Motivation

Was hält DICH davon ab, Progamer zu werden, eine Liga aufzusteigen oder überhaupt erst mit der Rangliste anzufangen? Wenn Zeit keine Rolle spielt, hat es vielleicht mit der Motivation zu tun.

Max | Zahard 13.02.15

Jedes Jahr ist es ein wunderbar zu beobachtendes Spektakel, das sich in Fitness-Centern rund um den Globus abspielt. Wenige Tage nach Silvester sind die Körperertüchtigungstempel randvoll gefüllt, der Durchschnittsbürger hat sich schließlich vorgenommen, ab jetzt viel gesünder und besser zu leben. Enthusiastisch wird eine Jahresmitgliedschaft gebucht, um nach satten drei Besuchen für den Rest der Zeit sicherheitshalber geschont zu werden. Die Motivation sich selbst zu ertüchtigen verliert sich nach den anfänglich guten Vorsätzen allzu schnell und dies geht vielen Menschen so.

Auch Gamer leiden mitunter an einer sehr merkwürdigen Form dieses Problems. Der Spaß stimmt, der Wille ist da, die Möglichkeiten sind vorhanden und doch kann der Betroffene sich einfach nicht dazu durchringen sich ins Gefecht zu schmeißen. Woran das liegt, bleibt ihm dabei selbst ein Rätsel und eine gewisse Ratlosigkeit macht sich breit. Womit das zu tun hat und wie sich das beheben lässt? Bonjwa begibt sich auf Spurensuche.

Motivation und Gaming

Wenn man über dieses Thema redet, ist es wichtig die zwei verschiedenen Formen der mentalen Triebkraft zu kennen. Erstere ist die intrinsische Motivation. Sie ist praktisch der Anreiz etwas um seiner selbst zu machen. Empfinde ich eine Handlung als interessant, spannend und/oder herausfordern, so mache ich diese freiwillig, der Anstoss kommt also von mir selbst. Die zweite Variante bildet die extrinsische Motivation. Hierbei mache ich etwas, weil ich die Folgen als wünschenswert erachte. Somit kommt der Anreiz von außen.

Dieses Konzept lässt sich wunderbar auf Gaming übertragen. Möchte ich einen Titel spielen, weil er mir Spaß macht, so zocke ich aus eigenem Antrieb, also intrinsisch motiviert (Welche Facetten ein Videospiel spielenswert und spaßig machen, haben wir bereits in einem früheren Artikel vorgestellt). Extrinsische Motive wären zum Beispiel, dass Freunde ebenfalls dieses Game zocken und man sich mit ihnen darüber austauschen kann, bzw. nicht ein Außenstehender sein möchte.

Für eSport-Titel im Speziellen, kommt sogar noch ein weiterer wichtiger Teil dazu - der Lernprozess. Während in Singleplayer-Games dieser Faktor eher kleiner ist, bildet er beim Messen mit anderen das Fundament jeden Fortschritts. Der intrinsische Anschub ist hier der eigene Anspruch besser zu werden und selbst gestellte Herausforderungen zu meistern. Möchte ich einfach nur besser sein als andere oder auf eine Könnensstufe mit meinen Kameraden kommen, ist es wiederum extrinsisch.

Motivation, gaming und du!

Doch was bedeutet diese Theorie für deine persönliche Praxis in der Einzelrangliste? Nun eigentlich alles. Viele Spieler haben das Problem, dass sie zwar Spaß am Spiel haben, aber trotzdem es nicht wagen (bzw. wollen) sich in der Rangliste auszuprobieren/hochzuarbeiten. Logischerweise muss also die Motivation, nicht gegen andere anzutreten größer sein, als die dafür. Sich bewusst zu machen, was einen zurückhält ist dabei der erste Schritt zur Besserung.

Grundsätzlich hat jeder eSport-Titel seinen eigenen Mix aus intrinsischer und extrinsischer Demotivation. Während bei 1vs1 Spielen wie Starcraft ersteres überwiegt, ist es bei Mobas und anderen Mehrspieler-Formaten eher zweiteres. Besonders im Fokus des eigenen (Nicht-)Antriebs steht dabei die auch im Leben tief verwurzelte Versagensangst, die in unserer heutigen Leistungsgesellschaft allgegenwärtig ist und auch vor dem eSport-Bereich keinen Halt macht. Diese Furcht vor Versagen kann von einem selbst ausgehen (Selbstanspruch) oder von anderen (Spott und Hohn von anderen).

Dem entgegengesetzt ist das Streben nach Erfolg der analog zur Versagensangst durch den erreichten Selbstanspruch oder das Lob und Anerkennung von anderen zustande kommt. Das Mengenverhältnis dieser beiden positiven und negativen Facetten bestimmt folglicherweise, wie viel ich zu gewinnen, bzw. zu verlieren habe. Doch dies allein bestimmt noch nicht, ob wir etwas versuchen oder nicht, denn zur Motivation gehört noch eine weitere Variable und zwar die eigene Erwartungshaltung. Sie ist sozusagen der Multiplikator für deine Werte und Anreize. Wenn du überzeugt bist, dass du deine Ziele erreichen kannst/wirst, ist es relativ egal, wenn die negativen Aspekte überwiegen. Andersherum ist es dasselbe. Folglich entsteht echte Motivation erst, wenn du die theoretischen Anreize intrinsischer und extrinsischer Art mit deiner Erwartung kombinierst. Erst dann entwickelt man eine bewusste Handlungsabsicht.

Was wir zu erreichen suchen und wie sehr wir uns darum bemühen,
hängt davon ab, was uns das angestrebte Ziel bedeutet und für wie
wahrscheinlich wir es halten, dass wir es erreichen können.

Bernard Weiner, 1984

Hier ist man wieder nah an der Praxis. Viele Spieler wollen/können sich nicht dazu überwinden mit der Rangliste anzufangen, weil sie schlicht und ergreifend denken, dass sie es nicht schaffen ihre Ziele zu erreichen. So ist es auch zu erklären, dass Gamer, die zum Beispiel die Goldliga bereits erreicht haben, aufhören zu spielen. Sie haben ihr Ziel erreicht, aber sie haben Angst es wieder zu verlieren, weil sie erwarten, dass sie wieder absteigen wenn sie zu viel verlieren.

Motivation - a mindgame

Betrachtet man all diese Konzepte wird einem eine Sache schnell klar: Motivation ist eine Kopfsache. Was dich und jeden anderen davon abhält wirklich gut und vielleicht sogar Profi zu werden, spielt sich alles in deinem Gehirn ab und du selbst hast die Chance diesen fehlenden Ehrgeiz zu ändern. Wenn du genug Zeit und Elan mitbringst, kannst du alles werden was du willst und das gilt nicht nur für den eSport. Auch im realen Leben ist es wichtig, sich selbst motivieren zu können, manchmal auch zu Handlungen, die man alles andere als mag.

Und das ist gar nicht mal so schwer, denn es gibt durchaus Tricks um sich selbst zu motivieren. Der wohl bekannteste Weg ist, ein großes Ziel, wie zum Beispiel das Erreichen der Diamant-Liga in viele kleine Ziele zu unterteilen. So könnte ein Zwischenziel zum Beispiel lauten: 'Heute achte ich besonders darauf eine gute Economy zu haben/gut zu Last-Hitten. Somit gliedert man ein großes, vielleicht noch weit entferntes Ziel in viele kleine, machbare Aufgaben. Zusätzlich stellen sich dadurch viele kleine Lernerfolge ein, die einen nochmals motivieren am Ball zu bleiben.

Ebenso entscheidend, ist der richtige Umgang mit Rückschlägen. Häufig lassen sich Leute durch Entäuschungen dauerhaft demotivieren und das völlig zu Unrecht. Denn der alte Spruch Aus Fehlern lernt man stimmt trotz seiner Ausgelutschtheit. Daher sollten eben jene Niederlagen besonders motivierend sein, da sie einem die eigenen Grenzen und momentanen Schwächen aufzeigen. Im Folgenden ist es dann umso besser, wenn eben diese Fehler nicht mehr gemacht werden, weil man aus ihnen gelernt hat.

Zuletzt ist jedoch vor allem wichtig, dass der Kern des Gamings immer an erster Stelle steht und das ist der Spaß. Denn dieser ist der beste Motivator, egal ob intrinsisch oder extrinsisch.

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Autor: Max | Zahard

Als Student aus Leidenschaft schimpft man mich Redakteur in den Diensten Bonjwas. Meine eSport-Karriere begann mit der Spielzeug-Raserei Trackmania Nations vor ungefähr 7 Jahren und fokussiert sich momentan zu 100% auf Overwatch. Ein Game für die Götter :3

Außerdem zock ich leidenschaftlich Victoria 2 und Europa Universalis 4.

13. Februar 2015 - 17:44
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Phenexx
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23.04.2018 - 16:05
19.12.13
334

Sehr schöner Artikel, hat mich echt zum nachdenken angeregt und auch wieder Lust gemacht dieses Wochenende ein wenig mehr zu Spielen als die letzten Monate =)

13. Februar 2015 - 18:19
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Line
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09.12.2016 - 15:24
18.11.13
346

Gut geschrieben. Natürlich ist Motivation wenn an sich wirklich verbessern will sehr wichtig, doch in meinen Augen auch nicht alles.

Selbst unter der Annahme, Zeit würde keine Rolle spielen und Motivation wäre da, wird niemals jeder alles erreichen können was er will. Ich denke jeder Mensch kann auch nur bis zu einem gewissen Level besser werden und dass es für jeden eine Grenze gibt bei der man einfach nicht mehr besser werden kann, auch wenn diese Grenze für jedermann verschieden sein mag.

Ich zum Beispiel mit nun bald 10k Spielen auf dem Buckel (SC2) habe schon einige Male ERNSTHAFT versucht endlich wieder in die Master-Liga zu kommen aber es nun seit langer Zeit nicht mehr geschafft. Denn obwohl ich theoretisch weiß wo ich mich zu verbessern habe bekomme ich es praktisch einfach nicht hin, NOCH besser zu werden. Ein leichter verständliches Beispiel wäre vielleicht ein etwas klein gewachsener Sportler, der einfach durch seine körperlichen Vorraussetzungen weder die 100 Meter jemals unter 10 Sekunden laufen wird, noch jemals über 2 Meter beim Hochsprung schaffen wird, da es ihm einfach nicht möglich ist.

Natürlich kommt es gerade bei Computerspielen neben den reinen körperlichen Vorraussetzungen (Mechanics, die sich wie beim Sport trainieren lassen) auch bzw. oftmals noch viel mehr auch auf den Kopf an weshalb sich das nicht 1 zu 1 vergleichen lässt aber meiner Meinung nach sind einem jeden Menschen trotzdem gewisse Grenzen gegeben.

Abgesehen davon gebe ich dir natürlich vollkommen recht: Um sich in etwas wirklich verbessern zu wollen ist Motivation sehr wichtig und Spaß sollte es auch machen, damit die Motivation nicht verloren geht ;)

13. Februar 2015 - 22:56
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ProoFLess
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13.02.2015 - 22:55
19.01.15
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echt cooler Vortrag!!!

Für mich als Lehramtsstudent kommt das Thema bzw. der Inhalt hier sehr bekannt vor.

Nur das ich dieses Wissen im Gaming einsetzen kann, ist mir komischerweise nie in Gedanken gekommen.

Liegt vllt daran, dass ich mehr Augenmerk auf die Informatik bzw. Mathematik lege.

Von daher vielen Dank Bonjwa Team! wink

14. Februar 2015 - 12:34
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Shiek
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19.03.2016 - 19:52
16.03.14
212
@Line ich glaube jeder kann so gut werden wie die besten Spieler, wenn er/sie es drauf anlegt. Wenn's nicht klappt dann musst du eben nach dingen suchen die dich davon abhalten effektiv besser zu werden. Bei dir klingt das etwas nach her mentalen Blockade oder nach Frust der langfristig tilted, wenn du deine Einstellung von Grund auf änderst und sie dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachtet btw wieder offen für alle Betrachtungsweisen bist, dann wirst du schnell besser. Ich hatte selbst ein ähnliches Problem. Ich war seit s1 wol Master und hab den Sprung in die gm erst nach endlosen Saisons geschafft. Ausschlaggebend dabei war dass ich aufhörte mich über Niederlagen aufzuregen und mich mehr damit beschäftigt habe zu sehen was ein Innovation soviel besser macht als ich uns das dann in mein eigenes Gameplay zu integrieren. Also nicht aufgeben, du kannst alles schaffen!
14. Februar 2015 - 17:04
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Zahard
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15.04.2018 - 18:31
26.11.13
189

@ProoFless

ertappt, ich bin wirklich Lehramtsstudent^^

@Line

Ich hab mal gelesen "Menschen überschätzen, was sie an einem Tag schaffen können, aber unterschätzen, was sie in 10 Jahren schaffen können." und ich halte diesen Spruch für weitestgehend korrekt. Natürlich ist Weg und Dauer für jeden anders, aber ich bin überzeugt, dass jeder alles schaffen kann, wenn er es nur noch richtig versucht. Falls du etwas Hilfe damit brauchst, wird es dich vielleicht freuen, dass ein zukünftiger Artikel sich genau um diesen Sprung aufs professionelle Level dreht.

15. Februar 2015 - 14:03
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Line
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09.12.2016 - 15:24
18.11.13
346

Naja das Problem ist dass ich das eigentlich immer nur in der Ferienzeit probieren kann weil wenn ich immer mal wieder 1-2 Tage Pause machen muss und wirklich kein einziges Spiel spielen kann ich mich gleich wieder Fühle als wäre ich tatsächlich einen kleinen Schritt schlechter und brauche wieder ein paar Spiele um wieder da anfangen zu können wo ich zuvor aufgehört habe.

Über Niederlagen rege ich mich eigentlich auch nicht mehr auf, jedenfalls fast nie wenn ich weiß wo mein Fehler lag.

Probleme sehe ich eher darin dass ich nur wenig diszipliniert bin und wenn ich dann mal einen schlechten Tag habe schnell aufgebe und mich damit zufrieden gebe was ich bisher bereits erreicht habe.

Ab nächster Woche Donnerstag habe ich allerdings wieder Zeit, mal schauen ob ich den Versuch noch mal starte ;)

15. Februar 2015 - 15:09
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Vertrix
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04.05.2015 - 16:04
10.05.14
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Sehr schöner Artikel! Ich selbst stand schon oft vor dem Problem koplett demotiviert zu sein. Habe mir mehrer Saesons auszeit gegönnt und sogar meine alszu geliebten Clan verlassen. Ich habe mir ein festes Zeil gesetzt und dieser Text alleine motiviert mich schon, diese Ziel wieder anzustreben... MASTER. Ich glaube jeder träumt mal davon :D Gl&Hf

27. Februar 2015 - 0:20
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Quisl
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19.01.2017 - 11:36
19.02.15
78

Schön geschrieben, gerne mehr davon. :)

8. März 2015 - 13:36
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DKUmaro
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27.08.2015 - 08:52
08.03.15
37

Fand Spieler, die mit weniger Spielen länger Spaß haben deutlich beeindruckender und in der jetzigen Zeit von 15 Spielen innerhalb von ein bis zwei Monaten umso mehr. Ich kriegs nicht immer hin ein MP Spiel länger als ~60 Stunden zu spielen, weil dann meist ein recht interessantes, aber kurzes Spiel dazwischen kommt oder es wird eines veröffentlich, das interessant aussieht. Wird wohl eine Art Angst sein etwas zu verpassen, was mir wirklich gut gefallen könnte. Zudem kommt, das Freunde die MP Spiele nicht spielen, mich zu einem anderen Spiel überzeugen und dann bleib ich da hängen.

Wenn ich aber meine Spiele ansehe, die ich mehrmals durchgespielt und bei vorhandenem MP-Modus, diesen auch ausgiebig gesuchtet habe komme ich vielleicht auf ein dutzend Spiele. Frage mich manchmal dann schon obs notwendig ist selbst die "nur" guten Spielen zu genießen.

Dabei find ich DotA2 eigentlich recht interessant und hätte da auch so meine Helden und Starcraft 2 ist wegen S2G interessant geworden. Es gefällt mir schon neuen Herausforderungen zu stellen und wenn ich mich verbessere ist es immer wieder ein tolles Erlebnis mit AhA!- Effekten, die mir dann ja den nötigen Schub geben, aber oft kommen mir dann die Freunde in die Quere. :)

13. Oktober 2015 - 20:09
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Blechfaust
Core
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17.09.2018 - 18:45
16.03.15
282

Der Artikel war richtig gut. Habe ihn verschlungen. Er hat mich dazu motiviert, auf LotV umzusteigen (ist ja nur noch ein Monat hin) und einfach loszuspielen und herumzuprobieren. Die Grundlegenden Sachen habe ich ja hier durch die Academy gelernt. Ich habe auch aufgehört coaches, clanmates & pros zu fragen, was man in den Matchups spielt. Ich frage wenn dann nur Grundlegende Sachen, wie z. B. für was eine bestimmte Einheit gut ist.