Interview mit Dario "TLO" Wünsch

Beim TakeTV Ultra Invitational 2014 haben wir Dario "TheLittleOne" Wünsch getroffen und mit ihm über seine Karriere bzw. seine Einschätzung der Szene gesprochen.

Moritz | Cranium 01.06.14

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Hallo und herzlich willkommen! Wir sind hier in Krefeld beim TakeTV Ultra Invitational und an meiner Seite ist der gute und liebe Dario Wünsch, euch wahrscheinlich besser bekannt als TLO. Wie geht es dir?

Etwas komisch, mit seinem eigenen Namen vorgestellt zu werden. (lacht) Hi! Mir geht es eigentlich ganz gut. Ich hab gerade meine Round of 16 gewonnen und deshalb hab ich jetzt ziemlich viel Zeit.

Wann geht es weiter heute Abend?

Ich weiß es nicht ganz genau, da das Achtelfinale noch gespielt werden muss. Danach geht es dann gleich weiter.

Fein! Wie ist das Jahr 2014 so für dich gestartet?

Relativ gut! Ich hab im Januar direkt das Halbfinale in Sao Paulo gegen Bomber gewonnen. Das war ein guter Anfang, aber ich möchte mich darauf natürlich nicht ausruhen.

Und was sind so deine Pläne für dieses Jahr? Hast du ein großes Ziel, worauf du hinarbeiten möchtest?

Ich denke, dass jeder, der in der Reichweite davon ist, sich das Ziel gesetzt hat in der WCS es in die Top 16 der Punkte zu schaffen um sich für die Blizzcon zu qualifizieren. Das ist auch so mein Hauptziel, ob das jetzt klappt weiß ich noch nicht. Das ist damit verbunden, ob ich einen guten Durchschnitt bei den anderen Turnieren habe. Das heißt, mir ist es wichtiger, über das Jahr gute Ergebnisse zu zeigen, als nur dieses eine große Ziel zu erreichen.

Da wir gerade von großen Turnieren sprechen, wenn du so zurückblickst, du bist ja schon ziemlich lange dabei und hast viel erreicht und bei vielen Events mitgespielt, wie zum Beispiel bei der GSL. Was war für dich so der dir wichtigste und vielleicht auch emotionalste Moment deiner Karriere?

Ich würde sagen ganz am Anfang, als ich Team Liquid beigetreten bin. Ich traf Nazgul schon einmal als ich 12 Jahre alt war und hab sogar ein Autogramm bekommen. Das war einfach surreal für mich. Team Liquid war für mich die Instanz der Community und der Moment, in dem ich dem Team beigetreten bin ist für mich einfach unübertroffen. Ich könnte mir auch niemals vorstellen, in einem anderen Team zu sein. Ansonsten, als ich letztes Jahr es geschafft habe mich für das WCS Korean Regional zu qualifizieren, das heißt ich hatte es geschafft in die Top 5 der WCS Europa zu kommen, das war so mein größter Erfolg, aber ich hoffe natürlich auf mehr.

Hast du einen Punkt festgesetzt in deiner Karriere, bei dem du sagst, wenn ich den erreiche, kann ich aufhören?

Eher nicht. Wenn ich so einen Punkt erreiche geht es erst richtig los für mich.

Es gibt ja auch Leute die aufhören wollen, wenn sie ihren Höhepunkt erreicht haben.

Ich muss es ganz nüchtern sagen, ich habe in den letzten vier Jahren eigentlich nicht so viel erreicht, wie ich wollte. Allerdings war ich nie unmotiviert und hatte einfach immer Spaß dabei. Deshalb kann ich mir einfach nicht vorstellen aufhören zu wollen, wenn ich meinen größten Erfolg habe.

Hast du schonmal darüber nachgedacht, was du machen möchtest, wenn du als Spieler aufhörst? Könntest du dir vorstellen, den eSport weiterhin in irgendeiner Art und Weise erhalten zu bleiben?

Auf jeden Fall. Das ist soweit auch erstmal mein Plan. Ich habe gute Beziehungen zu Firmen, bin mit vielen Leuten befreundet und ich denke auch, dass ich die Skills dazu habe und auch weiß, wie man hinter den Kulissen arbeitet.

Du hattest ja eben den Spaß angesprochen. Macht das Spielen selbst bei dem ganzen Training und dem psychischen Druck noch Spaß?

Es macht auf jeden Fall noch Spaß. Es ist definitiv so, dass jetzt nicht jedes Spiel cool ist für mich. Ich denke es ist bei allen so, die ihr Hobby zum Beruf machen, dass man Tage hat, an denen man es einfach hasst. Aber so ist es bei mir nicht, weil wir auf so viele Events gehen und man dadurch einfach einen Höhepunkt hat, und es einfach auch Spaß macht bei einem Turnier mitzumachen. Andererseits fühlt sich Starcraft 2 spielen an guten Tagen, an denen man in Topform ist, so an, als würde man ein Instrument spielen. Alles ist harmonisch und es ist ganz natürlich und man fühlt sich schon fast verbunden mit der Tastatur und der Maus. An Tagen an denen es schief läuft, nervt es einfach richtig und dadurch hat man einfach Schwankungen, ein Auf und Ab, aber es ist OK.

Wenn du dann in so einem Tief steckst, hast du dafür bestimmte Strategien, um dich zu motivieren?

Im Frühling, Sommer und Herbst ist es wesentlich einfacher als im Winter. Da kann ich dann einfach rausgehen in die Sonne, etwas Sport machen und frische Luft bekommen und dann reicht oft auch eine zwei stündige Pause.

Richtig essen gehen ist auch sehr wichtig. Wenn ich an einem Tag mal so richtig frustriert bin und dann abends lecker essen gehe, finde ich wieder meinen Frieden und kann am nächsten Tag wieder loslegen.

Hörst du bei Turnieren oder beim Trainieren Musik? Wenn ja, welche Musikrichtung?

Immer. Ich höre fast alle Genres, vorzugsweise klassische und Soundtrack Musik, oder Klaviermusik, aber genauso mag ich Industrial Music, Electronic Music, Glitchhop, Triphop, Punk, Rock, also eigentlich alles solange mir das Lied gefällt. Ich bezeichne mich gerne als musical Sponge. (lacht) Damit meine ich, ich frage die Leute, was sie so an Musik hören und schau mir ihre Playlists an, und dort nehme ich mir dann die Lieder raus, die mir am meisten gefallen. Die pack ich dann in meine eigene Playlist, das Genre ist mir dabei egal.

Dieses Interview ist ja für Bonjwa.de. Das ist eine eSport-Schule mit momentanen Fokus auf SCII. Was würdest du Menschen, die mit SCII anfangen, oder Pro werden wollen, auf den Weg mitgeben?

Mein erster Tipp hat gar nichts mit dem Spiel selbst zu tun: Macht viel Sport. Erstens hilft es euch mit dem Spiel, und zweitens, selbst wenn es mit Starcraft nach einem Jahr nicht geklappt hat, dass man den Durchbruch schafft, hast du trotzdem die Routine darin, physisch fit zu bleiben, und das hilft dir mit allem. Körper und Geist hängen zusammen.

Das Thema Ausgleich ist ja in der Szene im Gespräch, auch weil eSport gesellschaftlich immer noch nicht so richtig anerkannt ist. Es ist einfach ein großes Thema und es fehlt ein wenig an dem Bewusstsein für Sport.

Genau. Es gibt viele Spieler, die dort ein paar Probleme haben die durch Sport vermieden werden könnten. Ich denke, wir brauchen da einfach noch ein paar Jahre.

Ich finde die Beispiele Schach und Golf sind da gut zu bringen. Vor 20, 30 Jahren war Golf ein “Alte-Männer-Sport”, sie waren alle „out of shape“. Dann kam Tiger Woods und hat diese ganze Sportpsychologie eingebracht, dass man eben sportlich aktiv sein sollte und es einem auch beim Golfen selbst dann hilft. Und genauso wird das immer mehr beim Schach angewendet.

Ich denke beim eSport wird dieser Schritt auch noch getan, es dauert nur noch ein bisschen.

Ist es wichtig für dich, dass eSport als richtiger Sport anerkannt wird?

Nein, ich finde das sogar ein wenig albern. Es ist zwar competitive, aber ich benutze lieber den Begriff “Wettkampf”. Schach wird zwar auch schon als Sport bezeichnet, aber mir ist es nicht so wichtig, dass Computerspiele als Sport bezeichnet werden. Ich würde mich jetzt nicht beleidigt fühlen, wenn mir jemand sagen würde, dass Computerspiele kein Sport ist, solange es als intellektueller Wettkampf anerkannt wird. Dazu fehlt mir einfach das Ego.

Man wird von Starcraft eben nicht körperlich fit, sondern nur geistig, deshalb ist das Spielen von Starcraft auch keine Entschuldigung dafür, keinen Sport zu machen. (lacht)

Du spielst ja momentan Zerg. Wenn du etwas an Zerg ändern könntest, würdest du es tun, und wenn ja, was?

Das ist eine schwierige Frage. Der Elephant in the room (Anm. der Redaktion: offensichtliches Leugnen) sind wohl die Swarmhosts. Auch wenn ich persönlich jetzt der Meinung bin, dass die Unit so fehlerhaft entworfen ist wie alle sagen, wünsche ich mir doch, dass das Lategame von Zerg etwas mobiler ist. Early und Midgame sind die Zerg sehr mobil und im Lategame wird das Ganze sehr statisch und mir wäre es lieber, wenn Drops und Nydus möglich wären um den dynamischen Spielstil beizubehalten wie bei den Terran.

Könntest du dir vorstellen, auf Protoss zu wechseln?

Nein. Ich denke, das wäre eine Verschwendung, weil man einfach sehr lange braucht, um die Rasse zu wechseln. Es gibt einfach so viele Sachen, die man nachholen muss und ich bin extrem zufrieden mit Zerg und werde dabei auch bleiben, zumindest bis zum Ende von Starcraft II. Ob ich in Stracraft III dann Protoss spiele, wer weiß.

Was ist das Beste für dich am eSport, und was findest du, könnte man besser machen?

Das ist für mich ein bisschen das Gleiche. Ich liebe es einfach, wie viel ich reise, und wie ich Menschen von allen Nationalitäten kennengelernt habe. Man verliert dann immer mehr diese Mentalität wie “Ich bin Leipziger” oder “Ich bin Deutscher / Europäer”, man stellt fest, dass wir alle einfach Menschen sind. Allgemein trifft man durchs Gaming Leute aus unterschiedlichsten Bereichen, die miteinander in Kontakt treten, die sich nie treffen würden. Dort gibt es dann zum Beispiel Wissenschaftler, die mit Türstehern befreundet sind. Da passiert dann etwas über das Gaming, was so in echt auf der Straße eher weniger passieren würde. Andererseits ist das viele Reisen auch stressig. Im Juni werde ich auf der WCS, Homestory Cup, Dreamhack Summer und MLG Anaheim sein, das heißt jedes Wochenende ein neues Turnier. Das ist manchmal einfach zu viel und man wünscht sich dann, dass man einfach ein halbes Jahr mal zuhause sein darf. Aber das ist es trotzdem wert.

Du wohnst ja derzeit in Berlin. Gefällt es dir dort?

Ja, es ist sogar meine Lieblingsstadt bisher. Berlin ist einfach ein Mittelpunkt, Stockholm war mir beispielsweise zu schön. (lacht)

Möchtest du ein Statement zur Balance abgeben?

Mein Statement ist, und das sag ich fast immer, um diese Frage zu umgehen, dass ich aufgrund des neuen Mappools noch keine qualifizierte Meinung dazu abgeben kann. (lacht)

Dario, ich bedanke mir für das Interview und wünsche dir noch viel Erfolg weiterhin. Schau doch mal auf Bonjwa.de vorbei. Möchtest du noch etwas sagen, irgendwelche Shoutouts?

Kein Problem. Werde ich mal machen. Ja, ich möchte mich bei unseren Sponsoren bedanken: HyperX, Razer, shinythings und Need For Seat. Wir haben jetzt auch unsere neuen coolen Jacken bekommen.

Damit sage ich dann Tschüss und wünsche euch noch einen schönen Tag!

Autor: Moritz | Cranium

Moritz, 21 Jahre und aus dem wunderschönen Schwabenland. Inzwischen CS:GO Suchti und Fanatic Fanboy. #TeamWawu

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1. Juni 2014 - 15:17
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akaBoogeyman
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05.09.2017 - 15:40
15.11.13
58

Dario ist mir schon immer Irgendwie verdammt sympatisch gewesen. Ich hatte das glück ihn schon einmal getroffen zu haben, auf der Gamescom `11.

1. Juni 2014 - 15:25
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Logide
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03.12.2014 - 21:01
23.12.13
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Klasse Interview :)

1. Juni 2014 - 18:22
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MesH
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11.11.2014 - 17:46
07.01.14
128

Der TLO ist nen netter Typ. Schönes Interview...

1. Juni 2014 - 19:36
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Cranium
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29.10.2017 - 08:59
15.11.13
189

Bester Mann! Mein Lieblingsspieler! Ingame wie auch im Real Life :)

2. Juni 2014 - 12:46
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Tinio
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15.11.2015 - 12:08
08.05.14
124

Unfassbar sympatisch der TLO! Der Tipp, Sport zu machen ist wikrlich sehr wichtig. Merke ich auch immer wieder bei mir.

Und im Sponsoren muss sich Team Liquid offensichtlich keine Sorgen machen xD

3. Juni 2014 - 18:34
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moki93
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31.01.2015 - 01:26
15.01.14
42

Super sympathischer typ :) Außerdem erfolgreich, bin auf jeden Fall Fan ;)