Welt des eSports: "Flamer"

Flamer! Wer? Wie? Was? Alles dazu hier in diesem Artikel.

Zero 22.06.14

Definition:

Flamer, der

Wortart: Substantiv, maskulin

Gebrauchsfelder: (Diskussionen im Internet oder unter aufgeheizten Gemütern im realen Leben)

Bedeutung: Begriffsbezeichnung für eine Person in einem Computerspiel, die gehäuft hitzige, unnötige, beleidigende o.ä.. Kommentare in einem Diskurs verwendet

Lautschrift: ['fleɪmɚ]

Herkunft: Flame (vom englischen Substantiv flame = "Flamme"; vom englischen Verb to flame = "aufflammen/lodern")

Grammatik: "Der Flamer"; Genetiv = "Des Flamers"; Plural = "Die Flamer" ; Adjektiv = "flamig"; Verb = "flamen"

Beispielsätze: "Wer flamed hier schon wieder so rum?"; „Könnte nicht jemand diesen Flamer bannen!; "Da flamed mir doch einer nen Storch

Allgemeines:

Es ist schnell passiert: Das Spiel läuft schlecht, man verliert zum zehnten Mal hintereinander gegen einen 4-Gater oder Mama hat heute für die Schule einfach mal wieder kein Pausenbrot gemacht. Es gibt tausend Gründe, wie aus einem sanftmütigen Lamm Hades höchst persönlich werden kann. Dieser, häufig mit Frust verbundene Umstand, äußert sich schließlich im Phänomen des Flamers. Der Flamer beginnt wild rumzupöbeln, versucht seine Verantwortung für etwaiges Fehlverhalten anderen in die Schuhe zu schieben oder schimpft bis ihm Mundwerk oder Finger bluten.

Problematik:

Der durchschnittliche Flamer ist zunächst nicht als solcher zu erkennen. Er oder sie kann sich also hinter jedem Gesicht oder Monitor verstecken. Anfangs eventuell sogar noch freundlich oder zurückhaltend, kann durch die bereits beschriebenen Beispiele die Unterhaltung eine dramatische Wendung nehmen. Admins, Mods und auch andere administrative Institutionen kennen dieses Problem unter dem Fachbegriff der „invisible flame“, also der unsichtbaren Flamme. Diese Bezeichnung verdeutlicht auch den potenziellen Charakter, der jedem Flamer innewohnt. Doch nicht nur Flamer sind im Besitz der unsichtbaren Flamme, sondern ebenso jeder von uns. Das Hauptproblem des Flamens ist also nicht nur die lodernde Flamme an sich, sondern insbesondere die Gefahr, sich davon anstecken zu lassen. Eine zünftige Partie LoL wäre ja nicht LoL, hätte man in einem der beiden Teams nicht mindestens einen Hans-Wurst, der vor, nach oder während des Spiels sein Vokabularium an Schimpfwörtern oder anderen Beleidigungen zum Besten gibt. Einmal im sogenannten „rage modus“ (hergeleitet von "in Rage" sein) angekommen, haben es alle Beteiligten der Runde recht schwer, das Chat-Karma wieder herzustellen. Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine Eigendynamik aus beleidigt werden, beleidigt sein und beleidigen, die allesamt einen furchtbar negativen Effekt nach sich ziehen. Meist resultiert das Chaos darin, dass am Ende jeder Teilnehmer zum Flamer wird. Das Spiel ist dann zur Nebensache geworden, der Sinn und Zweck der Zusammenkunft ist verfehlt und der Spaß ist irgendwo auf der Lane liegengeblieben. Zu dieser Thematik gab es vor einiger Zeit übrigens zwei sehr interessante Artikel auf Bonjwa. Lest selbst, wie wir gemeinsam stark werden, um die Wutprobe zu meistern. Natürlich ist hier League of Legends nur eine unter vielen Flamewiesen unserer virtuellen Welt: Da wo Gras wächst, weiden schließlich auch die Kühe. Doch insbesondere in den Fällen, bei denen neben der Text- auch die Sprachkommunikation während des Spiels möglich ist, treibt das Flamen sein Unwesen. Als populäres Beispiel sei hier der neueste Erfolgstitel der Counter-Strike-Reihe zu betrachten: CS:GO. Obwohl die meisten der damaligen 1.6-ler mittlerweile ihr Flame-Alter überschritten haben, so gibt die Push-To-Talk-Funktion speziell jüngeren Generationen die Möglichkeit, über unsere Mütter zu fachsimpeln. Aber ist Flaming eine Frage des Alters? Generell kann man sicherlich keine Altersgrenze für ein schlechtes Verhalten im Game ziehen. Dafür hat man in der Vergangenheit viel zu häufig Leute gesehen, denen trotz ihrer Jahre auf dem Buckel der Geduldsfaden gerissen ist. Möglicherweise ist die Sache der Geduld aber nicht eine Frage des körperlichen, sondern eher des geistigen Alters. Nichtsdestotrotz gibt es auch Menschen, die spaßeshalber im Chat "herumtrollen" und ihre Mitspieler nur mit Vergnügen zum Ragequit bringen würden.

deutungsumfeld:

Was genau ist jetzt ein Flamer? Das Verwechslungspotenzial ist insbesondere im Alltag sehr hoch. Falls an eurem Zimmerfenster ein brennender Mann vorbeirennen sollte, handelt es sich nicht um einen klassischen Flamer, den es zu ignorieren gilt. Ihr solltet lieber schleunigst etwas zum Löschen suchen und den Krankenwagen rufen. Andersherum hilft es reichlich wenig die Männer in Rot-Weiß (Pommes?) zu rufen, wenn im LoL-Chat mal wieder die Hölle ausgebrochen ist und alle rumflamen bis zum Abwinken. Weiterhin mag sich manch ein Kenner des Britischen an seinem Tee verschlucken und empört sein Monokel geraderücken, wenn der das Wort "Flamer" hört. Dieses bedeutet nämlich, wenn man den ominösen Übersetzungsplattformen im Internet glauben kann, nichts anderes als die unschöne und diskriminierende deutsche Übersetzung von "Tunte". Wie man sieht, ist die Angelegenheit nicht gerade leicht zu differenzieren.

Um dennoch alle Zweifel aus dem Weg zu räumen, versuchen wir uns mal an einer Flamer-Checkliste:

a) Dein Gegenüber hat aus dir unerfindlichen Gründen begonnen, dich persönlich oder auf eine sonstige Art und Weise zu beleidigen oder in anderer Form zu diskreditieren und kann gar nicht mehr damit aufhöhren.

b) Dein Gegenüber hat aus dir erfindlichen Gründen begonnen, dich persönlich oder auf eine sonstige Art und Weise zu beleidigen oder in anderer Form zu diskreditieren und kann gar nicht mehr damit aufhören.

Glückwunsch! In beiden Fällen hast du es mit einem waschechten Flamer zu tun.

Lösungen:

Generationen von Gamern haben gehofft, man könnte den Flamern mit Hilfe von Bans, Kicks oder anderen Strafmaßnahmen Herr werden, jedoch vergeblich. Vergleichbar mit dem Kampf von Herakles gegen die Hydra, erscheint für jeden bestraften Flamer sofort ein neuer Wüterich, um seine Stellung einzunehmen. Der Bestrafte findet einen Weg seine Verurteilung zu umgehen und kommt mit mehr Elan denn je zurück.

Was kann also unternommen werden, um diesem Phänomen entgegenzuwirken? Im Allgemeinen empfiehlt es sich, als Geflamter einen kühlen Kopf zu bewahren und mit Humor oder väterlicher Geduldsamkeit seinem Gegenüber zu begegnen. Dies wirkt deeskalierend und nimmt häufig die Grundlage für eine Fortsetzung des Flamens. Für all diejenigen, die selber gerne mal aus der Haut fahren, denen raten wir von Bonjwa zu beruhigender Musik während des Zockens. Gerade die liebsten Titel oder Interpreten lassen den Puls und das Gemüt in den meisten Fällen in akzeptable Bahnen lenken. Zu dieser Thematik wird es demnächst auch einen eigenständigen Artikel auf Bonjwa geben. Darüber hinaus sollte jedem Spieler klar werden, dass durch frühzeitiges Ausrasten oder Diskreditieren der Mitstreiter das Spielerlebnis ins Negative gezogen und eine fortlaufende Zusammenarbeit nur noch weiter erschwert wird. Ernst gemeintes Lob und das Team bestärken hingegen, erzielen durchaus positive Effekte und können der Gemeinschaft den nötigen Push geben, um siegreich aus einer Partie hervorzugehen. Ansonsten muss man auch mit sich selbst im Reinen sein. Nicht verzagen, wenn ihr euch doch mal einen Ausrutscher erlaubt haben solltet. Wir sind alle nur Menschen.

Abgesehen von der vernünftigen Variante bleibt natürlich noch, das Spiel möglichst schnell zu gewinnen und sich somit der lästigen "Unterhaltung" zu entziehen. Aber wer will schon schnell gewinnen?

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Autor: Zero

Frische 23 Jahre alt und studiere in Wien (Publizistik- und Kommunikationswissenschaften sowie Theater- Film- und Medienwissenschaften als Bachelor). Seit dem Release der Seite hier unterwegs und eine kurze Zeit lang als Redakteur mit im Team gewesen.

23. Juni 2014 - 9:35
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Frostl
Benutzer
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02.11.2017 - 12:34
15.11.13
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ich liebe diese artikel! eigentlich fehlt aber noch der unterschied zwischen flame und dem guten alten shittalk :P