Speedruns - eine eigene Form des eSports

Anlässlich der am 10.01.2015 beendeten Charity-Aktion "GamesDoneQuick" stellt euch Bonjwa heute den Mikrokosmos der "Speedrunner" mal etwas genauer vor.

Max | Zahard 16.01.15

Viele haben es gesehen und wer einigermaßen regelmäßig auf Twitch.tv unterwegs ist, kam sowieso kaum darum herum. Das vom 4.1. bis 11.1.2015 abgehaltene Charity-Event von AwesomeGamesDoneQuick (AGDQ) war publikumsmäßig absolute Spitze und kam zwischenzeitlich auf bis 150.000 Zuschauer. Insgesamt wurden fast 1.400.000 $ für die Krebsvorsorge zusammengetragen und ein unglaubliches Kontingent an Spielen von den verschiedenen Runnern vorgestellt. Sicherlich hat die Aktion an sich auch viele Zuschauer auf den Stream gelockt, aber das Interesse an Speedruns scheint in der Spielerschaft vorhanden zu sein und doch ist der Kreis dieser Gamer eher klein und eingeschworen. Aber woher kommt der Trend überhaupt, wie hat alles angefangen und kann ich vielleicht sogar selbst damit anfangen?

Die Anfänge des eSports "Speedrun"

Bereits seit Jahrtausenden wetteifern Sportler um die beste Zeit oder das beste Ergebnis und das Austauschen von Spielzeiten ist nur eine weitere Fortsetzung dieses Gedankens. Allerdings ist nicht jedes Durchspielen auf Zeit ein Speedrun. Grundsätzlich soll das primäre Ziel nicht die schnellste Zeit an sich sein, sondern ist zu unterscheiden, ob es sich um das bloße Erreichen der Credits/Besiegen des letzten Bosses, Besiegen aller Endbosse oder aber um einen sogenannten 100%-Run handelt. Spiele wie Forza oder ähnliches sind also nicht als Speedrun geeignet. Zusätzlich muss immer unterschieden werden, welches Ziel der Durchlauf hat. Es gibt noch viele weitere verschiedene Speedrun-Arten, aber vor allem Erstere ist die beliebteste. Cheats sind natürlich grundsätzlich verboten, aber das Ausnutzen von Bugs und Glitches ist meistens erlaubt, bzw. wird leicht eingegrenzt, wenn das Spiel wirklich extrem verglitcht ist (wie bspw. Zelda Ocarina of Time).

Das erste Spiel das alles mitbrachte um den Gedanken des Speedruns zu fördern, war Doom von id Software aus dem Jahr 1993. Jeder Endbildschirm eines Abschnitts hatte eine Zeitangabe und einen Vollständigkeitsindikator, welche die Ergebnisse der Spieler vergleichbar machte. Das wichtigste Feature war allerdings die Möglichkeit sogenannte "Demos" aufzunehmen. Diese speicherten alle Eingaben die während des Zockens gemacht wurden, wie Schüsse und Bewegungen, in einer kleinen Datei. Dank ihrer geringen Größe konnte sie auch über den damals üblichen Modemanschluss mit dem Internet geteilt werden. Der Lauf ließ sich dadurch leicht rekonstruieren und Cheats waren ebenfalls deutlich erkennbar. Zusammen mit seinem Nachfolger Doom 2 (1994) bildete es die erste Grundlage für eine erste größere Speedrun-Community "compet-n", die noch bis 2005 Doom 1 und 2 Demos sammelte. Hier entstanden auch erstmals verschiedene Speedrun-Varianten, die jeweils eigene Ranglisten hatten (alle Geheimnisse, unterschiedliche Schwierigkeitsgrade usw.).

Der nächste große Sprung in der Geschichte dieser Leidenschaft war Quake, welches als geistiger Nachfahre von Doom ebenfalls von id Software entwickelt wurde. Dieser Titel war wesentlich schneller als seine indirekten Vorgänger und bot mit seinem damals einmaligem Gameplay viele neue Möglichkeiten für den Spieler. So war es dank der Sprungmechanik erstmals möglich durch sogenanntes "Bunny-hoping" und "Strafe-jumping" (durch permanentes Springen kommt man schneller voran als beim Laufen), die Geschwindigkeit in der man Level beendet drastisch zu erhöhen. Kombiniert mit der Möglichkeit "Rocket- und Grenade-jumps" (Beschleunigung des Spielcharakters durch Raketen- bzw. Granatenexplosion, wobei der Schaden für den Effekt toleriert wird) konnte man komplett neue Bestmarken realisieren.

Bald wurde mit "Quake Done Quick" auch eine Seite für das, nun auch mit Videos belegte, Speedrun-Material gegründet. Die Macher hinter der Seite, selbst leidenschaftliche Speedrunner, beschlossen dann die beeindruckendsten Läufe in einem eigenen Video zusammenzuschneiden, welches in der Folge das erste seiner Art war und viele weitere nach sich zog. Die Beliebtheit dieser Kreationen stieg rapide und holte das Hobby aus dem Keller und machte es salonfähig. 1998 erfolgte dann die Umbenennung in "SpeedDemosArchive", welches ab 2004 neben Quake auch andere Speedruns sammelte und heute zu den größten seiner Art zählt. Außerdem sind sie die Veranstalter des jährlichen AGDQ-Events, welches zuvor bereits erwähnt wurde.

Ein ebenfalls entscheidener Sprung in seiner Geschichte war die Entwicklung von sogenannten "tool-assisted" Speedruns (aus dem Englischen für "Geräte unterstützt"). Wie bei fast allem was durch schnelle Reaktionen verbesserungsfähig ist, bildet die menschliche Reaktionszeit ein großes Hindernis beim Herantasten an die optimale Zeit. Folglich kamen bereits zu 8-Bit Zeiten Programme auf, die solche Vorgänge optimieren sollten. Die Software ermöglichte es dem Game Aktionen des Spielers vorzugaukeln, also das Drücken von Tasten und andere Eingaben framegenau abzustimmen und so eine nahezu perfekte Zeit zu generieren (Im Prinzip als wenn ein Roboter das Spiel spielt). Probleme dieser Methode waren vor allem, dass der Titel keinerlei Zufallsaktionen in den Leveln enthalten durfte und dass jedes Game ein eigenes Programm benötigte. Auch änderte sich der Zielgedanke des Hobbys, der sich nicht mehr durch den menschlichen Könnensvergleich, sondern durch das Erreichen der absolut kleinstmöglichen Zeit kennzeichnet. Logischerweise werden beide Arten von Speedruns streng getrennt und haben jeweils eigene Communities.

Selbst anfangen mit Speedrunning

Aller Anfang ist schwer sagt man immer, aber auch wenn das Zugucken oft den Eindruck der kompletten Chancelosigkeit gegenüber eingefleischten Speedrunnern hinterlässt, muss der Einstieg in die Szene nicht schwer sein. Grundvoraussetzung ist insbesondere das Vorhandensein eines Spiels, das einem wirklich Spaß macht und welches im Optimalfall bereits von anderen Speedrunner gespielt wird. Da man für das Herausfinden und/oder Optimieren der besten Route viel Zeit benötigen wird, bleibt besonders dieser Punkt essentiell für die eigene Motivation. Daher ist es auch grundsätzlich falsch Speedrunnern vorzuwerfen, sie würden das eigene Lieblingsspiel nicht würdigen, da sie durch ihre Fähigkeiten bereits implizieren, dass sie viel Zeit darin investiert haben.

Wenn man denn begonnen hat, auf Leistung zu spielen, sollte man sich vorher definitiv Material von anderen Speedrunnern angucken um zumindest die Basics des betreffenden Titels zu erlernen. Hat man diese erst einmal verinnerlicht, kann man sich an immer schwierigere Cuts heranwagen, bis man irgendwann vielleicht sogar in der Lage ist, selbst einige zu finden. Man sollte seine Meilensteine immer wieder festhalten und hochladen um nicht nur sich, sondern auch andere Speedrunner stetig anzuspornen sich zu verbessern.

Da viele beim Durchlesen der Zeilen wahrscheinlich mit den Gedanken bei der Wahl des Games hängengeblieben sind, empfehlen wir jedem, auch wenn man bereits ein Spiel im Sinn hat, die Seiten speedrunslive.com oder speeddemosarchive.com zu besuchen. Diese bieten nicht nur eine sehr große Auswahl an verschiedenen Spielen, sondern auch die Möglichkeit ihre Datenbanken durch Eingabe seines eigenen Favoriten zu erweitern und so doch noch Gleichgesinnte zu finden. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch, nämlich dass beide Seiten, wie die Adressen bereits andeuten, nur auf Englisch verfügbar sind. Wem eine Website auf Deutsch lieber ist, muss mit einer ungleich kleineren Community auskommen. Lediglich eine einzige deutschsprachige Seite mit Aktivität in den letzten Wochen ließ sich auffinden und diese befindet sich sogar noch im Aufbau. Falls ihr noch eine gute Anlaufstelle oder ein passendes Spiel für einen Speedrun kennt, teilt sie uns gerne in den Kommentaren mit.

Wer diese Voraussetzung allerdings erfüllt, kann sogar an einem extra für Anfänger stattfindenden Event vom 17.1. bis zum 31.1.2015 teilnehmen. Jeden Samstag (also am 17.1., 24.1. und 31.1.) gibt es ein anderes sehr einsteigerfreundliches Spiel, welches dann live per Stream übertragen wird. Alles was nötig ist, bleibt die Möglichkeit selbst zu streamen. Was genau ihr machen müsst und wie ihr teilnehmen könnt, findet ihr im zugehörigen Post. Durch die Zeitverschiebung (Der Server sitzt in den USA) hat man sogar den Vorteil, dass das Event erst um 20:00 Uhr (2 pm EST = 14:00 Estern (American) Standard Time) beginnt, wodurch auch Arbeitstätige die Chance haben dabei zu sein.

Aber auch wenn ihr nicht daran teilgenommen habt, gibt es nichts was davon abhält selbst mit Speedrunning anzufangen. Alles was man braucht ist ein Spiel, Motivation und Ausdauer.

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Autor: Max | Zahard

Als Student aus Leidenschaft schimpft man mich Redakteur in den Diensten Bonjwas. Meine eSport-Karriere begann mit der Spielzeug-Raserei Trackmania Nations vor ungefähr 7 Jahren und fokussiert sich momentan zu 100% auf Overwatch. Ein Game für die Götter :3

Außerdem zock ich leidenschaftlich Victoria 2 und Europa Universalis 4.

17. Januar 2015 - 13:49
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sumish
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13.02.2017 - 14:17
02.01.14
97

Speedruns im Sinne von Spiele so schnell es geht durchzuspielen sind irgendwie nicht so meins... ich kann mich da auch nicht sonderlich hinterklemmen.

Was ich aber leidenschaftlich gerne mache ist bhoping in CS:S und mittlerweise CS:GO... das ist ja auch eine Art des Speedruns, da es immer um die beste Zeit geht.

Es macht unglaublich viel Spaß, auf komplizierten Maps den effizientesten Weg zu finden, mit dem man am meisten Steine überspringen kann oder besser um Ecken kommt.

Ich schätze mal das ist so ziemlich das Selbe in Grün :D

17. Januar 2015 - 14:05
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Zahard
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15.04.2018 - 18:31
26.11.13
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Wenn mans genau nimmt, ist dann eben kein Speedrun, da die Bestzeit das Spielziel an sich ist. Das darf ja aber laut Definition eigentlich nicht der Fall sein.

Ich find aber die Palette an Jump&Run-mäßigen Spielmodi in CS:GO sehr interessant und das Subgenre ist definitiv auch eine besondere Form des eSports.

17. Januar 2015 - 15:46
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Dradow
Core
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24.07.2018 - 17:31
05.12.13
223

Es gibt auch Speedruns für einzelne Maps bei Rennspielen, also denke ich, dass man Bhop, KZ und Surfen da auch mit reinzählen kann, wenn auch nur entfernt.

14. Mai 2015 - 19:16
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Lordcool205
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16.07.2015 - 19:53
03.07.14
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