Twitch - Beyond Streaming

Twitch ist im rasanten Wandel. Erfahrt mehr über das größte Streaming Unternehmen im Gamingbereich.

Tina | Noxxey 19.05.15

Für viele von uns ist der Begriff "Twitch" kein Fremdwort mehr, denn knapp 100 Millionen einmalige Besucher zieht die Streaming-Plattform mittlerweile monatlich an. Doch wie kam es eigentlich zu Twitch und wie hat sich diese Seite entwickelt?

Der Twitchvorgänger: Own3d

Einige von Euch können sich vielleicht noch an das erste Livestreamingportal für Videospiele erinnern, genannt Own3d. Gegründet wurde Onw3d im Jahre 2009 und schon damals konnten wir den Pros beim Zocken über die Schultern schauen oder bei interessanten Turnieren mitfiebern.

Doch lange konnte sich das österreichische Start-Up Unternehmen nicht halten. Schlechtes Wirtschaften führte irgendwann dazu, dass Own3d den Streamern kein Geld mehr auszahlen konnte. Als dann im Jahr 2011 die Beta von Twitch erschien, wurde es nicht einfacher für die österreichische Streamingplattform und führte im Jahr 2013 dann zur endgültigen Schließung.

Trotz der Massen an Schulden, die Own3d noch heute hat, kann man rückblickend sagen, dass die Seite einen Grundstein in der Streaming-Industrie für Gamer legte. Denn plötzlich gab es auch einen Markt, der Interesse daran hatte, Noobs wie dich und mich anzuschauen.

Die Anfänge und Die Entwicklung von Twitch

Doch als Twitch noch in der Beta war, wechselten einige Progamer auf die neue Plattform. Dabei stellt sich jedoch die Frage, wie Twitch eigentlich entstand. Denn das Streamingportal für Videospiele entstand nicht über Nacht.

Angefangen hat alles mit der Seite Justin.tv. Dort konnte man sich einen kostenlosen Account erstellen und Videos via Livestreaming übertragen. Dies wurde aber nicht nur für Vlogs genutzt. Nach einiger Zeit gab es vermehrt Leute, die ihre Gamingsessions übertrugen und führte irgendwann sogar dazu, dass fast die Hälfte aller Justin.TV-Channels dem Gaming gewidmet waren. In dieser Form des Streamings sah Justin.tv potential und veröffentlichte somit im Sommer 2011 die Beta von Twitch.tv.

Wie bereits erwähnt wechselten viele Streamer schnell von Own3d zu Twitch. Fast 70.000 Viewer gleichzeitig generierte Twitch im Juli 2012. Was auf den ersten Blick viel wirkt, ist im Vergleich noch wenig. Mittlerweile finden fast 500.000 Viewer gleichzeitig zu Twitch. Auf gut deutsch: Jetzt gerade sitzen gerade knapp 500.000 Menschen vor einem elektronischen Gerät und verfolgen einen Twitch Stream.

Dies führte unter anderem dazu, dass Twitch seine Standorte erweiterte. Nun gibt es neben dem Headquarter in San Francisco auch Standorte in London oder New York. Seit April 2014 gibt es sogar einen deutschen Community Manager namens Simon Koschel, welcher sich auf der letzten GamesCom sogar Zeit nahm, um mit uns ein nettes Interview zu führen. Simon ist Ansprechpartner für die deutschen Streamer und hilft auch dabei, qualitativhochwertige Streamer zu promoten.

Von Skill zu Entertainment

Gerade Twitch und Own3d waren für ihre zahlreichen Progamer-Streams und ihre mit skill-bepackten Turniere bekannt. Doch auch schon damals kristallisierten sich heimlich und leise einige Entertainer raus. Eines der in Deutschland bekannten Beispiele ist natürlich HomerJ. Bekannt für seine lockere Art und seine lustigen Sprüche, machte HomerJ sich einen Namen in der deutschen Starcraft Szene.

Auch Day9 kennt mittlerweile fast jeder. Einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte er schon zu Brood War Zeiten als Progamer. In Starcraft II etablierte er sich jedoch hauptsächlich als Entertainer. Einige von euch erinnern sich sogar vielleicht noch an sein “Funday Monday”-Format. Dort konnten Spieler lustige Replays einsenden, welche Day9 jeden Montag kommentiert und veröffentlicht hat.

Somit schaffte der 28-Jährige Sean Plott es sogar in die “Top 30 Entertainer unter 30”-Liste des Forbes-Magazines und ist somit noch heute eine bekannte Starcraft-Persönlichkeit. Auf Grund der Tatsache, dass er sich mittlerweile eher auf andere Spiele fokussiert, freuen sich Fans heutzutage umso mehr, ihn an einem Casting-Tisch zu sehen.

Trotz der vorher genannten Beispiele waren erfolgreiche Entertainer damals eher unüblich. Gerade Spieler wie ForGG, die nicht einmal ihr Gameplay kommentieren, wurden auf Grund ihres Skills häufig angeklickt. Trotzdem entwickelt sich der Trend momentan immer weiter in Richtung Enter- und Edutainment. Auf gut deutsch: Unterhaltung und lustige Formate, bei denen man trotzdem etwas lernt.

Ich bin mir sicher, dass jedem von euch dafür ein bestimmtes Beispiel einfällt: Die Rocketbeans. Knapp 50.000 Viewer zogen die Jungs beim Start ihres 24/7 Livestreams auf ihren Channel und erfreuen sich noch immer an einem riesen Erfolg. Auch die Edutainment Formate wie “Call of Budi” oder “Straight to Gold” kamen mehr als gut an.

Natürlich bringen einige Trends auch immer ihre Nachteile mit sich. Gerade in unserer heutigen Gesellschaft wird Individualität immer wichtiger und irgendwie, möchte man sich auch von der Masse abheben. Denn wer nicht durch außergewöhnlichen Skill auffällt, muss dies halt irgendwie anders tun. Gerade unauffällige Persönlichkeiten möchten im Internet nicht untergehen und irgendwie auf sich aufmerksam machen. Dies geht nur leider meistens in eine andere Richtung, als man eigentlich möchte. Bekannte Beispiele dafür sind natürlich Brüste zeigen, in knappen Klamotten zu K-Pop tanzen oder einfach so viel Alkohol wie möglich kippen, um einfach lustig zu sein. Dass viele Streamer mittlerweile eine gewisse Vorbildfunktion haben, ist den Meisten nicht bewusst. Trotzdem gefällt es der Community und führt somit zu Massen an Spenden.

Womit wir wieder bei einem weiteren wichtigen Punkt wären: Spenden. Da Twitch eine kostenlose Seite ist, bekommen Leute auch (solange sie keine Partner sind) kein Geld für ihre Dienstleistung. Somit leben viele Streamer von Donations ihrer Zuschauer. Doch selbst wenn sie Partner sind, kriegen sie nur wenig Geld durch die Werbung und sind somit noch immer auf Spenden angewiesen. Da Twitch jedoch immer größer und größer wird, ist auch dies heutzutage kein Problem mehr und ermöglicht vielen Leuten ihren Traum zu leben: Für's Spielen bezahlt werden.

Amazon KAUFT TWITCH

Dass Twitch immer größer wird, bemerken jedoch auch andere Unternehmen. Im Februar 2014 brachte das Wallstreet Journal eine Statistik zum Internetgebrauch der Amerikaner raus und belegte somit den Erfolg der Streamingplattform. Denn diese liegt auf Platz 3 und ist somit noch vor Facebook oder Amazon. Dies kann jedoch daran liegen, dass Twitch einfach unglaublich viel Traffic zieht. Ich denke, jeder kennt das Problem, wenn das Datenvolumen aufgebraucht ist, aber gerade das Finale der IEM läuft.

Im Juni 2014 kamen die ersten Gerüchte über den Verkauf von Twitch auf. Angeblich wollte Google das Unternehmen kaufen, jedoch kam der Deal aus unbekannten Gründen nie zustande. Danach war es wieder eine Weile ruhig in der Twitch-Welt bis im August 2014 eine Übernahme offiziell wurde: Amazon kaufte Twitch für satte 970 Millionen Dollar. Doch damit hörte Twitch Wirtschaften nicht auf: Im Dezember kaufte das Unternehmen die GoodGame Agency, welcher unter anderem die eSport-Teams Evil Geniuses oder Alliance gehören.

Alternativen

Trotzdem darf man nicht vergessen, dass es in den Weiten des Internets auch Alternativen zum Streamingriesen-Twitch gibt. Gerade mit den AGB sind nicht immer alle zufrieden, was dazu führte, dass einige Streamer zum Konkurrenten Hitbox wechselten. Weitere Vorteile sind, dass man bei Hitbox schneller an eine Partnerschaft kommt und auch der Streamdelay geringer ist. Dazukommend gibt es auch eingebaute Votes und Rafflesysteme.

Eine weitere Alternative wäre die Streamingplattform Azubu, welche oft von asiatischen LoL-Streams benutzt wird.

Wie groß Twitch jedoch in der Zukunft wird, kann man nur mutmaßen.

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Autor: Tina | Noxxey

Mein Name ist Tina und falls Ihr diesen Text gerade lest, habt Ihr wahrscheinlich einen meiner alten Artikel rausgekramt. Seit 2014 war ich als Redakteurin und Head of Social Media bei Bonjwa tätig und habe das Team mit meiner quirligen Art bereichert. Mitte 2016 musste ich das Projekt jedoch schweren Herzens verlassen, um mit meinen kreativen Texten über computerspielende Jungs woanders mein veganes Bio-Mittagessen zu verdienen. Ansonsten bin ich ein riesen Star Wars-Fan und verbringe viel zu viel Zeit damit, meine Mahlzeiten über diverse soziale Netzwerke zu verbreiten.

19. Mai 2015 - 22:29
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Davellomon
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27.06.2016 - 19:08
15.11.13
84

Schöner informativer Artikel yes

21. Mai 2015 - 16:21
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ChrizMoh
Benutzer
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09.02.2017 - 21:05
07.04.15
21

Sehr aufschlussreicher Artikel, Noxxey. Wirklich gut. Freu mich auf alles Kommende von dir. Mach weiter so.smiley

21. Mai 2015 - 16:50
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MangokidTV
Benutzer
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21.05.2015 - 18:11
21.05.15
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Schöner Artikel!

Hätte aber gerne eine Mutmaßung von dir zum Wachstum gehört! ;) Twitch hat auch immer eine schöne Zusammenfassung zum Geschäftsjahr unter folgendem Link-Format: http://www.twitch.tv/year/2014

Meine Mutmaßung ist auf jeden Fall, dass wir gerade erst am Anfang stehen und uns noch ein riesiger Wachstum bevor steht. Gerade auch das Thema "Smart-TV" wird dem klassischen Fernsehen einiges an Kopfzerbrechen bereiten und viele neue Zuschauer zu Twitch bringen.

Ich freue mich drauf! :)