Skandale im eSport - denn Geld regiert die Welt

Nur weil man in manchen Spielen einen edlen Ritter in strahlender Rüstung verkörpert, heißt das nicht, dass im eSport alles Gold ist was glänzt.

Max | Zahard 30.04.14

Die meisten von euch können sich wahrscheinlich noch an den gigantischen Wettskandal von 2005 erinnern. Der Schiedsrichter Robert Hoyzer wurde aufgrund illegaler Spielmanipulationen und damit einhergehenden Wettbetrügereien zu zwei Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt und lebenslänglich aus sämtlichen Betreuungsämtern des DFB verbannt. Wer jetzt jedoch denkt, dass nur in Sportarten wie Fussball, Handball und ähnlichen Ballspielen betrogen und manipuliert wird, hat weit gefehlt. Der aktuelle Wettskandal in der koreanischen League of Legends-Szene ist nicht der erste in der eSport-Geschichte. Der Vorfall nochmals kurz zusammengefasst: Cheon "Promise" Min-Ki versucht sich mit einem Sturz von einem Hochhaus das Leben zu nehmen, nachdem er seinen Teammanager Noh Dae Chu schwer belastet hat. So stellte sich heraus, dass dieser sein Profi-Team AHQ, in dem Promise als Adc fungierte, zum absichtlichen Verlieren zwang um so bei eSport-Wetten abzukassieren. Zum Glück überlebte Min-Ki den Sturz und befindet sich auf dem Weg der Genesung.

Dieser Fall zeigt gut, dass es in der eSport-Szene immer noch viele zwielichtige Gestalten gibt, die die Träume und Hoffnungen der Profis und werdenden Profis untergraben. Sicherlich ist es einer der größten Skandale in letzter Zeit, aber die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Betrug im eSport leider immernoch weit verbreitet ist. Daher hat das Team von Bonjwa für euch die brisantesten Fälle der letzten Jahre zusammengetragen und gibt euch einen Querschnitt über eine immernoch auf der Suche nach Seriösität befindlichen Szene.

von lug und trug

Wer bereits ein wenig länger den eSport-Bereich von LoL beobachtet, kann sich bestimmt noch an die Auflösung von Moscow5 vor etwas mehr als einem Jahr erinnern. Der damalige Besitzer des Teams Dmitry "ddd1ms" Smelyi war im Zuge einer FBI-Ermittlung am 28. Juni 2012 in Amsterdam festgenommen worden, woraufhin Gehaltszahlungen eingestellt wurden und das Team um "Alex Ich" im Januar 2013 die Organisation verließ. Zu den Gründen für den Arrest von Smelyi war zuerst nichts bekannt und selbst die Spieler wussten nicht was genau passiert war. Bis schließlich auf Fontanka.ru ein Artikel veröffentlicht wurde, der die Festnahme als Teil einer internationalen Aktion gegen Cyber-Kriminalität darstellte. So soll der Beschuldigte am Diebstahl von 441.000 Kreditkartendaten beteiligt gewesen sein, mit denen insgesamt 205 Millionen Dollar entwendet wurden. Während der Aktion wurden 24 Verdächtige auf vier verschiedenen Kontinenten festgenommen und in Untersuchungshaft gesteckt, darunter auch einer in Deutschland. Obwohl nach der Entlassung des M5-Roosters im Zuge dieses Vorfalls verlautet wurde, dass das Team in der Zukunft zurückkehren wollte, hat M5 bis heute kein neues eSport-Team gesponsert und ist praktisch aufgelöst.

Aber auch in Starcraft ist pünktliches Bezahlen von Gehältern und der vertrauenswürdige Umgang mit dem Geld der Spieler nicht immer gewährleistet. Das bekannteste Opfer eines unseriösen Teammanagers in letzter Zeit ist der koreanische Zerg Ko Seog "Hyun" Hyun. Anfang 2014 wurde bekannt, dass der Quantic-Teammanager Boudreault seinen Spieler um insgesamt 23.000 $ betrogen haben soll. Dazu zählen neben den Gehältern auch nahezu 12.500 $ aus Hyun's Erfolgen auf der Dreamhack 2013. Als der Profi nach vielen Vertröstungen und Ausreden seinen Chef endlich zur Rede stellen will, ist dieser jedoch nicht mehr aufzufinden und bleibt dies fortan auch. Bis heute wartet Hyun auf die ausstehenden Zahlungen, kann sich allerdings durch die Spendenaktion von Jo "Golden" Myung Hwan (Save Hyun's Smile) erfolgreich über Wasser halten. Nachdem er seine Gedanken an einen Rücktritt aus der Pro-Szene verworfen hat, spielt er jetzt für Roccat-Gaming.

Der bisher größte Skandal in der Geschichte des eSport ist ohne Frage der "Match Fixing Scandal" im legendären Spiel 'Brood War'. Nachdem es im April 2010 Gerüchte in der Szene gab, dass manche Spieler an illegalen Wetten auf Starcraft-Spiele beteiligt waren, wurde am 16 Mai von koreanischen Newsseiten der Skandal als wahr bestätigt. Insgesamt waren elf Progamer daran beteiligt, die nach Bekanntwerden von der KeSPA auf Lebenszeit gebannt wurden. Unter ihnen befand sich auch eine Legende der Szene, Ma "sAviOr" Jae Yoon. Er und seine Mittäter sollen dabei absichtlich verloren haben, um entweder bezahlt durch ihre Mittelsmänner bei beteiligten Webseiten oder durchs direkte Wetten auf das eigene Spiel viel Geld zu gewinnen. Außerdem sollen sie teilweise Replays ihrer Teamkameraden zur Analyse an Fachmänner verkauft haben, damit diese ihre Schützlinge besser auf wichtige Matches gegen die betroffenen Profis vorbereiten konnten. Da Wettmanipulationen nach dem koreanischen Strafgesetz illegal sind, endeten die Aktivitäten der Spieler logischerweise vor dem Gericht. Die elf Angeklagten wurden insgesamt sieben mal zu Geldstrafen zwischen 2 und 12,5 Millionen Won (1€ = 1437 Sürdkoreanische Won), vier mal zu Bewährungsstrafen von 1-3 Jahren, drei mal zu 40 Stunden Glücksspielsucht-Behandlung und zwei mal zu 120 Stunden Gemeindedienst verurteilt, wobei es keine Freisprüche gab. Außerdem sorgte der Skandal auch in der breiten Öffentlichkeit für große Wellen, da im koreanischen Bewusstsein der eSport einen deutlich höhren Stellenwert genießt, als hier in Deutschland.

Jedoch gibt es auch in weniger bekannten eSport-Genren Probleme mit der Seriösität von Veranstaltern und Hintermännern. Wenn auch von eher wenigen Leuten bemerkt, so hat die Esl eine eSport-Liga fürs Onlinepokern. Genau wie in anderen Genres treten auch hier Clans an, die um ein attraktives Preisgeld gegeneinander spielen. Jedoch gibt es wie beim Pokern üblich "Buy-In's", also man bezahlt eine Antrittssumme, um am Turnier teilnehmen zu drüfen. Dafür winken dann den Bestplatzierten die Geldsummen. Im Jahr 2009 kam es zu einem Eklat in der Pokerliga, als der Spielbetrieb trotz gezahlter Anmeldegelder der Teams nicht ordnungsgemäß stattfand und die versprochenen 75.000$ Preisgeld nicht bereitgestellt wurden. Sowohl Moderatoren als auch andere Verantwortliche reagierten nicht oder nur mit Ausreden auf Beschwerden von Spielern. Daraufhin gaben viele dieser Spieler an, dass es seit der ersten Saison massive Probleme mit der Auszahlung der Organisation des wöchentlichen Spieltags gab, insbesondere aufgrund der Zeitverschiebung und dem monatelangen Zurückhalten von Preisgeldern. Diese Saison sollte die letzte sein für Pokerroom.com (dem Host für den Spielbetrieb), der kurz danach für immer seine Pforten schloss, ohne dass das gezahlte Geld zurückgegeben wurde.

Dass die Szene weiterhin mit massiven Glaubwürdigkeits- und Verantwortungsproblemen zu kämpfen haben wird, gilt als sicher und das wird sich in naher Zukunft auch nicht ändern. Aber nur wenn man solche Schwierigkeiten überwindet, kann man den Weg zu einer auch hierzulande akzeptierten Profisportart schaffen. Als ersten Schritt dahin muss nicht nur die größere Akzeptanz und Professionalisierung der Szene (faire Verträge, Reise-Visas etc.) gelten, sondern auch das verstärkte Verantwortungsgefühl von Teams gegenüber ihren Spielern. Wenn man von koreanischen Progamern hört, die in Knebelverträgen dazu gezwungen werden, bis zu 16 Stunden am Tag vor dem PC zu verbringen oder von chinesischen Jugendlichen die für das Goldfarmen in WoW regelrecht in Sklaverei leben, darf dies nicht als unveränderlich abgetan werden. Und auch wenn solche Verhältnisse in Europa nicht so extrem auftreten, fordert es doch von jedem Gamer seine Solidarität für diese in menschenunwürdigen Verhältnissen angehaltenen Genossen. Denn erst wenn Missstände beseitigt und gerechte Verhältnisse geschaffen sind, wird der eSport seine Rand-Existenz im allgemeinen Bewusstsein ablegen.

Autor: Max | Zahard

Als Student aus Leidenschaft schimpft man mich Redakteur in den Diensten Bonjwas. Meine eSport-Karriere begann mit der Spielzeug-Raserei Trackmania Nations vor ungefähr 7 Jahren und fokussiert sich momentan zu 100% auf Overwatch. Ein Game für die Götter :3

Außerdem zock ich leidenschaftlich Victoria 2 und Europa Universalis 4.

1. Mai 2014 - 12:35
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CraftY
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29.11.2014 - 22:03
30.04.14
35

Sehr schöner und interessanter Artikel. Ich denke, dass viele Leute das gar nicht so auf dem Schirm haben (mich eingeschlossen). Manche Vorgänge scheinen irgendwie recht stillschweigend hingenommen zu werden. Das tut aber der ganzen eSports-Szene überhaupt nicht gut und man müsste eigentlich Institutionen oder dergleichen begründen, die solche Dinge kontrollieren. Das würde auch die Seriosität der ganzen Sache steigern.

1. Mai 2014 - 19:46
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NanashiStarCraft
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26.09.2017 - 15:21
12.02.14
124

Super Artikel, hat mir sehr gefallen. Danke dafür : )

2. Mai 2014 - 15:53
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A_Aokiji_Kuzan
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04.01.2016 - 11:57
29.11.13
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Sooo man muss ganz klar sagen Geld verdirbt den Charakter. Überall da wo es um Geld geht werden Menschen versuchen Geld für sich und für ihre Zwecke zu beschaffen. Daran ist auch erst mal nichts verwerfliches dran. Das macht fast Jeder. Meiner Meinung nach beginnt es dann moralisch und gesetzlich Verwerflich zu werden wenn man Geld an sich nimmt das einem nicht gehört und sich um die Folgen eines solchen Handels nicht bewusst ist. Solch ein Handeln kann Leben zerstören.

4. Mai 2014 - 11:35
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Joe
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01.01.2015 - 15:35
15.11.13
7

Guter Artikel denke aber dass es dies immer geben wird wenn Geld fließt

5. Mai 2014 - 17:11
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leyArch
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09.05.2014 - 22:37
02.03.14
1

Echt guter Artikel, gut das man auch mal ein Einblick hinter die Kulissen bekommt. Vielen Dank und weiter so! ;)

6. Mai 2014 - 21:43
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hot_ice
Core
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28.03.2015 - 21:02
15.12.13
51

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