A Game of Skins: Wetten im eSport

Ein neuer Trend tut sich auf in der Glücksspielindustrie: eSport wird zum beliebten Wettgeschäft

Jakob | bermuda 09.09.15

No risk no fun - oder so ähnlich. Das Motto gilt wohl für die meisten Glücksspiele. Erst recht für Wetten. Und der risikofreudige Sportfan kann nicht nur auf Fußball und Co. tippen. Seit einigen Jahren lässt sich ein wachsender Trend in der Glücksspielindustrie beobachten: eSport-Wetten. Wir haben uns für Euch auf eine kleine Tour durch die eSport-Wettszene begeben.

Seriosität gesucht

Bequem von zu Hause aus wetten ist schon lange nichts neues mehr. Es gibt unzählige Online-Wettanbieter, die klassische Sportwetten anbieten. Doch immer mehr dieser Anbieter springen auf den eSport-Zug. Große Buchmacher (Bookies) wie Pinnaclesports.com oder betaway.com bieten neben klassischen Sport- oder Casinowetten auch eSport an. Damit wird eSport auf eine Ebene mit klassischen Sportarten gestellt. Zu großen Turnieren, wie beispielsweise der kürzlich ausgetragenen ESL ONE in Köln, laufen die Seiten heiß. Der eSport boomt - samt riesigen Preisgeldern und Zuschauerzahlen, die die Bevölkerung Frankreichs übersteigen. Das weiß auch das klassische Wettgeschäft und greift nach seinem Stück vom großen Kuchen.

"Der eSport muss professioneller werden. Daran arbeite ich."

Tom Lemke über die Probleme mit eSport-Wetten

Viele Unternehmer sehen in der Branche aber ein ernstes Problem: den Mangel an seriösen Anbietern für eSport-Wetten. Zu diesen Skeptikern gehört auch Tom Lemke, Gründer des inzwischen geschlossenen Wettanbieters eSportsVentures.com. Laut Lemke fehlt der Wettszene im eSport vor allem eines: Regulierungen. Während die Wetten in anderen Sportarten festen Regeln unterliegen, Lizenzen verlangen und mit Steuern belegt werden, so ist der eSport da noch völlig unberührt. Vor allem sei es auch hier wichtig, offizielle Lizenzen zu verteilen, Risiken korrekt einzuschätzen und eine vernünftige Berufsethik zu entwickeln. "Die meisten Online-Wettanbieter regulieren sich selbst. Und da es keine offizielle Organisation gibt, die die Lizenzen verwalten kann, werden auch keine Steuern erhoben", so Lemke im Interview mit GosuGamers.

Ähnlich sieht es auch Rahul Sood, Gründer und CEO des Betting-Startups Unikrn. Der ambitionierte Kanadier arbeitete bereits bei den Software-Riesen Hewlett Packard und Microsoft. Nun gründete er einen eigenen Anbieter für eSport-Wetten. Und das mit Erfolg: Bis Anfang September konnte Unikrn bereits 10 Millionen Dollar sammeln - auch Hollywood-Star Ashton Kutcher investierte in das junge Startup. Unikrn bietet Wetten für verschiedene eSport-Titel wie League of Legends und Counter-Strike: Global Offensive an. Aufgeräumte Interfaces, detaillierte Statistiken: Sood ist die Seriosität seines Projekts wichtig.

"Das hier ist eine neue Industrie. Und die Menschen wetten auf Seiten, die nicht sicher sind. Es gibt genug Raum für Projekte wie uns, die einen globalen Standard für verantwortungsvolles Wetten setzen", so Sood im Interview.

Mit Unikrn möchte Sood die Möglichkeit bieten, dass Besucher die Spiele live verfolgen, Statistiken einsehen und mit anderen Besuchern chatten können. Der Kanadier ist da ganz ehrlich: "Man geht nicht einfach auf eine beschissene Seite und schließt seine Wette ab. Es wird wunderschön."

Der eSport wird inzwischen immer mehr als eigener Sport anerkannt - und dazu gehören auch Sportwetten. Die Anbieter für Sportwetten befinden sich aber noch am Anfang und somit im krassen Kontrast zum fulminanten Erfolg, den der elektronische Sport momentan feiert. Die Industrie ist sich aber einig: Das Wettgeschäft mit den Pixeln bedarf offizieller Lizenzen, es bedarf einer Ethik und es bedarf vor allem eines: einer Regulierung.

So sieht's aus

Bei Pinnacle und Co. wird klassischerweise um Geld gespielt. Doch eSport-Wetten bieten noch mehr Möglichkeiten. Bei Seiten wie csgolounge.com oder dota2lounge.com kann um Ingameitems wie beispielsweise Skins gewettet werden. Gerade bei dieser indirekten Form kommt bei den eSport-Fans besonders gut an. Warum indirekt? Weil hier nicht direkt mit Geld gewettet wird, sondern mit Gegenständen, die einen bestimmten Gegenwert haben. Bekommen wir also zum Beispiel nach einem gewonnenen CS:GO-Match einen Skin, der nicht unbedingt gebraucht wird, kann dieser auf ein Spiel gesetzt werden. Wenn wir gewinnen, können wir uns über einen kleinen Mehrwert freuen. Doch bei einer Niederlage haben wir nicht das Gefühl, echtes Geld verloren zu haben. Das ist natürlich nur ein Beispiel für ein kleines Tippspiel. Auch hier wird im Großen Stil gewettet: Seltene Skins mit hohem Gegenwert stehen häufig im wahrsten Sinne des Wortes "auf dem Spiel".

Bevor wir eine Wette platzieren, müssen wir uns jedoch überlegen, worauf wir tippen möchten. Setzen wir auf den Spielsieger, so machen wir eine so genannte Moneyline-Wette - die klassische Form von Sportwetten. Durch viele verschiedene Ingame-Ereignisse im eSport ergeben sich jedoch noch andere Möglichkeiten. Hier ist der Fantasie der Buchmacher kaum Grenzen gesetzt. First Blood in League of Legends oder Anzahl der zerstörten Türme in Dota 2 sind nur zwei Beispiele für solche Sonderwetten.

Außerdem sehr beliebt sind so genannte Langzeitwetten. Hier geht es nicht nur um ein einzelnes Match. Bei Langzeitwetten kann beispielsweise auf den Ausgang eines ganzen Turniers gewettet werden. Auch die Anzahl der Siege eines bestimmten Teams wäre ein mögliches Tippspiel. Zum Beispiel: Wie viele Spiele gewinnt das Team Fnatic während der ESL ONE?

Doch egal mit welcher Methode wir unser Glück versuchen wollen: Wir sollten stets auf die Quoten achten.

Die Quote gibt den Ton an

Der wohl wichtigste Faktor im Wettgeschäft sind die so genannten Quoten. Diese bestimmen nämlich, wie viel wir im Falle eines Gewinnes nach der Wette bekommen. Egal ob wir um Skins oder um Geld spielen: die Quote gibt den Ton an.

Die eSport-Buchmacher bieten häufig so genannten Dezimalquoten an. Mit dieser ist es besonders einfach, den möglichen Gewinn auszurechnen. Je niedriger die Dezimalquote, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass das Team gewinnt. Umgekehrt gilt: je höher die Quote, desto niedriger die Wahrscheinlichkeit, dass das Team gewinnt. Da die Dezimalquote aber in direkter Verbindung mit dem möglichen Gewinn steht, wird dieser hier auch deutlich höher ausfallen. Im Grunde gilt: Einsatz * Quote = Auszahlung.

Ein kleines Beispiel: Wir setzten auf ein Dota 2-Spiel zwischen EG und NaVi. EG hat eine Quote von 1.600 und die von NaVi beträgt 2.500. Der Buchmacher glaubt also, dass EG eine höhere Gewinnchance hat. Setzten wir nun 10 Euro auf EG, dann ergibt sich eine mögliche Auszahlung von 10 Euro * 1,6 Quote - also 16 Euro. Diese beinhaltet unseren Einstiegsbetrag und einen Gewinn von 6 Euro. Würden wir mit unseren 10 Euro nun auf einen Sieg von NaVi setzten, so könnte nach der Rechnung ein Gewinn von 15 Euro für uns heraus springen. NaVi also einen höheren möglichen Gewinn, aber eine niedrigere Gewinnchance.

Das International-Turnier 2014 bot 5 Millionen Dollar für das erstplatzierte Team Newbee.

Ungeahntes Potential

Rahul Sood beschreibt die Wettszene im eSport akkurat: Es ist eine neue Industrie. Damit kommen für neue Unternehmen große Potentiale einher, in der Branche Fuß zu fassen. Die Wettanbieter treffen auf offene Türen und somit auf einen eSport, der die ersten drei Schritte ohne die Wettgeschäfte gemacht hat. Beim International 2015 lagen 18 Millionen Dollar im Prize Pool, vergangenen Monat fieberten bei der ESL One in Köln über eine Million Zuschauer gleichzeitig mit. Und nun kommen neue, ambitionierte Wettanbieter und ergreifen das Potential dieser pulsierenden Szene.

Es wird noch größer werden. In gleichem Maße, wie der eSport wächst, wie die Industrie auf die Wirtschaftsmacht aufmerksam wird, so wird auch das Wettgeschäft steigen. Wichtig ist den Unternehmern aber eins: Seriosität. Es soll ein fairer Markt geschaffen werden, der die gleichen Regeln für alle Unternehmen aufstellt. Es muss reguliert werden, lizensiert werden. Und vor allem müssen Ethik und Risikomanagement eine Rolle spielen. Es geht nicht nur um das wirtschaftliche Potential, sondern auch um den Konsumenten. Und der erwartet seriöse Angebote - genau wie Tom Lemke und Rahul Sood.

Zu Risiken und Nebenwirkungen

Doch Glücksspiel jeglicher Art ist mit großer Vorsicht zu genießen. Die Gefahren einer Spielersucht machen auch vor eSport-Wetten nicht Halt. Wir möchten Euch daher bitten, an das Thema mit Verantwortung und Vorsicht heran zu gehen. Informiert Euch über mögliche Risiken, bevor Ihr Euch in die Welt der Quoten und Trader begebt. Wer sich schon jetzt ein klein wenig angesprochen fühlt, findet hier Infomaterial zum Thema Glücksspielsucht von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Autor: Jakob | bermuda

Jakob. Vasall der Redaktions-Fraktion seit etwas über einem Jahr. Abseits von Bonjwa bin ich Technikjournalismus & PR-Student im fünften Semester, Kletterfreund und Hearthstone-Mastermind. Die eSport-Szene verfolge ich seit 2010 und in Zukunft versorge ich euch mit allem, was mir zur Gamingwelt durch den Kopf geht.

15. Juli 2016 - 8:27
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Lorgi
Core
Offline
21.07.2017 - 22:31
26.04.16
165

Das Quotenbeispiel hat einen kleinen Fehler:

10 * 2,5 != 15 :P

Ansonsten kann man dem Artikel nur Recht geben, dass das ganze strenger reguliert werden muss, je größer der ganze Markt dafür wird.