Kommentar: Passion restored

Auch wenn Starcraft in den letzten Jahren an Popularität eingebüßt hat, gibt es sie noch - die Rückkehrer, die der Weltraumoper aufs Neue verfallen und sich wagemutig in die Ladder stürzen. Unter ihnen sind auch zwei Bonjwa-Redakteure: Chrissi aka "Coolhand" und Max aka "Zahard".

Max | Zahard 08.10.16

"Was man nicht aufgibt, hat man nie verloren", und auch wenn Schiller sicherlich nicht Starcraft-Gedanken beim Schreiben seines Werkes "Maria Stuart" hatte, kann sich manch ein Gamer in diesen Worten wieder erkennen. Nicht selten passiert es, dass man aufhört ein bestimmtes Spiel zu zocken, ohne wirklich die Lust an ihm zu verlieren. Ein regelrechtes Gefühl des Bedauerns kommt auf und zwangsläufig steht die Frage im Raum: "Warum zieht es mich nicht mehr in die Ladder, obwohl ich das Game immer noch so toll finde?" Als hätte man ein Stück Leidenschaft verloren - ohne zu Wissen, warum.

Here we go again

Doch wer nicht aufgibt, kann auch verloren geglaubte Leidenschaft wiederbeleben. Dass dies nicht aus einem Bauchgefühl geschieht, liegt allerdings nahe. Viel mehr heißt es, die Gelegenheit am Schopfe zu packen, wenn der innere Schweinehund gerade unachtsam ist. Ähnlich geschehen in unserer lieben Redaktion.

Da Organisations-Mastermind Chrissi momentan ohne vernünftigen PC auskommen muss, bleibt nur der Laptop als letzte Wahl der Suchtbefriedigung. Doch was zockt man bei fehlender Rechenleistung am besten? Lieber CS:GO mit 5 fps - oder eben Starcraft II mit 20? Die Wahl ist leicht und so trauten wir uns nach Monaten der Abstinenz wieder an Blizzards ehemaligen Klassenprimus.

Nicht, dass man Starcraft II nicht mehr mochte - im Gegenteil! Immer wieder hieß es in der Redaktion: "Mensch, man müsste mal wieder LotV zocken!" oder "Man, da hätte ich richtig Bock drauf!", doch so richtig konnte sich keiner durchringen, wieder loszulegen. Doch allen Vertagungen zum Trotz macht die Not erfinderisch - 2vs2 - Protoss/Zerg - weitestgehend buildlos begann das Chaos und vor allem der Spaß!

Die erste Runde startet und wie so oft im Leben versucht man angesichts der drohenden Herausforderung die letzten Erinnerungskrümel zusammenzukratzen. Welche Unit-Zusammensetzung kontert den Gegner, wann sollte ich eine Expansion nehmen und worauf teche ich anfangs am besten? Es ist, als würde man nach jahrelangem Sitzen wieder anfangen zu laufen. Dass die ersten Schritte schwer fallen, das liegt nahe.

Leicht irritiert nehmen wir die nahe gelegenen Basen und konzentrieren uns ersteinmal auf uns. Arbeiter produzieren, Tech-Gebäude bauen und Hotkeys verinnerlichen - tatsächlich agieren wir wieder wie absolute Anfänger. Nicht dass wir das Spiel nicht mehr kennen, es ist vielmehr, dass die Finger sich nicht daran erinnern wollen, wie man überhaupt mit all den Aktionen und Möglichkeiten gleichzeitig klarkommt.

Ein erster Scout offenbart: Den Gegner scheint es ähnlich zu gehen. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, während sich in klassischer WoL-Manier die Deathballs langsam aufbauen. Wenig später sind sowohl Chrissi als auch ich maxed. Selbstbewusst pushen wir rüber und überraschen unsere Gegner, wodurch ihre Armeen einzeln an unserer gigantischen Einheitenschar zerschellen. Ein erster Sieg - es sollten bisher nicht mehr viele folgen - und unser Hunger war geweckt.

Zusammen sind wir leidenschaftlicher

Wie schnell einen der Strudel mitreißen kann, merkten wir kaum zwei Tage später. Während Niklas nach zwei Stunden bereits über die Anstrengungen klagt, die Starcraft dem Spieler abfordert, verbrachten wir satte vier Stunden am Stück in der Ladder, nur um uns neben einigen Siegen mehr als drei mal so viele Niederlagen zufügen zu lassen. Wahrlich, vom Skill geküsst wurden weder Chrissi noch ich. Doch das tat dem Spielspaß keinen Abbruch.

Denn auch wenn wir knapp drei Viertel aller Spiele verloren haben: Unsere Motivation ist ungebrochen. Das hat vor allem mit unserer Einstellung zu tun: Wer nur zockt, um zu gewinnen, verliert allzu schnell die Lust nach Niederlagen. Doch die gehören ebenso zum Game dazu, wie die dadurch umso glorreicheren Siege. Der Anspruch sich zu verbessern und stetig am eigenen Können zu arbeiten, ist eindeutig nicht an das Spielresultat gebunden!

Doch auch das Teamplay spielt eine große Rolle, um verloren geglaubte Leidenschaft neu zu entfachen. Anfangs noch wild durcheinander expandierend, stimmt man sich schnell genauer ab, wer welche Aufgabe übernimmt und wie die eigenen Truppen am effektivsten die gegnerische Zusammenstellung kontern. Nicht, dass alles sofort ähnlich einem Uhrwerk passend ineinander greift. Das Teamplay beginnt sich jedoch deutlich zu verbessern.

Diese erleichterte Eigenständigkeit jedes Spielers für sich könnte vor allem für eher unerfahrenere Rückkehrer eine starke Einstiegshilfe bieten. Besonders in einem persönlich verbundenem Team, das sich auch außerhalb des Games kennt, steigt die Frustresistenz und sinkt die Hemmschwelle zum Laddern deutlich. Dieser Effekt dürfte vielen Leuten besonders im Fitness- oder Sportbereich bekannt sein, um den inneren Schweinehund zu bekämpfen!

Dass dies aber auch für 1vs1-gewöhnte eSportler ein legitimer Weg ist, um sich an die alte Liebe wieder heranzutasten, zeigt der unverändert hohe Anspruch an die Fähigkeiten des Einzelnen. Sicherlich ist es ausreichend, wenn sich weniger erfahrene Spieler Dinge wie Scouten und Harrassen aufteilen. Aber wenn beide Teampartner diese (in Symbiose) zusammen gestalten, ist ihre Effektivität ungleich höher.

Dass gute Ladderpartner - wie Chrissi - nicht immer für jeden zur Hand sind, muss allerdings niemanden abschrecken. Wer keine Starcraft-affinen Freunde hat, kann ganz einfach in unserem Forenbereich nach Trainings- und Teamkollegen Ausschau halten!

Wie sieht es in eurer Starcraft-Karriere aus:

Ist die Leidenschaft ungebrochen oder fehlt euch die Motivation?

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Autor: Max | Zahard

Als Student aus Leidenschaft schimpft man mich Redakteur in den Diensten Bonjwas. Meine eSport-Karriere begann mit der Spielzeug-Raserei Trackmania Nations vor ungefähr 7 Jahren und fokussiert sich momentan zu 100% auf Overwatch. Ein Game für die Götter :3

Außerdem zock ich leidenschaftlich Victoria 2 und Europa Universalis 4.

8. Oktober 2016 - 20:20
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Lorgi
Core
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05.09.2018 - 18:51
26.04.16
172

Dass die Motivation fehlt kann ich nicht behaupten, aber die Zeit, die ich noch ins Zocken stecken kann fließt eher in Dota, weil ich da nicht alleine oder nur mit einem, sondern gleich mit vier Stamm-Kollegen spiele, was irgendwie mehr Spaß macht.

Das Phänomen generell kenn ich aber zu gut. Manchmal habe ich absolut keine Lust mehr auf ein Spiel und dann nach Monaten oder sogar Jahren krame ich es mal wieder heraus und es ist wie früher, als würde man es das erste mal öffnen. :D

9. Oktober 2016 - 3:13
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Coolhand
Benutzer
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18.09.2018 - 09:29
26.02.15
96

Ich möchte noch hinzufügen, dass wir tatsächlich mit jedem Spiel uns weniger hektisch angeschrien haben und dafür Verwendung für taktische Ausdrücke wie "geh mal scouten" oder " ich teche jetzt auf Hydras" gefunden haben. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Außerdem: Die einen Gegner waren sogar Grandmaster. Grandmaster!!!!