Facts for Fun

Spielen macht Spaß. eSport macht Spaß. Aber habt ihr euch mal gefragt, warum eigentlich? Weshalb sind Titel wie Starcraft, DotA und LoL so toll und suchterregend? Bonjwa begibt sich auf Spurensuche.

Max | Zahard 23.10.14

Die Arbeit is getan, der Magen gefüllt und der/die Freund(in) mit genügend Aufmerksamkeit bedacht, schon steht einem gemütlichen Abend vor der geliebten Unterhaltungskiste nichts mehr im Wege. So geht es mittlerweile vielen Menschen, denn Videospiele sind spätestens in den letzten Jahren zum Massenphänomen geworden und unterhalten ein großes Publikum. Und das ist nicht nur bei der jungen Generation so, wie vor einiger Zeit eine Studie von Electronic Arts (EA) feststellte. War 2003 der Durchschnittsgamer noch zwischen 18 und 23 Jahre alt, ist heute jeder dritte Zocker in Deutschland über 30 Jahre und fast jeder zehnte sogar über 50 Jahre. Der Statistik ist jedoch nicht nur zu entnehmen, dass die Spieler älter werden. Vielmehr zeigt sie auch, dass der Spaß an Videospielen nicht nur eine Sache der Reife, sondern auch der Generation ist, da eben jene Durchschnittsgamer der ersten Befragung zum Zeitpunkt der zweiten Studie (Mai 2014) die Ü30er Altersregionen repräsentierten. Auch für die Gründe zum Griff nach Gamepad und Maus gab es bereits Befragungen. So gaben beim Nielsenreport im Jahr 2008 80% aller Spieler an, dass sie unter anderem aus Spaß am Spielen daddeln würden. Für immerhin 55% ist auch die entspannende Wirkung bzw. der Stressabbau wichtig und 41% würden sich ohne Videogames langweilen. Geht man allerdings mit der überwältigenden Mehrheit, ist Spaß ein elementarer Bestandteil eines jeden Videospiels. Doch was braucht ein Titel, respektive eSport-Titel, um Spaß zu machen und wie lässt sich bei bereits etablierten Games wie Starcraft und Co. solcher abgewinnen?

eSpass

Die meisten Bonjwaner sind eSport-Begeisterte, weil sie es lieben sich mit anderen Menschen weltweit zu messen und stetig besser zu werden. Doch da dies unmöglich die einzigen Gründe sein können, aus denen sich Millionen rund um den Globus täglich in die Onlineschlachten stürzen, muss es noch weitere Facetten geben, die eine Videospiel erlebenswert machen. Hierzu hat der Gamesentwickler und Computerspezialist Marc "MAHK" LeBlanc, seines Zeichens mitverantwortlich für legendäre Titel wie "System Shock" und "Thief", auf der Internetseite 8kindsoffun.com acht verschiedene Eigenschaften zusammengetragen, die ein Game spielenswert machen. (Die Seite und Werte sind auf Englisch. Die Übersetzung ins Deutsche wurde von der Redaktion mit Fokus auf sinngemäße Bedeutung vorgenommen)

  1. Erregung/Empfindung (im Englischen "sensation"). Ein Spiel wie z.B Dead Space lebt vor allem von seiner dichten Atmosphäre und der Spannung, die es dadurch erzeugt. Natürlich fördern auch eSport-Titel Emotionen, jedoch nicht im selben Maße wie andere Action-Blockbuster. Das Überleben einer Einheit mit 10 Health oder das Zerstören des Cybernetic Cores mit dem letzten Stalker-Angriff lassen garantiert das Herz rasen, sind aber definitiv nicht der Hauptfokus des Spielerlebnisses.
  2. Fantasie ("fantasy"). Sowohl Dota und LoL, als auch SC II bedienen sich offensichtlich erfundenen Szenarien, um die Vorstellungskraft seiner Konsumenten zu bedienen. Das Eintauchen in ein fremdes Universum mit einer eigenen Realität lässt den drögen Eindruck des Alltags vergessen und spielt bei fast allen eSport-Titeln eine mehr (siehe oben) oder minder (z.B. World of Tanks) große Rolle. Besonders deshalb zählt das Schlüpfen in die Haut eines mächtigen Magiers oder überlegenen Strategen zu den wohl größten Spaßfaktoren von Videospielen überhaupt.
  3. Geschichtenerzählung ("narrative"). Nun gut, die Story der Starcraft II - Trilogie übertrifft an Inszinierung und Aufmachung nahezu jeden Blockbuster und fesselt fast alle, die sie verfolgt haben, besitzt im Multiplayer-Modus aber leider keine Bedeutung. Allgemein kann ein eSport-Titel nahezu unmöglich eine Geschichte erzählen, da der Fokus zu 100% auf dem gebalancten Gameplay liegt, die Matches sich wiederholen und der Ausgang vom Skill der Spieler abhängt.
  4. Herausforderung ("challenge"). Auch wenn in diesem Zusammenhang eher ein Geschicklichkeitsparcours gegen das Spiel selbst gemeint ist, kann man diesen Begriff durchaus auch auf das Messen mit anderen erweitern. Tut man dies, erkennt man wohl den Leitgedanken unseres Hobbies überhaupt: Der Wettbewerb mit anderen Spielern rund um die Welt zählt bereits mit dem Release der ersten Counter-Strike Versionen zu einem der boomensten Branchen im Gamingbereich und motiviert rund um den Globus mehrere Millionen von Menschen, sich täglich in denen von ihnen favorisierten Titeln zu messen. Dieser Spaß an der Herausforderung durch Gegner aus Fleisch und Blut ist überhaupt erst der Grund, warum Bonjwa und eSport existieren können.
  5. Kameradschaft ("Fellowship"). Für Starcraft als überwiegendes 1vs1-Spiel absolut unbedeutend, aber für das Moba-Genre definitiv ein großer Teil des Spielspaß. Das Gefühl eines gemeinschaftlichen Sieges über die Gegner ist definitiv extrem motivierend, hängt jedoch auch stark von den Mitspielern ab. Besonders League of Legends hat oft mit dem Umgangston innerhalb seiner Gemeinschaft zu kämpfen und schöpft dadurch sein Spaßpotenzial in dieser Kategorie nicht voll aus. Trotzdem bleibt das Zusammensein mit anderen Menschen aus fernen Ländern, die gerade mit dir das Game gewinnen, ein tolles Erlebnis.
  6. Entdeckungslust ("Discovery"). Während hier vor allem Rollenspiele mit riesigen erforschbaren Gebieten stark auftrumpfen, können eSport-Titel dies nur schwer bieten. Um Chancengleichheit zu gewähren sind die Maps meist von geringer Anzahl, da gut ausgetestet, bzw. nur eine wie im Falle der meisten Mobas. Jedoch kann die Entdeckungslust auf andere Art und Weise befriedigt werden und zwar durch Builds. Sicherlich werden viele Versuche fehlschlagen, aber entdeckt man eine neue Spielweise für seine Lieblingsrasse, bzw. Champ/Hero, ist das defintiv ein Hochgefühl.
  7. Veräußerung ("expression"). Bemisst man diesen Spielspaß in einem Preis, würde dieser wohl 2,5 Milliarden Euro betragen. So viel war Microsoft die Firma "Mojang" wert - die Entwickler von Minecraft rund um Schöpfer Markus "Notch" Persson. Doch die Möglichkeit sich auszudrücken und zu profilieren, spielt nicht nur in Minecraft eine Rolle. Durch die Verkörperung unterschiedlicher Rassen oder Charakteren zeigt auch der Spieler, wer er gern sein möchte oder was er gern können würde. Gebieter über den Wind oder edler Beschützer des Universums sind nur einige wenige Rollen, die im Repertoire enthalten sind. Auch durch Builds und Spielweisen können Gamer sich ausdrücken und Aufsehen erregen, zwar nicht in dem Maße wie es Notchs bereits jetzt zeitloser Klassiker macht, aber doch in gewisser Weise.
  8. Zeitvertreib ("submission"). Auch wenn dies wohl nicht als Spaß an sich zu verstehen ist, stellt es doch auch eine Facette dar, die ein Videogame spielenswert macht. eSport-Titel leben sogar oft davon, dass es lange braucht bis man ein gutes Level an Können erreicht und nochmal einiges mehr, um den Profibereich zu betreten. Wäre dies nicht der Fall, würden Spiele wohl kaum Zuschauer haben und Twitch.tv an solches um einen großen Teil seiner Viewer ärmer. Generell sind unterhaltsame Spiele schön und gut, aber wenn sie nur von kurzer Dauer sind, ist ihr Wiederspielwert schnell verbraucht.

Spiel, Spass und freude

Viel und oft wurde in mehr oder minder freundlichem Tonfall diskutiert, ob Gamer die nur des Spaßes wegen spielen, gute eSportler sein können. Auch wenn eine endgültige Bewertung wohl jedem selbst überlassen werden muss, kann man aus dieser Auszählung durchaus logische Schlüsse ziehen. Natürlich sind für jeden Spielertyp andere Spaßfaktoren wichtiger, aber gehen wir mal für die folgende Folgerung davon aus, dass sich die Präferenzen statistisch verteilen, sodass in der Gesamtheit alle Werte gleich wichtig sind. Jedem Freizeitvertreib liegt normalerweise das Ziel von Spaß zugrunde und betrachtet man nun einen eingefleischten Hardcoregamer, der nur um des Gewinnens wegen spielt, ergeben sich für ihn nur die Spaßfaktoren der "Herausforderung", des "Zeitvertreibs" und eventuell noch der "Erregung". Ein Spieler, der hingegen zusätzlich noch seine Teamkameraden genießt ("Kameradschaft") und dabei seinen Lieblingscharakter - respektive Rasse - kontrolliert, besitzt mehr Spaßfaktoren und hat damit in der Regel auch mehr Vergnügen als sein Möchtegern-professioneller Konterpart. Hier liegt auch ein Geheimnis für langanhaltenden Spaß am eSport: Es verlangt zwar einiges an Eigenkontrolle, aber es ist durchaus möglich, verschiedene Spaßfaktoren gegeneinander auszutauschen, bzw. die Prioritäten zu verschieben. Spielt man allzu sehr für den Sieg über andere und wird dadurch frustriert, sollte man vielleicht eine Pause von diesem oft als "try-hard" (engl. für stark versuchen) betitelten Verhalten nehmen und öfter den eigenen, wenn auch momentan nicht ganz so starken, Lieblingschampion/Hero spielen und neue Sachen ausprobieren.

Ob man dies in einem Ranglistenspiel oder einem ungewerteten Match macht ist dabei irrelevant, da auch wenn man experementielle Builds probiert immer sein Bestes geben sollte, wenn man den sicherlich dann weniger priorisierten Part immer noch für wichtig hält. Erst wenn das Messen mit anderen KEIN Grund ist aus dem man spielt, sollte man aus Rücksicht anderen gegenüber nicht mehr an Ranglistenspielen teilnehmen (wobei dies meist automatisch passiert, da die Atmosphäre in ranked Games meist unentspannter ist). Das Flamen eines Mitspielers dafür , dass er also etwas Neues im Ranked ausprobiert ist folglich sinnlos, da er durch die bewusste Wahl dieses Modus impliziert, dass er trotzdem sein Bestes geben wird, um mit seinem Team zu gewinnen. Nicht zuletzt fingen auch Builds, die von Profis gespielt werden wie Shadow Fiend mit Mekansm oder Janna mit Mejais als Versuche in der Solo Queue an. Es bleibt also egal, ob man Chen oder Pudge, Urgot oder Lucian spielt. Solange bei all dem Fokus auf das Gewinnen der Spielspaß nicht zu kurz kommt, steht dem eSport nichts im Weg.

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Autor: Max | Zahard

Als Student aus Leidenschaft schimpft man mich Redakteur in den Diensten Bonjwas. Meine eSport-Karriere begann mit der Spielzeug-Raserei Trackmania Nations vor ungefähr 7 Jahren und fokussiert sich momentan zu 100% auf Overwatch. Ein Game für die Götter :3

Außerdem zock ich leidenschaftlich Victoria 2 und Europa Universalis 4.

25. Oktober 2014 - 11:35
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CWeS_Neuling
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10.03.2017 - 17:50
20.12.13
9

Der Typ heißt doch nicht ernsthaft LeBlanc mit Nachnamen oder? :D

25. Oktober 2014 - 22:42
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Zahard
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15.04.2018 - 18:31
26.11.13
189

Doch heißt er. Ich musste auch glucksen nachdem Wiki es mir versichert hat ^^