Welt des eSports: "Cheater"

Immer diese Betrüger...

Jakob | bermuda 17.10.14

Definition "Cheater"

Cheater, der

Wortart: Substantiv, maskulin

Herkunft: Cheat (vom englischen Verb "to cheat (somebody)" = "(jemanden) betrügen/hintergehen)

Bedeutung: Begriffsbezeichnung für eine Person in einem Computerspiel, die durch eine externe Software, einen Programmfehler oder eine betimmte Tastenkombination einen Vorteil erlangt.

Lautschrift: [ˈtʃi:təʳ]

Grammatik: Singular = "Der Cheater"; Plural = "Die Cheater"; Genetiv = "Des Cheaters" ; Verb = "cheaten"

Beispielsätze: "Diese Cheater gehen mir auf die Nerven."; "Bermuda cheatet bestimmt!"; "Cheaten ist auf den meisten Servern verboten"

Allgemeines

Mit dem Wettkampf geht zwangsläufig der Betrug einher: Beim Kartenspiel wird dem Nachbarn heimlich in die Karten geschaut, bei Brettspielen werden spontan neue Regeln erfunden und beim Zocken cheated man eben. Cheats gibt es seit Anbeginn des Computerspielezeitalters in allen erdenklichen Variationen. Vom Cheatmodul “Gameshark” für den guten, alten Nintendo64 über rosebud bei den Sims bis hin zum perfekt programmierten Aimbot für diverse Egoshooter. Neben dem bekannten Gerücht, Cheater seien oft mit einem extrem kleinen Gemächt ausgestattet, gibt es jedoch Unterschiede, die es zu beachten gibt.

Problematik

Wenn wir mal ehrlich sind, ist jeder leidenschaftliche Zocker schon einmal damit in Berührung gekommen - oder zumindest einem Cheater zum Opfer gefallen. Und genau hier liegt das Problem: Cheats sind heutzutage nicht mehr aus der Welt der Games wegzudenken. In Offline- oder Singleplayerspielen ist das auch gar nicht so tragisch: Hier ist jeder Spieler für sich alleine und kann mit seinem Spiel machen was er möchte. Ein kleiner Cheat hier und da kann sogar helfen, wenn man von einer besonders schweißtreibenden Passage in die Knie gezwungen wird. Dann wird der schwarzhaarigen, Pistolen tragenden Grabräuberin (nennen wir Sie einfach mal “Lara”) mal eben doppelte Sprungkraft verpasst und schon kann es weiter gehen. Ganz anders sieht es jedoch in Online- und Multiplayertiteln aus. Hier sind Cheater ungefähr so gerne gesehen wie die allseits Gurkenscheibe auf dem Cheeseburger. Sie finden immer wieder einen Weg, um die anderen Spieler mit ihren ominösen Aimbots und Wallhacks in eine Horde wütender Flamer zu verwandeln. Trotzdem ergeht es den Betrügern ähnlich wie den Gürkchen: Sie werden immer häufiger entdeckt und gnadenlos vom Server entfernt.

Wirklich problematisch wird das aber vor allem im eSport. Wenn es beispielsweise in einem Turnier um Preisgelder geht, ist Cheaten absolut inakzeptabel. Hier könnte man es mit dem Doping aus klassischen Sportarten vergleichen. In beiden Fällen verschafft sich der Sportler einen unfairen Vorteil gegenüber seinen Gegnern. In Offline-Turnieren ist das an sich auch kein Problem, da sich die Kontrahenten auf einer Bühne gegenüber sitzen. Anders sieht es da in reinen Online-Turnieren aus. Da die Spieler von zu Hause aus teilnehmen können, ist ein Cheater meist nur durch auffälliges Spielverhalten auszumachen. Wird das Turnier via Livestream übertragen, ist außerdem das so genannte Streamcheaten möglich. Der Spieler kann den Stream bespielsweise auf einem zweiten Monitor laufen lassen, um sich so Informationen über gegnerische Strategien und Bewegungen zu beschaffen. Da in den meisten Turnierübertragungen mittlerweile jedoch ein sogenannter Delay, also eine Verzögerung von meist mehreren Minuten eingestellt ist, werden die Informationen für den Cheater größtenteils unbrauchbar.

Bedeutungsumfeld

Doch neben dem Streamcheaten gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, mit denen die Cheater ihr kleines Gemächt kompensieren können. Um den besser bestückten unter uns einen kleinen Einblick zu verschaffen, gibt es hier eine kurze Auflistung verschiedener Arten von Cheats.

Grafikhacks:

Hier kann man gleich mehrere der klassischen Cheatmethoden einordnen.
Der Wallhack beispielsweise ist aus aus diversen Egoshootern bekannt. Er verleiht dem Nutzer Supermans Röntgenblick und lässt Wände oder andere Hindernisse transparent erscheinen, sodass es für den Cheater möglich wird, andere Spieler zu sehen.
Auch der Maphack ist, gerade im RTS-Genre, recht verbreitet. Durch ein kleines Programm wird die komplette Minimap sichtbar und gegnerische Gebäude und Truppenbewegungen können gesehen werden.

Bugusing:

Ein so genannter Bug ist ein umgansprachliches Wort für einen einprogrammierten Fehler im Spiel. Ein Bug wird meist zufällig von den Spielern entdeckt. Durch das Ausnutzen dieser Programmfehler, also durch "Bugusing" oder "Bugabusing", können Spieler dann Aktionen im Spiel ausführen, die vom Entwickler nicht vorgesehen sind.

Bots:

Bot ist die Abkürzung des englischen Wortes Robot und beschreibt ein Programm, welches entweder komplett eigenständig arbeitet oder dem Spieler die Arbeit für bestimmte Aufgaben abnimmt. Der wohl bekannteste Vertreter dieser Art der Cheats ist der allseits gehasste Aimbot. Dieser Wunderknabe übernimmt das Zielen in diversen First-Person-Shootern und treibt täglich unzählige seiner Opfer zur Weißglut. Insbesondere in RPGs gibt es darüber hinaus den sog. "Farmbot", welcher durch konstantes und automatisiertes Cleanen von bestimmten Gebieten, dem jeweiligen Spieler Gold oder seltene Gegenstände erfarmt.

Absichtlich eingebaute Cheats:

Oft kommt es vor, dass Entwickler ganz bewusst Cheatmöglichkeiten in ihre Spiele einbauen. Das wird getan, da interne Tester nicht immer 70 Stunden Zeit haben, um beispielsweise das neue Fallout zu testen. Auch Redakteure, die ein Spiel durchspielen müssen um ein Review zu schreiben, können davon profitieren.

Bedeutung für den eSport

Wie schon im oberen Teil angesprochen, sind Cheater gerade im Wettkampf orientierten Umfeld des eSport ein riesiges Problem. Erst im Juni diesen Jahres kam es zu einem "Skandal" beim Hearthstone-Finale der DreamHack Summer in Jönköping, Schweden. Der Spieler Radu "RDU" Dima gewann das Turnier und damit das Preisgeld in Höhe von 10.000$. Während dem zweiten Spiel der Finalrunde bekam er jedoch von einem Freund eine helfende Ingame-Nachricht - Sichtbar für Kommentatoren und Zuschauer. Trotzdem wurde ihm das Preisgeld nicht aberkannt. Obwohl in diesem Fall keine der "klassischen" Cheatmethoden angewendet wurde, sieht man, dass der Betrug im eSport scheinbar eine Rolle spielt und man sich damit auseinander setzten sollte. Dass man selbst während eines laufenden Turniers von einem Instantban nicht sicher ist, zeigt der jüngste Fall in der CS:GO-Szene. In der Gruppenphase der Fragbite Masters erscheint im Ingamechat plötzlich eine Nachricht, dass der Spieler Joel "emilio" Mako gebannt wurde, und zwar mitten in der Partie. Es handelte sich um einen so genannten "VAC Ban", also den automatisierten Ban des Valve Anti Cheat (VAC) Systems. Das Spiel wurde daraufhin abgebrochen und Mako samt seines Team Property bis auf weiteres aus der Liga suspendiert.

Das also ist Valves Umgang mit Cheatern - Instantban vom Server. Auch für die Zukunft bleibt der Bann bestehen und wird sogar im Profil des Schuldigen vermerkt. Dadurch bleibt es ihm auch beispielsweise verwehrt, auf VAC-gesicherten Servern zu spielen. Auch die Electronic Sports League (ESL) hat sich etwas einfallen lassen. Da dort gerade der CS:GO Bereich keine cheaterfreie Zone ist, sind die Spieler aller Ligen verpflichtet, das "ESL Wire Anti-Cheat-Tool" zu benutzten. Dieses Tool ist in der Lage, potenziell verdächtige Software zu erkennen und sofort zu melden. Also eine automatisierte Dopingkontrolle und ein guter Schritt in die richtige Richtung. Außerdem ist die "International e-Sport Federation" als erster eSport-Verband ein Mitglied der World Anti-Doping Agency, also des weltweiten Anti-Doping-Verbandes. Trotzdem lösen all diese Dinge das Problem nicht vollständig. Und um ehrlich zu sein, wird es das einzig wahre Rezept gegen Cheater auch niemals geben. Es ist die gleiche Geschichte wie mit den Hydras: Tötet man eine, nehmen sofort zwei neue ihren Platz ein. Wird ein Cheater gebannt, erwischt dich der nächste Aimbot.
Man kann also nur hoffen, dass die bösen Buben - wenigstens im Multiplayer - irgendwann oft genug selbst einem anderem Cheater zum Opfer fallen um es einzusehen: Cheaten ist böse, und man sollte erst gar nicht damit anfangen! Ob wir das noch erleben dürfen?

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Autor: Jakob | bermuda

Jakob. Vasall der Redaktions-Fraktion seit etwas über einem Jahr. Abseits von Bonjwa bin ich Technikjournalismus & PR-Student im fünften Semester, Kletterfreund und Hearthstone-Mastermind. Die eSport-Szene verfolge ich seit 2010 und in Zukunft versorge ich euch mit allem, was mir zur Gamingwelt durch den Kopf geht.

17. Oktober 2014 - 23:00
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Ekkman
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23.10.2016 - 22:46
13.12.13
35

Hehe, coole Beispielsätze. Du alter Redakteurs-Cheater! Was hast du genutzt? Wordaim2014? Excelhack?

Aber zurück zum Thema: Toller Artikel! Super Content! Danke für die Mühe!

Es wäre schön, wenn es noch ein paar Beispielvideos aus der SC2-Welt gäbe. Ich erinnere mich da an ein Spiel von... öhm Grubby war es glaube ich, lege meine Hand aber nicht ins Feuer, der gegen einen Cheater gespielt hat - und gewonnen hat: https://www.youtube.com/watch?v=Knt1mpHVu0g

Gibts da nicht mehr? Vielleicht gibt es ja noch ein paar User die das wissen, dass könnte man dann noch einfügen in den Artikel.

17. Oktober 2014 - 23:23
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Cranium
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29.10.2017 - 08:59
15.11.13
205

Ich erinnere mich da an das Match von Seth gegen einen Streamcheater : https://www.youtube.com/watch?v=uAHsFz1srGE

18. Oktober 2014 - 18:07
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Tschjo
Core
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21.08.2017 - 02:37
28.12.13
62

Ich mag aber die Gurke auf dem Cheeseburger :D

19. Oktober 2014 - 15:11
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bermuda
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06.12.2017 - 17:25
16.11.13
30

Tschjo, da bist du warscheinlich der einzige :P

Freut mich, dass es euch gefällt!

19. Oktober 2014 - 22:40
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Mamba
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04.05.2016 - 16:36
03.08.14
239

Ich finde nicht das Bugusing unter cheaten fällt.

Natürlich kommt es immer ein bisschen aufs Spiel draufan, aber normalerweise ist Bugusing komplett normal (sofern Bugs existieren).

In SC BW war es gang und gäbe Bugs zu exploiten.

21. Oktober 2014 - 16:38
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bermuda
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06.12.2017 - 17:25
16.11.13
30

Durch bugusing verschafft man sich doch genau so einen Vorteil, wie mit allen anderen cheat Methoden. Nur weil es in manchen spielen alle machen, heißt das ja nicht, dass es okay ist. Das selbe Thema wie beim Doping. In manchen Sportarten Gang und gebe aber trotzdem fällt es unter Betrug.

Also meiner Meinung nach :)

21. Oktober 2014 - 17:20
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WaWu
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27.06.2018 - 12:52
15.11.13
131

Bugabusing ist beispielsweise bei MMORPGS teilweise strengstens untersagt :)

23. Oktober 2014 - 9:08
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SoneSC
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24.10.2014 - 09:42
23.10.14
1

Bugusing ist in manchen E-Sports Titeln normal (z.B. Smash Melee, Halo 2) und ohne diese Fehler in den Spielen hätten sie nicht so eine Tiefe.