Überraschungs-Hit: Das Erfolgsrezept von Overwatch

Über 7 Millionen Spieler tummeln sich in Overwatch eineinhalb Wochen nach Release - und es werden immer mehr. Wie sieht die Formel für diesen überraschenden Erfolg aus?

Marco | TripleM 15.06.16

Die eingefleischten Blizzard-Fans mögen den Erfolg von Overwatch nicht als überraschend ansehen, doch große Teile der Gaming-Community hatten nicht erwartet, mit welcher Wucht dieses Spiel auf dem Markt einschlagen würde. In Südkorea holte sich Overwatch auf den umkämpften Internetcafé-Rankings in der Eröffnungswoche einen Anteil von satten 20% und stieg damit direkt auf Platz 2 ein - Tendenz steigend. Damit könnte das Spiel der erste Titel werden, der seit mehreren Jahren League of Legends von Rang 1 verdrängt (Update: Genau dies ist nun geschehen!). Kritiker, Tester und Mainstream-Medien weltweit überschütten das Spiel mit Lob.

Wir haben uns überlegt, welche Faktoren Overwatch zu solch einem Hit gemacht haben - manch andere Spiele mögen einige davon besitzen, doch Overwatch hat sie alle!

A) Der Blizzard-Faktor

Im ersten Punkt kann sich bestimmt jeder Blizzard-Fan wiederfinden. Viele mögen vielleicht gar keine Freunde des First Person Shooter-Genres sein, oder von Multiplayer Only-Spielen. Aber egal ob jemand Blizzard über World of WarCraft, StarCraft oder Diablo kennengelernt hat, man weiß, dass am Ende ein großartiges Spiel dabei rauskommt, wenn diese Firma sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Viele Fans aus anderen Blizzard-Marken probieren Overwatch einfach nur deswegen aus, weil es eine Blizzard-IP ist - also aus denselben kreativen Köpfen stammt, die vielen Menschen ihre Lieblingsspiele verdanken. Diese Stamm-Fanbase verhilft jedem von Blizzards Spielen zu einem guten Start. Eine Position, von der die meisten Entwickler nur träumen können. Sie ist das Ergebnis von Jahrzehnten guter Arbeit, eine verdiente Loyalität.

Dirol Die Qualität der Ausführung

Langjährige Fans mögen von den neuen WoW-Expansions oder kontroversen Entscheidungen in Diablo und StarCraft halten, was sie wollen, aber in Overwatch hat Blizzard gezeigt, dass es das typische Blizzard-Polishing immer noch drauf hat: Grafik und technische Performance des Spiels sind hervorragend, das User Interface ist aufgeräumt und zweckdienlich, die Animationen sind flüssig und der Art-Style des Spiels passt genau zur angestrebten Atmosphäre. Zusätzlich hat man mit dem Geschäftsmodell die richtige Wahl getroffen und das Paradigma "nur mit Free 2 Play kann man heutzutage Erfolg haben" über den Haufen geworfen: Jeder hat Zugang zu allen Gameplay-Elementen. Nur kosmetische Optionen können erworben - aber auch einfach erspielt - werden.

Von dem betriebenen Marketing-Aufwand, bzw. dem externen Worldbuilding durch Animationsfilme, Comics und Ingame-Voiceacting muss gar nicht groß gesprochen werden - diese Elemente können eigentlich nur als vorbildlich bezeichnet werden. Kaum eine Firma ist so gut darin, Hype zu erzeugen.

Mit der Nachricht, dass die PC- und Konsolen-Versionen von Overwatch separate Balance-Patches erhalten werden, sichert Blizzard allen Spielern den bestmöglichen Service für die jeweilige Plattform zu: Der PC-Version wird kein Handicap durch die fehlende Zielgenauigkeit von Controllern auferlegt und die Konsolen-Version kann so ergänzt werden, dass alle Helden auch mit Controllern effektiv einsetzbar sind.

C) Der einfache Zugang für Alle

Egal ob auf dem PC oder auf der Konsole gespielt wird, egal ob man langjähriger Hardcore-Gamer oder Gelegenheits-Zocker ist - Overwatch ist allen offen. Die Spielmodi sind einfach gestrickt, sodass jeder weiß worum es geht. Dies wird vom User Interface gestützt, welches klar und deutlich die Ziele der einzelnen Modi darstellt und den Spieler an die Hand nimmt. Niemand kann sich in Overwatch irgendwo verirren, sondern wird dorthin geführt, wo die Action stattfindet.

D) Die Prävention von Toxischem Verhalten

Multiplayer Only-Spiele - gerade im FPS-Genre und auf Konsolen - sind oft nicht gerade freundliche Umgebungen, wenn man nicht darauf vorbereitet ist, sich von 13-Jährigen unbequeme Sätze über die eigene Mutter anhören zu müssen. Kommunikation vollkommen zu unterbinden ist allerdings auch keine Lösung, denn es handelt sich natürlich um ein Mannschaftsspiel, bei dem Kommunikation ein festes und entscheidendes Spiel-Element ist. Blizzard hat hier einen guten Weg gefunden: Voice-Chat ist möglich, aber leicht blockierbar. Cheatern und Hackern wird außerdem ein harter Kampf angesagt - Berichten zufolge sollen einige schwarze Schafe bereits beim ersten Verstoß mit permanenten Bans belegt worden sein.

Zusätzlich gibt es am Ende keine vollen Scoreboards. Die sowieso oft nichtssagende Abschuss/Tod-Rate prangt nicht prominent nach jedem Spiel auf jedermanns Bildschirm, sodass man sich weder an der eigenen Wertung aufgeilen, noch die Niederlage auf die Spieler mit schlechten Stats schieben kann. Stattdessen werden die guten Beiträge jedes Teilnehmers ins Rampenlicht gestellt: Das "Play of the Game" hebt einen Spieler besonders hervor, die Statistiken geben auch Heilern oder Ziel-fokussierten Spielern Raum für Anerkennung. Dies ist besonders wichtig für den letzten Bestandteil der Erfolgsformel und scheint eine Lektion von Blizzards vorherigem Titel Heroes of the Storm zu sein, welcher ein ähnliches Konzept aufweist.

E) Die Diversität der Spielweisen

Denn auch nicht besonders gute Shooter-Spieler, die mit Helden wie Soldier 76 und Hanzo keinen großen Erfolg haben, können genügend andere Rollen übernehmen: Sie können ihr Team heilen und unterstützen, können das Feuer auf sich ziehen, oder sich darauf konzentrieren, die Ziele der Spielmodi zu erfüllen. Am Ende erhalten all diese Aktivitäten dieselbe Anerkennung wie die Treffsicherheit eines guten Schützen. So ermutigt man die Spieler, diverse Rollen zu erfüllen und zu verhindern, dass ganze Teams nur aus demselben Helden bestehen. Diese Diversität ist ein zentrales Element von Overwatch, ohne welches das Spiel nicht funktionieren könnte.

Eine große, aktive Spielerbasis ist damit auch in Zukunft zu erwarten. Das Fundament, auf dem die Overwatch-Community sich angesiedelt hat, sieht solide aus. Es ist zu erwarten, dass Blizzard ähnlich wie in Hearthstone und Heroes of the Storm den eSport-Aspekt des Spiels in die eigene Hand nehmen und Wettbewerbe fördern wird. Sicherlich wird es interessant werden zu sehen, was die Mischung aus FPS-Neuzugängen und alten Veteranen - zum Beispiel aus Team Fortress 2 - mit dem Spiel anstellen können und welche Tiefe Blizzards neue IP tatsächlich hergibt. Diese Frage kann nur mit der Zeit beantwortet werden: Blizzard hat zum Start jedoch alles richtig gemacht. Das Werkzeug liegt nun in den Händen der Spieler.

Habt Ihr Euch Overwatch bereits geholt? Was gefällt Euch am besten daran?

Bilder: Blizzard Entertainment

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Autor: Marco | TripleM

Mein Name ist Marco, ich bin Student und mittlerweile seit fünf Jahren in der Esport-Szene als Schreiberling aktiv. Mein "Fachgebiet" ist StarCraft (2), und hier vor allem die glorreiche Szene in Südkorea. Ansonsten bin ich sehr großer Fan von anderen Strategiespielen, egal ob in Echtzeit oder Runden. eSport-technisch bin ich außerdem in Dota 2 aktiv.

Darf ich eigentlich meinen Twitter-Account hier pluggen?

16. Juni 2016 - 13:35
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Lorgi
Core
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05.01.2019 - 22:57
26.04.16
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Ich habe ja erst stark gehadert (wie im anderen Post zur OW-Beta zu sehen) ob des fehlenden Single-Players. Aber irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten. Ich bin seit 20 Jahren Blizzards Spielen erlegen. Deshalb musste ich auch schon bei Punkt A) schmunzeln, weil ich mich direkt darin wiedergefunden habe.

Generell kann ich auch jedem der Punkte zustimmen. Insbesondere die Tatsache, dass Blizzard Wert darauf legt, dass die Grafik zwar hübsch ist, aber nicht photorealistisch sein muss, ist immer wieder super, weil dadurch die Spiele auch auf schwächeren Systemen laufen (und böse Zungen behaupten, sie würden dies nur so machen, damit sich mehr Leute das Spiel kaufen :( ). Ich finde außerdem die Design-Entscheidung klasse, dass man ingame die Helden wechseln kann und daher von Anfang an alle verfügbar sind.

Zum Gameplay selbst: Viel Teamplay aber auch sehr viel individueller Skill. Alles Teamplay der Welt bringt nichts, wenn man jeden Manfight verliert. Andersherum aber genauso. Wenn man haufenweise Gegner abräumt, aber nicht zum Objective geht verliert man auch. Bei LoL oder DotA passieren Autohits automatisch, da gibt es nichts zu können, außer einmal rechtsklicken. Bei Shootern muss man schon treffen, dodgen usw.

Eine Anekdote: Wir rücken ganz souverän als Team zum Payload vor (Supp, Tank, DD, alles da). Aber dann kam ein Genji im Gegnerteam, der in der Lage war, jeden einzelnen Teammate praktisch im Alleingang auszuschalten und keiner hat es hinbekommen in zu killen. Soetwas ist schon sehr frustrierend, da ein "Carry" oder "Damage Dealer" nicht wie bei DotA oder so vom farmen abhängig ist. Er ist von Anfang an so stark, wie der Spieler ihn spielen kann. Das ist natürlich irgendwann eine Sache des Matchmakings. Man sollte nur mit denen gematcht werden, die ungefähr denselben Skill haben wie man selbst. Aber dennoch bleibt ja die Frage, wer mit welchem Helden wie gut ist, und wie gut dieser Held ins Setup passt usw.

Alles in allem hat mich das Spiel aber sehr überrascht, weil das Konzept mit dem fließenden Wechsel der Helden einfach sehr gut aufgeht. Jeder Held hat so seine Nische, die er ausfüllt (außer Soldier 76, der ist irgendwie einfach da und schießt und heilt und schießt und aimbottet :P). Und diese Dynamik bietet glaube ich sehr viel Potential für Pros Strategien und Konterstrategien zu entwerfen und diese ineinander übergehen zu lassen. Ich bin sehr sehr gespannt auf OW-E-Sport-Events.

20. Juni 2016 - 16:57
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Frostl
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02.11.2017 - 12:34
15.11.13
61

OW hat für mich ein riesen Problem das man einfach viel zu abhängig von seinem Team ist. Viel zu oft kommt man in ein game, wo keiner Lust hat support und/oder Tank zu spielen. Dann hat man entweder die Wahl sich selber zu opfern und zu hoffen, das dein Team wenigstens die Heroes spielen können, die sie statdessen gepickt haben, ODER man verzichtet einfach darauf und muss sich dann ohne anständiges Team durch die Runde quälen. Am Ende hat man bei beiden optionen nicht wirklich Spaß.

20. Juni 2016 - 20:33
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Lorgi
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05.01.2019 - 22:57
26.04.16
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Dann hat man entweder die Wahl sich selber zu opfern

Ja, die Krankheit, dass alle die Damage-Rotzer spielen wollen :D Das Problem hat man ja bei DotA auch wenn alle Carries picken, weil sie die mit den dicken Kill-Zahlen sein wollen.

Ich bin gerne Support oder Tank, deshalb hab ich das Problem nie. :) Aber dass man abhängig vom Team ist, ist ja Sinn der Sache. Ist halt ein Teamspiel, das man am besten mit Premades spielt.

24. Juni 2016 - 0:09
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Skipp
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14.01.2018 - 11:54
30.08.15
2

Ja ich denke auch dieses Problem wird sich legen sobald competetive raus ist. Weil der Grund das jeder nur DD spielt ist, dass der Wunsch nach fun einfach über dem Wunsch nach Sieg steht. Quick play ist halt nur der fun/normal modus.

Sobald es richtig aufs gewinnen ankommt bzw man mit premates spielt offenbart sich da eine ganz andere und für mich auch unglaublich attraktive Seite von Overwatch :)

28. Juni 2016 - 9:26
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Ghibli
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29.04.2018 - 23:11
14.11.14
10

Overwatch ist genial.

Mehr kann und will ich dazu nicht sagen. ^^

Würde mich sehr über eine Overwatch Rubrik bei Bonjwa freuen ;-)

MfG Ghibli