TrackMania - mehr als nur ein Funracer?

TrackMania - das manchmal etwas frustrierende Rennspiel, in dem Autos Loopings fahren und in der Luft bremsen können. Worum es bei dem Spiel geht und was sich dahinter für eine eSport-Szene verbirgt, sehen wir im Folgenden.

Marc | Samosis 16.01.16

Das laute Röhren der Motoren ertönt, die Ampel springt auf grün um und mein Wagen beschleunigt. Die erste Kurve nehme ich mit Höchstgeschwindigkeit, lasse meine Gegner auf der Geraden stehen und bremse gerade genug ab, um durch die nächste Schikane zu kommen. Mein Auto erzittert, als ich über ein paar Speedpfeile fahre und es in den Looping geht. Dort werde ich jedoch zu weit herausgetragen. Ich sehe mein Auto durch die Luft fliegen und irgendwo aufprallen. Ein Seufzer, dann Neustart und wieder von vorne - Ich spiele TrackMania.

ZEITRENNEN IM STADION


TrackMania ist ein Rennspiel mit Strecken-Editor und hat - neben dem Singleplayer - auch einen Onlinemodus mit Rangliste. Seit dem ersten, 2003 erschienenen, "TrackMania" (mittlerweile "TrackMania Original") aus dem Hause Nadeo kamen neun weitere Teile auf den Markt, welche neue Streckenteile, Autos und Themenwelten mit sich brachten.

Heute ist TrackMania2 Stadium am weitesten verbreitet, es spielt wie seine erfolgreichen Vorgänger TrackMania United und TrackMania Forever in einem Stadion und benutzt die Formel-1 ähnlichen Fahrzeuge. Die mit TrackMania United 2006 eingeführte Stadium-Reihe konzentiert sich vor allem auf asphaltierte Straßen. Erst mit späteren Teilen wurden Wasserbecken und einige Offroad Streckenteile eingeführt, auf denen sich der Wagen entscheidend anders verhält. TrackMania2 Stadium ist der neueste Teil der Serie. Wobei der Multiplayer im Moment (Stand: 16.1.2016) für eine begrenzte Zeit am Tag kostenlos ist. Das Ziel ist in allen Titeln das Gleiche: Versuche möglichst unfallfrei von A nach B zu fahren und als erster das Ziel zu erreichen. Besonders dabei ist, dass nur Zeitrennen gefahren werden. Die Rennwagen sind Ghost-Cars, wodurch es keine Kollisionen oder aufwändige Überholmanöver gibt.

Wer in diesem Spiel erfolgreich sein möchte, ist oft selbst sein größter Widersacher und muss an seinen eigenen Fahrkünsten arbeiten um voran zukommen. Da die Strecken bei TrackMania sehr offen sind, ist die Versuchung groß auf dem Weg ins Ziel Abkürzungen zu nehmen, die Zeit sparen und weite Teile der Strecke auslassen. Damit dies nicht passiert, gibt es sogenannte "Checkpoints", Streckenteile welche durchfahren werden müssen um eine gültige Zeit zu bekommen. Auf bestimmten Strecken wird absichtlich auf Checkpoints verzichtet, in diesem Falle gibt es eine besonders schwierige alternative Route, welche erfahrene Spieler nehmen können um einige wertvolle Zehntelsekunden zu sparen.

Ein Checkpoint welcher sicher stellt, dass der vorgesehene Weg über die Schanze auch gefahren wird.

STÄNDIGE NEUE HERAUSFORDERUNGEN: DER EDITOR UND DER MULTIPLAYER


Ein wesentlicher Bestandteil von TrackMania ist der Editor, welcher kreativen Köpfen die Möglichkeit gibt ihre eigenen Ideen umzusetzen. Wie bei einem Lego-Baukasten können die Spieler hier eine Strecke nach ihren Vorstellungen bauen. Jede Map kann auf einen Server hochgeladen werden, auf dem bis zu 100 Spieler um die Wette fahren. Die Hosts bieten verschiedene Streckentypen an, es gibt Änfanger-, Speed-, Tech- oder sogenannte LOL-MAPS, die alle eine andere Fahrweise erfordern. Sämtliche Server werden von der Community betrieben, welche die Strecken von der Spielerschaft bekommen. Der beliebteste Modus ist "Time Attack", einfaches Zeitfahren bei welchem die Platzierung von der schnellsten gefahrenen Runde abhängt. TrackMania bietet dabei eine Rangliste, welche einem den eigenen Rang in seiner Stadt, Land oder Kontinent zeigt. Für jeden besiegten Fahrer, der einen höheren Rang als man selber hat, bekommt man Punkte. Es gibt sogar eine Website auf der man die weltweit besten Spieler und Länder miteinander vergleichen kann. Außerdem gibt es eine Ingame-Währung, "Mania Planets", welche man für Wetten gegen andere Spieler, als Bezahlung für in Auftrag gegebene Strecken, oder als Dankeschön für das Benutzen von Skins verwenden kann. Diese erhält man duch das Aufsteigen in bestimmte Ränge oder andere Erfolge.

Kann auch mal etwas unübersichtlich werden: Der Strecken-Editor aus TrackMania Nations Forever.

ESPORT IN TRACKMANIA


Auch wenn sie sich in ihrer Größe nicht mit anderen großen Titeln wie Starcraft 2, Counter-Strike oder Dota messen kann, gibt es doch eine starke eSport Szene in TrackMania. Ein großer Organisator ist die ESWC (Electronics Sports World Cup), welche ihr letztes Turnier von Ende Oktober bis Anfang Novemver 2015 ausrichteten. Dabei konnte sich der Kanadier Carl-Antoni "Carl Jr." Cloutier vom Team Dignitas den ersten Platz sichern und über 8000$ Preisgeld freuen. Einen Mitschnitt davon gibt es hier. Dieses Jahr soll es sogar eine Virtual Reality Disziplin geben, hierbei bekommen die Fahrer eine VR-Brille aufgesetzt und sitzen in einem rotierenden Stuhl, welcher sich auf 3 Achsen, 720 Grad bewegen kann.

Die meisten Turniere haben ein sehr ähnliches Format. Auf wechselnden Strecken werden mehrere Läufe absolviert. Für jede Platzierung gibt es eine entsprechende Anzahl von Punkten, welche aufaddiert werden. In der Regel gibt es acht Kontrahenten pro Gruppe, die ersten vier kommen weiter und treten gegen die vier Ersten aus einer anderen Gruppe an. Auf diese Weise werden immer mehr Spieler aus dem Turnierbaum eliminiert, bis die besten acht Fahrer im Finale gegeneinander antreten. Alle Rennen werden auf sogenannten "Tech-Maps" ausgetragen - anspruchsvolle Strecken, die präzises Fahren und vorsichtiges Driften erfordern. Hierbei gilt die Regel easy to learn - hard to master. Das eigentliche Abfahren der Strecke ist sehr einfach, Kurven wie die Profis zu nehmen, fordert jedoch sehr viel Übung. Pro Turnier gibt es bestimmte Mappacks, welche einige Wochen vor den Turnieren veröffentlicht werden. So haben alle Teams die selben Voraussetzungen zum Training. Die meisten Turniere haben ihre eigenen Strecken, die alle paar Monate ausgetauscht werden.

Ein weiterer wichtiger Ausrichter ist die ESL, welche viele kleinere Cups durchführt, darunter auch den bis März 2015 laufenden TM2 Go4 TrackMania Europe Cup. Neben diesen Turnieren gibt es ebenfalls die CPS (Competition Premier Ship), eine größere Veranstaltung welche rund zwei Monate dauert und bei der die Teams sich erst in Ligen durchsetzen müssen um in die Playoffs zu kommen. Ein weiteres Turnier wurde von dem Youtuber Zerator organisiert. Auf seinem für jedermann zugänglichen Server konnten einige Wochen lang extrem anspruchsvollen Strecken geübt werden, um sich dann über ein Open-Bracket anzumelden. Das Preisgeld des ZrT Cups lag bei insgesamt 1000€. Hierbei unterschieden sich die Strecken allerdings von gewöhnlichen Cups gewaltig. Oft mussten die Fahrer in einem bestimmten Winkel bei der richtigen Geschwindigkeit gegen bestimmte Hindernisse fahren, um im richtigen Winkel über andere Barrikaden zu fliegen. Diese Manöver waren jedoch so schwer zu fahren und zufallsabhängig, dass diese Strecken bei einigen Pros auf eine gewisse Unbeliebtheit stießen.

AUSSICHT IN DIE ZUKUNFT


Ob TrackMania jemals die große Aufmerksamtkeit anderer eSport Titel dieser Zeit erreichen wird, ist nur schwer zu sagen. Fest steht jedoch, dass das Spiel vor allem in Frankreich eine große Fanbasis hat und dort auch weiterhin erfolgreich sein wird. Spannend wird auch sein, wie sehr der VR-eSport einschlägt.​ Ob die veränderten Bedingungen für die Fahrer wirklich für mehr Spannung auf der Strecke sorgen, bleibt abzuwarten. Ähnlich wie Starcraft 2 ist TrackMania ein Titel, in dem es um Perfektion und die Verbesserung der eigenen Fähigkeiten geht.​ Man braucht schnelles Reaktionsvermögen und viel Geduld.​ Selbst kleine Fehler werden sofort bestraft. Als Anfänger braucht man lange, um das Spiel zu lernen.​ Ob TrackMania also jemals Mainstream werden kann, ist fraglich. Trotzdem ist der Support der Community in den letzten Jahren auf einem steten Level geblieben, auch wenn es nicht der größte eSports-Titel mit den höchsten Preisgeldern und bekanntesten Sponsoren ist, hat TrackMania trotzdem eine funktionierende Pro- und Turnierszene. Deshalb werden auch sicher noch in ein paar Jahren die Hundertstelsekunden im Stadion gejagt.

Was haltet ihr von TrackMania? Zum Scheitern verurteiltes Nischenprodukt oder Geheimtipp? Habt ihr selber schon eure Erfahrungen gesammelt?

Bild des Benutzers Samosis

Autor: Marc | Samosis

Grandmaster Terran, mehrmaliger Gewinner der GSL und Retter der Welt. Als dann der Wecker klingelte und ich aufgewacht bin, war ich wieder nur Geschichtsstudent in Düsseldorf, aber das ist auch ganz in Ordnung. Mag alles von Strategie- bis Rennspielen, bin außerdem ganz der Geschäftsmann. Beim richtigen Preis <könnte hier Ihre Werbung stehen!>

16. Januar 2016 - 21:56
Bild des Benutzers Phenexx
Phenexx
Benutzer
Offline
13.12.2018 - 21:38
19.12.13
334

hm naja ich finde es jetzt nicht so spannend, ist einfach nicht mein stil und ich sehe den "Esport" in letzter zeit auch relativ kritisch, da einfach irgendwie jedes 2. Spiel auf´m Markt als "Esport" praktiziert wird.

Das hat natürlich auch seine vorteile, ähnlich den verschiedensten "normalen" Sportarten, aber irgendwie fühlt man sich dem ganzen auch einfach überdrüssig, "SC2", "LoL", "Dota2", "CS:GO" decken bereits so eine große Menge an Spielern ab das ich kaum glaube das noch irgendein weiteres Spiel daneben so gorßen erfolg feiern wird, zumindest in den nächsten 1-2 Jahren, auch beim kommenden "Overwatch" sehe ich da kein so großes potenzial sich über längere Zeit zu halten, hat man ja bei Heroes of the Storm schon gesehen das es einfach nicht an die MOBA giganten rankommt.

Aber naja man wird sehen was passiert, vllt wird Trackmania ja noch ganz groß, vielleicht täusche ich mich ja in dem ganzen.

Was ich aber hoffe das "Esport" endlich als normaler standardmäßiger Sport weltweit anerkannt wird. Es verbindet einfach so viele Menschen, Nationen, Religionen, Geschlechter, Oberflächlichkeiten sind dort so unrelevant, auch wenn die großen teams und medien es gerne anders aussehen lassen mit durchtrainierten Jünglingen.

ich habe mich wirklich sehr gefreut als ich hörte das in Norwegen ab diesem Jahr eine Schule "Esport" als anerkanntes fach anbietet wo man 5 stunden die Woche die großen Esport titel spielen kann.

16. Januar 2016 - 22:46
Bild des Benutzers Mace
Mace
Core
Offline
20.01.2016 - 00:35
15.11.13
62

Trackmania lebt, Trackmainia forever, Trackmania for life!

Klasse, es gibts sie, die Liebhaber - auch unter den Bonjwas :)

17. Januar 2016 - 1:54
Bild des Benutzers MightyBone
MightyBone
Benutzer
Offline
27.01.2016 - 22:12
02.04.15
17

An sich ein recht netter Bericht der sich jedoch zu stark auf den 2ten Teil fokusiert.

Bei einer genaurer Betrachtung des Erstlings Trackmania Nations Forever / United - wäre dir sicherlich aufgefallen das Trackmania zur Blütezeit 2008-2011 relativ stark war im Bereich des Compentive Plays ESL Meisterschaften / Landesmeisterschaften z.B. Niedersachsen.

Allg. erfreute sich die Titelkombination einer Begeisterung im europäischen Raum.

Ich selber habe in einem Semi-Professionellen Team zu dieser Zeit gespielt in CUP's und Turnieren sowie der Schulmeisterschaft.

Trackmania hat/hatte 2 Arten von Compentivestrecken: Tech-Tracks und FS-Tracks desweiteren gibt's dann noch Crossovers FS/Tech-Tracks.

Tech Tracks waren darauf orentiert alles vom Fahrer abzuverlangen sie waren konzepiert die genaue Nutzung von Spielmechaniken zu fordern. Diese Tracks waren sozusagen die Meisterdisziplin für "Techniker".

FS Tracks waren Tracks die eine Balance aus Schnelligkeit - Eintrittswinkel - Airbreaks - Slides forderten sie waren vom Schwierigkeitsgrad deutlich einfacher gestrikt da sie in der Basis nicht so forderten.

Der Tod dieses Titel/Szene lag größtenteils an der Publisher/Serverübernahme und den sogenannten FreeZones welche die Spielzeit drastisch beschränkt haben (Nation Forever lebte vorallem durch die F2P Nutzer) und somit zu einem rapiden Abfall der Userzahlen geführt hat. Die FreeZones desweiteren haben außerdem dafür gesorgt dass das joinen von Privatserver ohne die Kaufversion United nicht möglich ist - Somit war die Teilnahme an Clanwars für nicht Besitzer der Kaufversion gestorben.

So zerbrach diese Einst sehr große Szene in Trümmer. Der Nachfolger konnte aufgrund technischer Veränderungen im Gameplay und der Tatsache das er die Mängel der FreeZones in einer anderen Form hat, die selbe Begeisterung bei vielen prof. Teams und Spielern nicht halten auch ein Sponsoring wurde deutlich schwerer da TM2 nicht die selbe Masse an User wie TMNF /TMNFU hat.

Mit freundlich Gruß

MightyBone

17. Januar 2016 - 16:24
Bild des Benutzers Nordsee
Nordsee
Core
Offline
04.05.2017 - 19:57
21.08.15
42

Ich hatte mir vor Ewigkeiten mal TMNF runtergeladen und ein wenig gespielt.

Es hat mich nicht gefesselt. Mir hat der direkte "Kampf" gefehlt. Hat halt was von Skispringen oder Leichatlethik. ich finde es spannender, wenn man später einen Gewinner hat.

Was auf jeden Fall gut gemacht ist, ist dass man die Rückmeldung bekommt wie gut man ist "besser als XX%". Das gibt natürlich Motivation und gleichzeitig positive Rückmeldung bei einer Verbesserung.

Mich fesselt allerdings ein Spiel wie "Rocket League" (um ein anderes gewaltfreies Spiel zu nennen) deutlich mehr, weil man hier immer einen klaren Gewinner hat. Das Ligasystem in "Rocket League" ist im Vergleich allerdings grottenschlecht (sofern man es als überhaupt vorhanden werten kann).

18. Januar 2016 - 19:44
Bild des Benutzers Samosis
Samosis
Benutzer
Offline
06.06.2017 - 19:02
06.01.14
18

@Phenexx Ich habe auch davon gehört, dass es eine Schule in Norwegen gibt, die "eSport" als Fach anbietet. Ich würde mir aber vor allem wünschen, dass es für besonders talentierte Spieler eigene Schulen gibt. Im Fußball und anderen Sportarten haben wir das ja schon, wo junge Menschen neben dem ganzen Training trotzdem noch ihren Abschluss machen können. Warum sollte nicht auch eSports-Talente von diesen Angeboten profitieren? Ich frage mich aber im Moment noch inwiefern die Schüler in Norwegen wirklich vom Fach profitieren anstatt "einfach nur zu zocken."