgames mitmachte. Trotzdem beschloss ich mich abermals in Form der heldenhaften Erstgeborenen in den Kampf zu stürzen und so begann der Weg, der Weg zurück zu Starcraft

Und so beginnt es .... erneut!

Ein paar Botgames waren nach solch einer langen Trockenperiode wohl empfehlenswert und so machte ich mich zumindest mit der wichtigsten neuen Einheit etwas vertraut - dem Mothershipcore. Doch bald hielt es mich nicht mehr. Ich war zwar aufgeregt, aber mein Wille war größer. Ich warf mich in die Rangliste und wurde erst einmal gegen einen Bronzerahmen gematched. Ich hatte mir zwar keinen einzigen Build oder Protoss-Stream angeguckt, aber mit einer Robo kann man wenig falsch machen. Zwar war ich mit Expansionen und sonstigem Multitasking massiv überfordert, aber immer noch weniger als mein Kontrahent, wodurch ich meinen ersten Sieg einfahren konnte.

Allgemein liefen meine Platzierungsmatches gut, auch wenn ich das letzte verlor. Allerdings war dies ein Platinspieler und ein Sieg hatte ich bereits vorher für unwahrscheinlich gehalten. Jedoch zeigte sich hier und im nachfolgenden Spiel mein größtes Problem; ich war zu passiv. Das Makro war okay, aber eine dritte Basis war schwer zu nehmen, gegen Leute die mich gut unter Druck setzen konnten. Ich selbst übte viel zu selten Druck aus bevor meine Armee nahezu maximiert war, weshalb ich entschloss mal eine, für mich, noch neue Einheit auszuprobieren und zwar das Oracle.

Als ich die Engineering Bay beim Terraner sah, hätte ich bereits aufhören können, aber ich verwarf den Gedanken und ging trotzdem auf ein Stargate und versuchte so mein Glück. Als das Oracle drüben ankam, stand bereits ein Turret in jeder Mineralline und so versuchte ich einige SCVs aus dem Gas zu nehmen. Doch was ich nicht wusste, das Oracle greift nicht automatisch an und so war ich verwirrt, wie sollte ich diese Einheit verwenden? Zwar kam ich schnell auf die Fähigkeit, aber da der Turret mich zum Micromanagement zwang, verzweifelte ich mit dieser Einheit und plante sie vorerst nicht wieder zu verwenden. Dass ich so überfordert mit dem Nutzen einer einzigen Einheit sein würde, zeigte mir vor allem eins: WoL =/=! HotS.

Nachdem ich zuerst noch in die Silberliga beordert wurde, durfte ich mich trotz Niederlage auf der ersten Map im neuen Pool über ein Upgrade in die Goldliga freuen. Zwar bekam ich permanent nur auf den Latz, aber ich war weiterhin motiviert mich nach oben zu arbeiten. Ich spielte zwar nahezu exklusiv Robo-Builds, aber als ich in einem PvZ endlich für mich entdeckte, warum Zergspieler regelmäßig über einen 4-Immo-Push ragen, konnte ich mich langsam eingewöhnen und begann auch mal andere Sachen auszuprobieren.

Aus alt mach neu

Ich versuchte mich an etwas, dass sich bereits in Wings of Liberty großer Beliebtheit erfreute. Beim sogenannten DT-Rush techt man so schnell es geht auf die sogenannten Dark Templar, eine unsichtbare Einheit, die ohne Aufdeckung großen Schaden anrichten kann. Da besonders Terran anfangs Probleme hat aus seiner Base gegen unsichtbare Einheiten zu pushen, weil es noch an Aufdeckungsmöglichkeiten fehlt, verspricht diese Taktik frühe Aggression mit einer schneller Expansion zu verbinden. Und tatsächlich waren die ersten Versuche überraschend erfolgreich. Der Mothershipcore sorgte für die nötige Defensive und so konnte ich den gegnerischen Terran schnell unter Druck setzen, sodass ich viele Spiele allein schon mit den DTs gewann, ohne mir ein Followup ausdenken zu müssen (wobei ich nahezu immer eine Robo hinterherzog, um nicht an getarnten Banshees zu sterben).

Doch auch eine andere Rasse überraschte mich mit einer alten Taktik, die ich bereits aus früheren Zeiten kannte. Das Matchup PvP war zu WoL-Zeiten ein wahrer Albtraum, zu dem Day9 einmal zynisch meinte: "Wer im PvP eine Expansion nimmt, ist selber schuld" (frei aus dem Englischen) und auch wenn man mittlerweile eine Fülle an Taktiken vorfinden kann, hat sich bis heute ein Kronjuwel des Cheeses behauptet.

Als ich standardmäßig nach dem Setzen des Gates scouten ging, fand ich beim gegnerischen Protoss kein Gas, aber dafür eine Forge/Schmiede vor. Als wenige Sekunden danach eine Probe in meine Base gefahren kam, wusste ich bereits was mich erwartete und zog mehrere meiner Arbeiter um den gesetzten Pylon zu verteidigen. Allerdings hatte mein Gegner bereits eine Cannon auf dem Lowground gebaut (roter Kreis), wodurch ich selbst eine Forge nachziehen musste um mich zu verteidigen. Ich schaffte es mein Gate und Nexus zu retten und da ich selbst eine Probe bei ihm versteckt hatte, begann ich selbst ihn zu Cannonrushen (blauer Kreis) und nebenbei zu Exen. Da er sich nur auf den Rush konzentriert und die Wirtschaft missachtet hatte (Achte die Wirtschaft!!!), hatte er nichts mehr entgegenzusetzen, nachdem ich ihn mit 4 Gates auf 2 Basen einfach überrennen konnte, nachdem er die Reste meines Konterpushs unter hohen Verlusten hatte beseitigen können.

Mir wurde klar, dass Heart of the Swarm alte Taktiken aus Wings of Liberty nicht verneinte, sondern vielmehr eine modernisierte Form verlangte. So entdeckte ich immer mehr alte Taktiken für mich, besonders gegen Zerg. Im PvZ war Forge first immernoch sehr stark, wenn man daraus einen 7-Gater mit +1 Attack-Upgrade bastelte oder man konnte einen späteren 2-Base Allin mit 3-4 Immos und 2+ Kollossen versuchen. Aber auch andere Taktiken waren weiterhin "IN", wie zum Beispiel schnelle Blink-Stalker im PvP und PvT oder Mass-Phoenix aus double Stargate.

Genau diese Fülle aus alten und neuen Strategien hat mich an HotS so angefixt und hält mich weiterhin am Ball. Noch bin ich zwar weiterhin "nur" in der Goldliga unterwegs, aber ich bin fest entschlossen noch bis zum Beginn von Legacy of the Void die Ladder hochzuklettern und mit dem neuen Zyklus dann endgütlig in die hohen Ligen durchzustarten. Frei nach dem Motto "Die Passion ist tot, lang lebe die Passion".

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Autor: Max | Zahard

Als Student aus Leidenschaft schimpft man mich Redakteur in den Diensten Bonjwas. Meine eSport-Karriere begann mit der Spielzeug-Raserei Trackmania Nations vor ungefähr 7 Jahren und fokussiert sich momentan zu 100% auf Overwatch. Ein Game für die Götter :3

Außerdem zock ich leidenschaftlich Victoria 2 und Europa Universalis 4.