Overwatch - Erste Eindrücke

Seit der Blizzcon haben wir alle darauf gewartet und nun ist es so weit. Overwatch ist auf der Gamescom für alle anspielbar und wir haben das Spiel für auch auf eSport-Tauglichkeit getestet.

Max | Zahard 12.08.15

Wir haben gebetet, gefleht, gewollt und gefordert und nun ist es endlich so weit - Overwatch ist anspielbar. Nachdem auf der Blizzcon des letzten Jahres das erste Mal in diesem Jahrtausend ein neues Franchise aus dem Hause Blizzard angekündigt wurde, waren die Zuschauer polarisiert. Die Einen waren skeptisch, empfanden die Grafik zu comikhaft und bunt oder mäkelten über das scheinbar recycelte Gameplay von Team Fortress 2. Die Anderen wiederum sahen in dem Shooter Potenzial frischen Wind ins Genre zu bringen. Mal ganz davon abgesehen, dass das Gameplay definitiv spaßig aussah. Auch das Bonjwa-Team war in diese beiden Fraktion aufgeteilt. Aber nun konnte jeder sich sein eigenes Bild machen und so viel sei verraten; das Fazit war einstimmig.

Blizzard-Konferenz Announcements

Doch bevor wir direkt zum Spielerlebnis kommen, noch kurz zu die im allgemeinen Konferenzartikel angeteaserten Announcements.

Natürlich verkündete man zu aller erst die Nachricht, auf die jeder gewartet hatte. Overwatch wird anspielbar sein. Dies war bereits vorher bekannt, aber trotzdem waren besonders die Presseleute nochmals positiv überrascht, da Blizzard damit einhergehend verkündete, dass Besitzer eines Pressetickets bei Warteschlangen extrem bevorzugt werden. Zwar ist dies schon etwas unfair gegenüber den normalen Leuten, aber dadurch konnten wir den Titel ausgiebig antesten, wofür wir uns nochmals bei Blizzard bedanken müssen.

So konnten wir hautnah erleben, was bereits auf der Konferenz verlautet wurde. Overwatch wird ein teamfokussierter First-Person-Shooter, der eher objektorientiertes Gameplay bietet. Dabei ist jeder spielbare Charakter komplett anders und besitzt besondere Fähigkeiten. Das alles spielt auf wechselnden Karten, die jeweils unterschiedliche Spielziele haben. Außerdem bewegt sich das Spiel auf einem hohen kompetitiven Level.

Im gleichen Atemzug wurden daraufhin die 2 spielbaren Maps der Gamescom vorgestellt, welche beide bisher noch nicht bekannt waren. Die Erste hört auf den Namen "Volkskaya" und befindet sich in Russland. Dementsprechend liegt sie ganz klischeehaft im Schnee. Irgendwie erinnert sie an ein klassisches Industriegebiet mit einem Hauch von Futurismus. Hier wird ein eher klassischer Modus gespielt. Das erste Team verteidigt zwei Gebiete (nacheinander) und das Andere versucht es einzunehmen, indem sie sich in dem Areal aufhalten.

Die zweite Karte heißt Numbani und thematisiert eine hoch entwickelte Stadt in Afrika. Dabei handelt es sich um eine futuristische Metropole, die durch die Zusammenarbeit aller Industrieländer erbaut wurde. In dieser hoch technologisierten Umgebung wird der sogenannte "Doomfist Gauntlet" aufbewahrt, eine mächtige Waffe, die auch den Cliffhanger für den Spielmodi bietet. Während das angreifende Team versucht einen Transporter mit der heißen Ware zum Ziel zu bringen, will das Verteidigende dies verhindern.

Doch nicht nur diese beiden neuen Schlachtfelder wurden vorgestellt. Auch ein neuer spielbarer Charakter wurde enthüllt und stand zur Auswahl bereit. "Lucio" ist insgesamt der 16. spielbare Held und kommt ursprünglich aus Brasilien, wie der Name bereits vermuten lässt. Seine Thematik bildet sich primär aus einer Hybridisierung der DJ und Inlineskate-Szene, was sich auch in seinem Kit wiederspiegelt. Er kann mit seinen Inlinern an Wänden entlangfahren und hat einen Heil- und Speedmodus zwischen denen er umschalten kann (farblich und musikalisch verschieden). Diese beiden Modi werden durch eine extra Fähigkeit nochmals kurzzeitig verstärkt, wenn diese aktiviert wird. Zuletzt besitzt er noch eine Ulti, die alle nahen Verbündeten einen kurzzeitigen Schild beschert. Somit gehört er zu den Supports des Spiels. Heißt er konzentriert sich vor allem darauf, seine Teammates zu unterstützen. Daher ist auch seine Waffe nicht allzu mächtig, besitzt aber neben dem normalen Feuermodus auch einen Knockback, der getroffene Feinde zurückschmeißt und sogar von der Map werfen kann.

Spieleindrücke

Viel wurde im vorhinein geredet und gesagt. "Das sieht wie Team Fortress aus.", "Die Grafik ist mir zu bunt.", "Das wird bestimmt voll casual." Das waren nur wenige von vielen Vorwürfen, die sich das Spiel nach einem ersten Gameplay-Teaser gefallen lassen musste. Doch ich kann an dieser Stelle bereits eine Entwarnung geben: Overwatch ist ein komplett eigenes Spiel, mit eigenem Charakter und eigenen Ideen. Eine Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen. Aber auch wenn es Parallelen gibt, kann man höchstens von Team Fortress 2 als Inspirationsquelle reden.

Nachdem man die langen Warteschlangen überstanden hatte, wurde einem von nettem Personal kurz der Spielmodi erklärt. Grundsätzlich wird in Overwatch 6 gegen 6 gespielt. Jeder kann einen beliebigen Helden nehmen, wobei Doppelungen und mehr möglich sind. Diese können jederzeit im Spawn-Area oder bei Tod gewechselt werden. Spielbar waren leider nur die beiden neu angekündigten Maps, Volkskaya und Numbani.

Wir wurden zu den PCs geleitet (welche alle mit hochwertigen Razer-Produkten bestückt waren) und durften uns setzen, woraufhin es auch sofort losging. Im Heldenauswahl hatte man erst einmal die Qual der Wahl. Die Helden standen ihrer Rollen nach geordnet zur Auswahl und hatten für Unerfahrene eigene Infotafeln, welche die Fähigkeiten erklärten und die Schwierigkeit einschätzten. Außerdem fiel eins sofort ins Auge, was man bisher noch in anderen Spielen vermisst hatte. An der Seite wurde jedem angezeigt, woran es dem Team noch mangelte oder was es im Überfluss besaß. Nahm man zum Beispiel mehrere offensive Champs, aber keine Defensiven, wurde vor der Unbalance gewarnt. Das war für Anfänger überaus hilfreich und unterstütze sogar das praktisch kaum vorhandene Teamplay der wild zusammengeworfenen Truppe. All diese Informationen waren auch noch während des Spiels bequem einsehbar und hilfreich.

Generell spielt dieses Zusammenspiel der Truppe in Overwatch eine große Rolle. Allein ist man praktisch wertlos, das kaum ein Held es allein mit mehr als drei Gegnern gleichzeitig aufnehmen kann, selbst mit ultimativer Fähigkeit. So kommt alles darauf an, dass man sich abspricht oder zumindest wie hier, aufeinander achtet und einigermaßen zusammen vorgeht. Dies zeigte sich auch mehrfach in den Spielverläufen: Ein Einzelner kann nur durch geschicktes Ausmanövrieren der Feinde erfolgreich sein, mit dem Kopf voran hat er keine Chance.

Doch nicht nur das gemeinsame Vorgehen ist entscheidend, auch die Picks müssen harmonieren. Die Anzeige war hilfreich, aber nicht in jeder Situation war ein gut ausbalanciertes Team die beste Wahl. Hier sehe ich besonders das Potenzial für die eSport-Tauglichkeit des Titels. Durch die verschiedenen Helden und die ständige Wechselmöglichkeit, hat es Blizzard auf überraschend gute Art und Weise geschafft, MOBA und Shooter zu kombinieren. Bei kommunizierenden Teams kann sich die Taktik schnell und radikal ändern, was dem Gameplay eine ungeahnte Dynamik gibt. Das sollte vor allem bei guter Balance für sehr spannende Matches sorgen und bei fortlaufend neu erscheinenden Helden für lange anhaltenden Spielspaß sorgen.

Und dabei spielen sich eben jene besagten Charaktere extrem unterschiedlich. Hanzo zum Beispiel ist ein Bogenschütze, der mit seinen Pfeilen extremen Schaden austeilt, dafür aber sehr schwach im Nahkampf ist. Außerdem sind seine Geschosse relativ langsam und so muss man eine kurze Zeit vorraussehen, wenn man den Feind treffen will. Blackwidow wiederrum ist ebenso eine Distanzkämpferin, erfüllt also die selbe Rolle, spielt sich aber vollkommen anders. Sie bringt sich durch Einsatz ihres Enterhakens in gute Positionen und unterstützt dann über große Entfernungen ihr Team - gleich einem klassischen Sniper. Dafür ist sie jedoch relativ schadensempfindlich und muss ihre Schüsse gut setzen, da deren Stärke nach jedem Schuss kurz wieder auf Maximum ansteigen muss.

Die Balance der verschiedenen Helden war für den Stand einer anspielbaren Demoversion bereits recht gut und so kam es meistens wirklich auf Skill an (was besonders bei Presseleuten mitunter für Verwirrung sorgte, wenn im Gegnerteam ein guter Counter-Strike oder Call of Duty-Spieler war). Nur wenige Helden wirkten übertrieben stark, wobei dies natürlich auch daran liegt, dass niemand weiß, wie man mit ihnen umgehen soll. Erst in der Beta, wenn sich ein Metagame entwickelt, wird man genauere Aussagen zur Balance geben können. Aber die momentane Stufe hemmte auf jeden Fall nicht den Spaß am Spiel.

Als kleine Randnotiz sei noch erwähnt, dass es in Overwatch weder Granaten noch Munition im eigentlichen Sinne gibt. Natürlich muss man nachladen, aber der Vorrat daran ist unbegrenzt. Dementsprechend sind Waffen nicht aufnehmbar, was bei den starken MOBA-Einflüssen aber auch zu erwarten war. Allerdings besitzt entgegen eben jener Einflüsse die Ultimate keinen direkten Cooldown, sondern wird mit guten Aktionen im Spiel aufgeladen. Folglich muss man sich auch hier gut überlegen, wann, wie und wo man sie einsetzt.

Fazit

Viel wurde gemutmaßt über Blizzards neustes Werk, besonders ob es denn - wie angekündigt - kompetitiv ausgelegt sein würde. Nach der Gamescom ist der Tonus in der Bonjwa-Redaktion aber relativ eindeutig: Ja, in Overwatch ist eSport-Potenzial vorhanden. Wie groß dieses ist und ob auch Profiteams und Sponsoren auf den Titel aufmerksam werden, ist aber noch nicht entschieden. Es ist zwar zu erwarten, dass Blizzard wie bei Heroes of the Storm ordentlich Anschub geben wird, aber ob sich das Game langfristig etablieren kann, wird auch von der Balance und neuem Content abhängen.

Dass Overwatch großen Spaß gemacht hat, wurde von keiner Seite angezweifelt, selbst von unserem sonst so skeptischen Guideredakteur "Padierfind" nicht. Das schnelle Gameplay und die sehr individuellen Charaktere sorgen für großen Unterhaltungswert und sollten den Spielern bei anhaltend neuen Verbesserungen für langen Spielspaß sorgen. Ob es zu casual wird, kann nur die Zukunft zeigen, denn unser Video- und Soundschnittmeister "Yoshi" gab auch zu bedenken: "Ein eSport-Spiel darf eigentlich garnicht so viel Spaß machen". In dem Sinne sollte sich jeder auf die für Herbst angekündigte Closed Beta freuen, in der Ihr, mit etwas Glück selbst testen könnt, ob so viel Spaß denn noch eSport sein kann.

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Autor: Max | Zahard

Als Student aus Leidenschaft schimpft man mich Redakteur in den Diensten Bonjwas. Meine eSport-Karriere begann mit der Spielzeug-Raserei Trackmania Nations vor ungefähr 7 Jahren und fokussiert sich momentan zu 100% auf Overwatch. Ein Game für die Götter :3

Außerdem zock ich leidenschaftlich Victoria 2 und Europa Universalis 4.

13. August 2015 - 21:36
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garciiia
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23.03.2016 - 16:54
11.11.14
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Neues Spiel - neues Glück.

Immer wieder schaut man gern auf neue Titel die einem die Chance ermöglich von Anfang an dabei zu sein. Kennt man vor allem bei MMO's und nicht selten greift man die Chance beim Schopf und möchte direkt loslegen und in der Zukunft "gut" sein weil man eben seit anbeginn da reingebuttert hat. Bin bei MMO's (bezüglich e-Sports) nach WoW immer auf die Schnauze gefallen: Warhammer, Guild Wars 2, TERA.

Funktionierte bei mir nie wirklich und wird auch immer schwieriger. Wenn ich mir anschaue wie Blizzard aktuell mit ihren Titeln umgeht wird wohl auch Overwatch nichts für mich sein. WoW-Arena ist nicht ernst zu nehmen, Hearthstone ist nicht ernst zu nehmen und auch Heroes of the Storm war sehr ernüchternd für mich. SC2 ist das einzige von Blizz derzeit dass für mich meine "e-Sports" Standards erfüllt, nur leider wird aus mir trotz Bonjwa kein echter Pro.

Ich konnte es leider noch nicht spielen aber wenn ihr da ernsthaftes Potenzial seht, dann lasst das Spiel doch bei euch mitwachsen und wartet nicht zu lange es mit aufzunehmen wie bei LoL und DoTA2!

14. August 2015 - 11:45
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Zahard
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15.04.2018 - 18:31
26.11.13
189

Heroes of the Storm und hearthstone empfindest du als Reinfall in Sachen eSport? Beide Titel sind zwar an der Oberfläche nicht so komplex wie starcraft, aber bieten doch sehr viel Spieltiefe, wenn man weiter eintaucht. Außerdem hatte besonders Heroes bereits einige Turniere in letzter Zeit die über ein sattes Preisgeld verfügten. Diese Titel nicht ernst zu nehmen, würde ich an deiner Stelle noch einmal überdenken.

Dass wir mit Lol und Dota so lange gewartet haben, lag primär an den fehlenden Kapazitäten. Wenn wir etwas machen, dann wollen wir es auch richtig machen. Qualität ist uns wichtiger, als einfach schnell eine Academy rauszuhauen. Deshalb hat es auch so lange mit Dota Academy gebraucht. Aber nun kommt sie bald und das Ergebnis sollte die Wartezeit entschuldigen.

14. August 2015 - 11:57
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Frostl
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02.11.2017 - 12:34
15.11.13
61

Im Forum hab ich mich ja schon zu Overwatch geäußert, deshalb fände ich es schön wenn einige der 'Tester' mal statements zu folgenden Punkten abgeben könnten: "cons: - keine HUD costumization - kein veränderbares FOV - unnötige viewmodel animationen (ich möchte gerne aimen und nicht meinem Heroe beim erlernen der Gebärdensprache zusehen) - voicelines sind ja schön und gut, aber nach jedem Schuss muss man ja auch keinen Kommentar abgeben - extrem viele particle effects (was das kleine FOV und das unübersichtliche UI nicht besser macht "

16. August 2015 - 13:14
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garciiia
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23.03.2016 - 16:54
11.11.14
91

@Zahard: Ich meinte natürlich dass die Titel für mich persönlich nicht funktioniert haben. Ich habe MTG regelmäßig beim FNM gespielt und sowohl Prereleases als auch Turniere mit gemacht und vorallem beim Theorycrafting mich reingesteigert. Da ist für mich persönlich Hearthstone halt nichts. Ähnliches bei Heros of the Storm. Hat für mich eben nicht funktioniert, da es sich anfühlte als hätte man mir den Wind aus den Segeln genommen.

ICQ Games waren damals auch in der ESL; jeder wie er mag.

Es sollte auch nicht negativ gemeint sein dass ihr lange Zeit keine Academies hattet für andere Titel. Ich weiß ja weshalb dem so ist. EDIT: Und im besten Fall laufen die Titel einem ja nicht weg! ;D

20. August 2015 - 19:26
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BerzerkGuy
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23.02.2016 - 20:41
20.08.15
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@Frostl Kleine Korrektur: Es wurde mittlerweile ein FOV Slider hinzugefügt und generell wurde das Standard Field of View vergrößert, leider gibt es keine genaueren Angaben diesbezüglich. Persönlich freu ich mich sehr auf Overwatch, sieht sehr vielvesprechend aus und von Blizzard kann man sicher etwas ordentliches erwarten :).