Code A: Schmiede der Stars - Vergangenheit und Perspektiven

Heute besteht GSL Code A - seit den Anfängen einer der härtesten eSport-Wettbewerbe der Welt - aus nur einem einzigen Match. 2011 jedoch war es ein eigenständiges Turnier, in dem Stars geschmiedet wurden. Ein Blick zurück und nach vorne.

Marco | TripleM 09.02.16

Als die Global StarCraft 2 League (GSL) 2010 gegründet wurde, waren ihre Tore dank eines offenen Turnierformats für jeden Teilnehmer geöffnet: Jeder, der wollte, durfte an den Qualifiern teilnehmen und die Sieger zogen in den bis dahin größten aller StarCraft 2-Wettbewerbe ein. Nach den drei sogenannten Open Seasons 2010, veränderte man allerdings das System der GSL 2011. Es wurde eine Unterteilung in zwei Ligen vorgenommen, die bis heute existieren: Code S und Code A. Qualifizieren konnte man sich nur noch für Code A, die zweite Liga, während Code S nur für diejenigen Spieler reserviert war, die die Feuertaufe in Code A überstanden. Sämtliches StarCraft 2-Talent Koreas musste durch Code A, welches dadurch beinahe an die Unerbittlichkeit von Code S heranreichte.

Es wird ganz bewusst von "Turnier" gesprochen, denn damals folgte Code A tatsächlich demselben Format, wie die Königklasse: Ein voll ausgebautes Turnier mit Gruppenphase, Playoffs und großem Finale. Die einzelnen Matches, die wir heute als Code A kennen, sind das Produkt der weltweiten Standardisierung der StarCraft 2-Turnierszene, die von Blizzard ab 2013 vorangetrieben wurde. Sie sind nur der Schatten eines einst großartigen Wettbewerbs - auch wenn sie noch härter sind.

Code A: Das Höllenfeuer Damals und heute

Viele der Spieler, die im Laufe der Jahre in den StarCraft 2-Himmel als beliebte Superstars aufstiegen, entspringen demselben Höllenfeuer: Code A. 2011 traten 32 Spieler an, die sich zuvor in den traditionellen offline Qualifiern durchgesetzt hatten und kämpften in einem Single Elimination Bracket gegeneinander. Es gab einen Champion und einen Runner-Up, wie auch in Code S. Über die Up & Down-Matches - die Top 8 von Code A mussten sich dort mit den sechzehn Verlierern der Gruppenphase von Code S messen - konnte man sich den Aufstieg in die erste Liga erspielen. Dieser modus operandi erinnert in der Tat an die heutigen Challenger Matches, bestand aber auch damals schon aus mehr, als nur einem einzigen Match. Code A-Sieger und -Runner-Up durften sich als Lohn für ihre Mühen ihre Gruppengegner in den Up & Down-Matches aussuchen, der Rest des Wettbewerbs wurde zufällig bestimmt (dieses Format unterlief im Laufe der Jahre ebenfalls Änderungen, um drohender Stagnation in Code S entgegenzuwirken, erfreute sich aber immer größter Beliebtheit - auch wegen der unterhaltsamen Gruppenauslosungen).

Die GSL Up & Down-Matches waren lange einer der beliebtesten Wettbewerbe der StarCraft 2-Szene. (Screenshot: GOMTV)

Wollte man also in Code S aufsteigen, ergab sich folgender Weg:

Qualifier (Single Elim. Bracket) -> Code A (2011 Single Elim. Bracket, ab 2012 Gruppen) -> Up & Down-Matches (Gruppen) -> Code S

Heute sieht der Pfad zum Erfolg so aus:

Qualifier (Single Elim. Bracket) -> Code A (1x Bo5) -> Code S

Natürlich gab es 2011 noch sieben GSL-Seasons plus zwei Spezialevents (die "World Championship" und das "Super Tournament"), sodass sich viele Aufstiegschancen ergaben. Das aktuelle System mit nur zwei Seasons ist daher selbstverständlich schon aus dem Kontext heraus härter. Während die Qualifier sich über die Jahre nicht im geringsten verändert haben, kann man beobachten, dass der Qualifikationsprozess allgemein vom Glücksfaktor abhängiger wurde. Natürlich enthalten auch das Single Elimination Bracket und die Up & Down-Matches enthalten Variablen des Zufalls, doch niemals war dieser so wichtig wie im heutigen System, in dem ein einziges Best of 5 entscheidet. Dieser Faktor wurde ab 2012 mit der Einführung von Gruppen sowohl in Code A selbst, als auch in den Up & Down-Matches verkleinert.

Dass dieses Turniersystem in der Tat wahre Top-Spieler hervorgebracht hat, beweist die eindrucksvolle Liste der Sieger und Zweitplatzierten von Code A 2011:

Auflistung der GSL-Sieger und -Runner-Ups 2011 (Liquipedia.net)

Nur die wenigsten Spieler aus den Code A-Zeilen dieser Tabelle brauchen eine Einführung und das hat einen Grund: Zu einem großen Teil sind sie noch heute aktiv oder sie haben in der Vergangenheit große Erfolge errungen. TOP und LosirA etwa zogen im selben Jahr in die Grand Finals von Code S ein, in dem sie die zweite Liga gewonnen hatten. Bomber machte sich in Code A einen Namen als zukünftiger Top-Spieler, indem er im Finale den zweifachen GSL-Sieger Mvp besiegte. Curious nährte bereits damals die Legende des "Gatekeepers", für die er heute so bekannt ist. ByuN ist aktuell wieder einer der besten Terraner des ganzen Planeten, fünf Jahre nach seinem zweiten Platz in Code A. SuperNoVa war bis 2015 ein beinahe garantierter Code S-Spieler, der immer wieder überraschen konnte und einige interessante Terraner-Styles popularisierte.

Bomber ist einer der erfolgreichsten StarCraft 2-Spieler aller Zeiten - sein Aufstieg begann in Code A. (Foto: Helena Kristiansson, ESL)

Diese Spieler sammelten in Code A wertvolle Erfahrungen, machten sich einen Namen und wurden zu großen Stars. Im heutigen System sagt Code A dagegen absolut nichts aus: Nur die wenigsten können das Talent eines Spielers aus einer einzigen Serie heraus abschätzen und noch viel weniger eine Verbindung zu den Protagonisten aufbauen. Ein einzelnes Best of 5 erzählt keine Geschichte - und dieser Aspekt ist nach wie vor einer der wichtigsten überhaupt im eSport.

Zukunftsperspektive

Mit nur zwei GSL-Seasons im ganzen Jahr und einem extrem vom Losglück abhängigen System ist Code A gnadenloser als jemals zuvor. Dies gefährdet vorhandene und zukünftige Karrieren, im Endeffekt also die Existenz der gesamten Szene in Korea. Natürlich wäre es schon sehr hilfreich, wieder zumindest drei Seasons pro Jahr auszuspielen, doch auch das Format von Code A kann viel zu einer Verbesserung des Klimas beitragen.

Würde man das Turniersystem von 2011 mit der Gruppenphase von 2012 paaren (also das System von Code S replizieren), hätte man den Faktor "Glück" zu einem großen Teil ausgeschaltet und den Wettbewerb etwas entspannt. Man hätte quasi eine dritte Liga in Korea geschaffen, die weiterhin einen Wechselfluss von Spielern in Code S gewährleistet und gleichzeitig faire Chancen für Newcomer schafft, was die Sammlung von Erfahrung und den Aufstieg betrifft. Die Integrität des Wettbewerbs und der ganzen koreanischen Szene könnte somit gestärkt werden, die Zuschauer dürften mehr Matches und Storylines genießen.

Geduld gehört zu den wichtigsten Eigenschaften eines Schmieds. (Foto: R. Brown, Mill Forge Derbyshire)

So könnte auch das wichtige Problem des stagnierenden Talentpools in Korea angegangen werden: Neue Spieler müssen sich einen Namen machen können, müssen ihre Geschichten erzählen und eine Fanbase aufbauen dürfen. Sie brauchen Erfahrung und Anerkennung - die Höllenfeuer von Code A haben diese Chancen in der Vergangenheit geboten. Doch die Feuer dürfen nicht zu heiß und zu schnell ausbrennen. Die besten Schwerter werden langsam und mit vielen Schichten geschmiedet, nicht in einem einzelnen Durchgang.

Was denkt ihr dazu? Würde euch Code A als vollwertiges Turnier besser gefallen?

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Autor: Marco | TripleM

Mein Name ist Marco, ich bin Student und mittlerweile seit fünf Jahren in der Esport-Szene als Schreiberling aktiv. Mein "Fachgebiet" ist StarCraft (2), und hier vor allem die glorreiche Szene in Südkorea. Ansonsten bin ich sehr großer Fan von anderen Strategiespielen, egal ob in Echtzeit oder Runden. eSport-technisch bin ich außerdem in Dota 2 aktiv.

Darf ich eigentlich meinen Twitter-Account hier pluggen?

9. Februar 2016 - 21:43
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PlayAround
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18.04.2016 - 21:54
18.12.14
18

würde mir das alte code a format zurück wünschen also coda a als vollwertiges tunier. muss ja kein hohes preisgeld für den gewinner geben gab es damals ja auch nicht

der artikel ist sehr gut und informativ geschrieben :)

10. Februar 2016 - 20:14
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Muffinman
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29.12.2018 - 14:46
15.11.13
370

Ich fand auch die Code A von letztem Jahr vom System her besser. Ein BO5 ist einfach zu wenig. Allerdings muss ich gestehen, dass ich sie kaum geschaut habe. Ich hatte aufgrund meiner Arbeit schon Probleme die Code S immer mitzuverfolgen. Dort war aber aufgrund der 3 Seasons auch mehr los.

Diese Jahr werd ich wohl gelegentlich 2015 nachtrauern, ich hoffe das es nächstes Jahr zumindest eine Erhöhung der Seasons gibt und vielleicht auch eine Änderung des Code A Formats zu einer Gruppenphase bis zur RO8 oder RO16.

10. Februar 2016 - 21:32
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Muffinman
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29.12.2018 - 14:46
15.11.13
370

Ah, ganz vergessen.

Wie immer ein Super Artikel! hast du vor ein Buch zu schreiben über E-Sport? Ich würd es lesen :)