Uni Bayreuth featuring eSport

Die Universität Bayreuth treibt seit neustem den eSport in Deutschland vorran - und hat dabei große Visionen!

Jakob | bermuda 18.06.15

Ein Jahr ist es nun her, dass unser Niklas bei der Podiumsdiskussion zum Thema eSport an der Universität Bayreuth auf recht viel Kritik gestoßen ist - positive, wie auch negative. Seitdem hat sich dort einiges getan. Heute wird eSport dank des Engagements einiger Studenten als Unisport angeboten. Bayreuth ist damit die erste Universität in Deutschland, die den eSport aktiv voran treibt. Regelmäßige Trainingseinheiten für die gängigen Titel auf professionellem Niveau - Ein Projekt von Studenten, für Studenten. Wie sich das Ganze entwickelt hat und wie so ein Training in Bayreuth abläuft, erfahrt ihr hier.

Von der Idee zum Unisport

Die Grundidee hatte Cyrus Mobasheri, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur für Digitale Medien. Alle 14 Tage finden bei dem Medienwissenschaftler gemeinsame Spieleabende statt. Als ein Counter-Strike-Abend besonders gut besucht wurde, entschied sich Cyrus das Ganze weiter zu verfolgen. Im Sommer 2014 suchte er sich einige interessierte Studenten und organisierte den Aufbau von eSport an der Universität. Sie starteten mit League of Legends als Pilotprojekt.

Da das Konzept unter dem Studiengang Medienwissenschaften läuft, war es kein Problem, das Vorhaben durchzusetzen. Hier unterrichten viele gamingaffine Professoren; der Kurs "Spieleklassiker" wird hier beispielsweise angeboten. Ab dem nächsten Wintersemester kann man sich dort übrigens für den Master-Studiengang "Computerspielewissenschaften" einschreiben. Und bereits heute werden Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten zum Thema eSport und Gaming vergeben. Das zeigt, wie offen die Universität Bayreuth gegenüber dem Medium Computerspiele ist.

Zurück zum eSport-Projekt: Heute koordiniert ein 15-köpfiges Organisationsteam den reibungslosen Ablauf im Hintergrund. Dazu gehören unter Anderem feste Coaches für die einzelnen Spiele. Tanya Peterson leitet die Organisation. Sie studiert Medienwissenschaften im vierten Semester und sorgt dafür, dass die Kommunikation zwischen den Teammitgliedern so flüssig wie möglich verläuft.

Das konzept

Im Moment werden erst einmal die klassischen eSport-Titel angeboten. League of Legends gibt es bereits seit 2014 und in diesem Jahr wurden außerdem CS:GO, Dota 2 und Starcraft II dem Angebot hinzugefügt. Zudem befinden sich Hearthstone und Super Smash Bros in der Planungsphase und sollen ab dem Wintersemester 2015 zusätzlich zur Auswahl stehen. Insgesamt nehmen rund 40 Studierende am wöchentlichen Training teil. League of Legends wird dabei mit knapp 20 Teilnehmern am besten besucht. Prinzipiell kann jeder teilnehmen, Vorkenntnisse werden nicht benötigt. Das Training wird dann auf das Skillniveau des einzelnen Spielers angepasst. Zu festen Trainingszeiten wird jeweils einmal wöchentlich in den Computerräumen der Universität trainiert.
Der Studiengang Medienwissenschaften ist zwar bereits mit gamingfähigen Rechnern ausgestattet, jedoch sind die eSportler im Moment auf der Suche nach offiziellen Sponsoren.

Zehn der 20 LoL Spieler sind bereits in "Pro-Teams" eingeteilt. Sie trainieren in festen Teamkonstellationen und nehmen, ausgestattet mit eigenen Teamshirts, regelmäßig an Turnieren teil. Um die Professionalisierung weiter voran zu treiben, werden im Moment die ersten Verträge für die Pro-Teams aufgestellt. „Die Verträge regeln dann beispielsweise die Turnier- und Trainingsteilnahme, regelkonformes Verhalten und andere Dinge, die wir einfach schriftlich festhalten möchten", erklärt Organisatorin Tanya. Gerade hier zeigt sich, wie ernst es die Bayreuther mit dem Projekt meinen.

Das Training

Benni Förster studiert Medienwissenschaften im zweiten Semester. Er organisierte den Aufbau des Starcraft II-Teams und ist verantwortlich für dessen Training. Doch hier wird nicht einfach nur gezockt. Mentales Coaching und Replay-Analyse machen die Hälfte jeder Trainingseinheit aus.
Das läuft dann in etwa so ab: Zunächst vermittelt Benni den Spielern Techniken, wie sie in Stresssituationen die Konzentration behalten. Auch wie sie mit dem Frust einer Niederlage umgehen können, wird hier besprochen. Danach werden Taktiken besprochen und Replays analysiert. Es wird über die Stärken und Schwächen der Spieler gesprochen. Dann wird gespielt; meist zwei der Trainingsteilnehmer gegeneinander. „Ich lasse sie dann erstmal spielen und mische mich so wenig wie möglich ein", erklärt Benni. Denn zum Abschluss des Trainings sollen sich die Kontrahenten über das Spiel austauschen. Dieser Teil des Trainings ist dem Coach besonders wichtig. „Für die Spieler ist es am wichtigsten, sich über ihre Spiele auszutauschen. Damit kann man die meisten Erfahrungen sammeln und so vom Feedback des Anderen lernen".

LoL-Coach Alexander Hermann geht das Training ähnlich an. Auch hier spielt sportpsychologisches Coaching eine große Rolle. Entspannungstechniken, Stärkung des Selbstbewusstseins und Zielsetzung stehen neben den Trainingsspielen auf dem Plan. Da LoL eine Mannschaftsdisziplin ist, wird hier auch Teambildung vermittelt. Alexander spricht von "Bonding". Durch gemeinsame Freizeitaktivitäten, wie beispielsweise gemeinsames Grillen, wird das Gruppenklima gestärkt, denn die Studenten sollen sich auch im echten Leben gut verstehen.

SC II-Coach Benni macht eines klar: „Wir nehmen das Training nicht als Ausrede, um einfach nur in der Uni zu zocken. Wir möchten es so professionell wie möglich gestalten."

Zukunftsvisionen

Benni hat ein klares Ziel vor Augen: Unter dem Banner der Uni Bayreuth sollen die Teams erfolgreich an Turnieren teilnehmen. Die Spieler können sich weiterentwickeln und die Uni Bayreuth soll auch über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt werden.
„Heute steckt das Projekt noch in den Kinderschuhen, doch in einem Jahr wird alles viel routinierter und flüssiger ablaufen. Die Coaches und Organisatoren gehen schließlich mit Herzblut an die Sache ran." Da ist sich der Starcraft II-Trainer sicher.

In Zukunft soll eine solide Struktur für den eSport an der Universität Bayreuth geschaffen werden. „Ein strukturiertes Management ist unabdingbar für den Erfolg des Projekts. Wir wollen zudem ein Umfeld für die Spieler schaffen, in dem sie sich wohlfühlen und verbessern können." Das ist Tanya besonders wichtig. Auf lange Sicht möchten die Bayreuther ein Hochschul-Ligasystem schaffen, das den Spielern noch mehr Möglichkeiten eröffnet. Dabei stehen sie bereits mit anderen Hochschulen in Kontakt und helfen ihnen dabei, auch dort den eSport zu etablieren. Des Weiteren möchten sie in einem Jahr in allen gängigen eSport-Disziplinen uni-eigene Teams aufgestellt haben, mit denen sie regelmäßig und erfolgreich an Turnieren teilnehmen.
Die eSportler in Bayreuth sind in jedem Fall auf dem besten Weg dorthin.

Weitere Infos zum Thema findet ihr auf Facebook sowie auf der Internetseite des Projekts.

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Autor: Jakob | bermuda

Jakob. Vasall der Redaktions-Fraktion seit etwas über einem Jahr. Abseits von Bonjwa bin ich Technikjournalismus & PR-Student im fünften Semester, Kletterfreund und Hearthstone-Mastermind. Die eSport-Szene verfolge ich seit 2010 und in Zukunft versorge ich euch mit allem, was mir zur Gamingwelt durch den Kopf geht.

19. Juni 2015 - 0:59
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Hynuga
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08.06.2017 - 11:50
01.03.15
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WoW ... das hätte ich ja nun nicht so schnell vermutet * Hut ab ^^

19. Juni 2015 - 6:48
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Kamui
Core
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06.04.2018 - 03:17
19.03.15
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Da hat die Podiumsdiskussion ja doch zum umdenken bewegt und etwas ins Rollen gebracht. Sehr gut :)
19. Juni 2015 - 9:13
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TerenZ
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13.05.2016 - 20:22
20.11.13
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Die Podiumsdiskusion war damals sehr interessant, und da hat Niklas den Stein echt zum Rollen gebracht. Wird Zeit den Asiaten Konkurrenz zu machen!

Erstmal bis zum. 15 Juli einschreiben :D

19. Juni 2015 - 16:22
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Nrgy
Core
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16.03.2017 - 13:35
15.11.13
818

Wäre ich ein Paar jahre jünger würde ich sowas wirklich versuchen. Aber ich denke Studium allgemein kann ich mir nicht mehr leisten. Daher hoffe ich, das in Zukunft meine Söhne sowas in betracht ziehen können :P :D Die Idee find ich nämlich richtig super. :) Nur mache ich mir etwas gedanken was danach sein könnte. Ich meine, ich kenne diesen Studiengang nicht. Wenn zwischen zocken noch viel Zeit für Theorie bleibt, sehe ich das ganze noch als Chance. Allerdings ist es bestimmt nicht leicht, danach in die Welt damit zu gehen. Aber wie gesagt: ich weis nicht, wie gefragt Medien oder Computerwissenschaften grad in Deutschland sind.

LG

23. Juni 2015 - 16:47
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Faulancer
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21.11.2017 - 15:19
06.06.15
34

Medien- und Computerwissenschaften sind generell ganz gut gefragt. So hab ich jedenfalls das Gefühl... Das Feld ist ziemlich breit gefächert und zukunftsorientiert. Auf jeden Fall ein Schritt in eine gute und mutige Richtung, den die Uni Bayreuth da geht.

27. Juni 2015 - 14:43
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Chaffynator
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09.07.2018 - 20:18
02.12.14
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Toller Bericht ! :) Danke

Bin ja schon ein bisschen Stolz ein Bayreuther zu sein, sonst ist dort immer alles so Bleistiftspitzer mäßig angehaucht dort!

Das ist schon eine kleine Revolution dort xD