Welt des eSports: "Mod"

Ein Game wart gegeben, doch die Massen verlangten nach mehr. In ihrer Sucht erschufen die Menschen des Spieles ein Novum.... die Mod.

Max | Zahard 30.06.15

Mod, the/der/die/das

Wortart: Substantiv, unisex

Herkunft: Kurzform von Modifikation, bzw. vom englischen Wort modification

Bedeutung: Erweiterung/Veränderung (Modifikation) eines Videopiels durch User aus der Community

Lautschrift: [das sind nur drei Buchstaben, schaffste allein]

Grammatik: Singular= „der/die/das Mod", Plural= „die Mods"

Beispielsätze: „Die Mod verbessert die Balance des Spiels.", „Mit einem guten Nackt-Mod macht Oblivion doppelt so viel Spaß"

Begriffserklärung Mod

Als ein Mod wird eine durch Spieler, bzw. Community oder Fanbase, auf Basis der Spielengine selbst entwickelte Modifikation für ein Videogame bezeichnet. Somit wird diese Erweiterung und/oder Veränderung des eigentlichen Hauptspiels nicht durch das offizielle Entwicklerteam vorgenommen (was nicht ausschließt, dass professionelle Entwickler mitwirken). Die meisten Mods sind kostenlos und werden für den Rest der Community frei zugänglich im Internet zum Download angeboten.

Arten von Mods

  • Add-Ons: Erweitern das Spiel um Inhalte wie zusätzliche Waffen, Gebäude, Charaktere, Quests oder eine größere Spielwelt und ähnliche Features. Dabei verändern sie das ursprüngliche Gameplay aber nur in geringem Maße. (Praktisch also ein inoffizielles DLC)
  • Mutatoren: Verändern in Form von jederzeit zu- und abschaltbaren Programmen kleinere Parameter des Games. Die wohl bekanntesten Vertreter sind die sogenannten "Wallhacks" im Shootergenre oder der X-Ray-Mod für Minecraft, welche die Sichtbarkeit von Grafiken innerhalb des Spiels umstellen.
  • Mods (allgemein): Ergänzen und/oder überarbeiten Teile der Software, halten sich dabei aber eher an die von den Entwicklern entworfenen Mechaniken. Somit verändert es zum Beispiel die vorhandenen Waffen oder verbessert die Grafik, beziehungsweise passt diese an. HD-Mods sind wohl die geläufigsten Vertreter dieser Klasse.
  • Total Conversations: Schmeißen das bisherige Spielkonzept zu fast 100% über den Haufen. Auf Basis der Spielengine wird das Game nahezu komplett neu interpretiert. Fans entwerfen somit praktische ihre eigene Version des Spiels mit eigener Story oder anderem Gameplay. Der wohl bekannteste Mod dieser Art ist "Counter-Strike" der 1999 für "Half-Life" entwickelt wurde und heute zu einem der größten eSport-Franchises überhaupt zählt.
  • Standalone-Mods: Sind Modifikationen die bereits eine Kopie des Originalspiels implementiert haben. Somit sind sie ohne das Game vorher zu erwerben spielbar.
  • Engine-Mods: Konfigurieren die mitgelieferte Spielengine und verbessern ihre Leistung, beheben Fehler oder erweitern ihre Möglichkeiten.
  • Inoffizielle Patches: Dienen lediglich der Behebung von Bugs und kleineren Mängeln an der Spielesoftware. Wichtig dabei: Die Balance des Games wird nicht verändert, auch wenn ihr Endstatus Ungleichgewichte aufweist. Somit geht es nur um das reine Entfernen von Fehlern.

esport aus der community

Das Erstellen von Mods hat was mit eSport zu tun? Der Laie stutzt, aber ältere Gamingveteranen sollten wissen, wie wichtig Modding für die Entwicklung der heutigen Szene war. Denn ohne diese Subkultur innerhalb der Gamingcommunity gäbe es viele heutige Titel des elektronischen Wettbewerbs überhaupt nicht.

Counter-Strike

Gehen wir etwas zurück in der Geschichte, finden wir als noch heute bedeutendes eSport-Franchise, welches seine Wurzeln in der Modding-Szene hat, den Ego-Shooter „Counter-Strike" mit seinem momentan extrem beliebten Ableger „Global Offensive". Viele Leute wissen zwar, dass das ursprüngliche CS ein Mod für „Half-Life" war, aber weniger bekannt ist, dass auch seine Grundlage aus einem entsprang.

Mit dem sogenannten Doom Construction Kit für „Doom" machte sich Ben Morris Mitte der 90er einen Namen unter den Moddern und versuchte nach dem Erscheinen von „Quake" mit dem Editor Worldcraft sein Konzept auf das neue Spiel zu übertragen. Das Projekt glückte und als Morris 1997 bei der neu gegründeten Firma Valve anfing, wurde Worldcraft zur Grundlage für ihr Erstlingswerk „Half-Life" und deren Community-Entwicklungen. Neben ihm war auch das halbe Entwicklerteam aus der Modding-Szene rekrutiert, was die Wichtigkeit jener für den Grundstein von Valves heutiger Macht deutlich macht.

Auch das Team hinter der Modifikation „Counter-Strike", welche erstmals am 19.06. 1999 in der Beta zum Download stand und mit eben jenem HL-Editor erstellt wurde, übernamm Valve später, sodass am 8.11. 2000, CS offiziell als 1.0 Version veröffentlicht wurde.

DotA/Dota

Auch das zweite Zugpferd des modernen eSports aus dem Hause Valve, Dota 2, hat seinen Ursprung in einer Videospiel-Community. Als Nachfolger des ursprünglichen DotAs beherrscht es momentan zusammen mit League of Legends den Markt für MOBAs relativ souverän und gilt als Königsdisziplin des Genres. Doch auch eben jener Vorgänger entstand nur durch Hilfe eines anderen Spieles.

Im Jahr 2002 veröffentlichte Blizzard den dritten Ableger seiner Echtzeitstrategie-Serie Warcraft, dem auch ein Welt-Editor zum Erstellen eigenen Contents mitgegeben war. Damit konnte man eigene Karten für das Spiel entwerfen, was laut Definition auch schon unter Modden fallen würde. Basierend auf der Idee hinter der Starcraft Custom-Map „Aeon of Strife" wurde die erste Version von Defense of the Ancient von einem Spieler unter dem Namen Eul erstellt. Zwar betreute er die Entwicklung nur während der Zeit von „Reign of Chaos", bevor er aufgrund Zeitmangel auhören musste, aber eigentlich war er der eigentliche Schöpfer.

Doch glücklicherweise endete die Geschichte von DotA nicht hier, denn als er ging, nahm er auch den Modifikationsschutz mit, wodurch nun auch andere Spieler ihre eigene Version der Karte erstellen konnten. Nach langem hin und her setzte sich die Version namens DotA Allstars durch, welche von Steve Feak, auch bekannt als Guinsoo, entwickelt wurde, dies allerdings erst für die Erweiterung „Warcraft 3: The Frozen Throne", da diese einen erweiterten Editor besaß. LoL-Spieler sollten diesen Namen kennen, denn nachdem er den Posten als Hauptentwickler der Map abgab, wurde er später Entwickler bei Riot Games, gehört also zu den Köpfen hinter League of Legends (wie viele andere Leute aus der damaligen DotA-Szene).

Doch wirklich gut gebalanced und bekannt wurde DotA Allstars erst mit den ersten Versionen, welche durch Icefrog, Guinsoos Nachfolger entwickelt wurden. Er legte mehr Wert auf die Balance und Fairness des Spiels und bereitet so den Weg für die eSportliche Zukunft des Franchises. So wurde Allstars bald zu einem richtigen Turnierspiel, das 2005 sogar auf der Blizzcon und bei den World Cyber Games gezockt wurde. Das ursprüngliche DotA wird übrigens noch bis heute weiter entwickelt und hat immer noch ein große Fangemeinde.

Nachdem Icefrog 2009 eine Kooperation mit Valve angekündigt hatte, wurde 2010 offiziell die Entwicklung eines Nachfolgers, also Dota 2, bestätigt. Am 9.07. 2013 wurde daraufhin die fertige Version des Spiels veröffentlicht, welche sogar die Popularität der ursprünglichen Karte überflügeln konnte und heute zu den größten eSport-Titeln überhaupt gehört. Der ursprüngliche Titel „Defense of the Ancients" ist dabei wegen eines Rechtstreites auf der Strecke geblieben, weshalb das uns bekannte Dota 2 auch einfach nur Dota 2 heißt.

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Autor: Max | Zahard

Als Student aus Leidenschaft schimpft man mich Redakteur in den Diensten Bonjwas. Meine eSport-Karriere begann mit der Spielzeug-Raserei Trackmania Nations vor ungefähr 7 Jahren und fokussiert sich momentan zu 100% auf Overwatch. Ein Game für die Götter :3

Außerdem zock ich leidenschaftlich Victoria 2 und Europa Universalis 4.