Welt des eSports: LAN-Party

It's Party time!

Patrick | Padierfind 31.10.14

LAN-Party, die

Bedeutung: Veranstaltung, bei der die Teilnehmenden mithilfe eines LANs gemeinsam Computerspiele spielen.

Lautschrift: [ˈlaːnˌpaːɐ̯ti]

Herkunft: LAN (Abkürzung vom englischen Local Area Network =“Lokales Netzwerk“); Party (vom englischen Substantiv party =“Feier“)

Grammatik "Die LAN-Party“; Plural = "Die LAN-Partys";

Beispielsätze: „Ich gehe morgen auf eine LAN-Party.“ Mein 16. Geburtstag war eine LAN-Party!

Allgemeines

Ein paar Paletten Energydrinks, einige Stapel Tiefkühlpizza, genügend Computer, die im Keller aneinander gereiht werden und schon steht alles für nächtelanges Daddeln auf der eigenen LAN-Party bereit. Doch wer ist eigentlich dieser LAN und warum schmeißt er so viele Partys? Was haben diese dubiosen LAN-Partys mit eSport zu tun? Und warum ist die eigene Festplatte nach diesen Zusammenkünften immer überfüllt? Erneut dient euch die Bonjwa-Redaktion als Retter in der Not und hat die Antworten zu diesen und vielen weiteren Fragen parat.

Geschichte der LAN-Party

Schon seit Anbeginn des Gaming-Zeitalters wird der geneigte Spieler von der Lust geplagt, seinen heimischen Gamingkeller mit Artgenossen zu teilen. Gibt er diesem Verlangen nach, so endet das meist in einer der soeben beschriebenen Veranstaltungen, bei denen der Fokus komplett auf dem gemeinsamen Spielen liegt. Was sich noch vor wenigen Jahren nur für eine Handvoll hart gesonnener Gamer nach Spaß anhörte, entwickelte es sich trotz etlicher Hürden zu einem Massenpänomen. Die Tatsache, sich zunächst diverse PCI-Netzwerkkarten kaufen zu müssen und dem Umstand, dass man sich mit einigen nicht für ihre Nutzerfreundlichkeit bekannten Programmen sowie Betriebssystemen auseinandersetzen musste, wurde kurzerhand in Kauf genommen. Es wurden immer größere LAN-Partys mit hundert verbundenen Computern organisiert, auf denen eine Vielzahl von Spielen, an die auch heute noch mit Wehmut zurückgedacht wird, ihre besten Tage erlebten.

Neben dem Aufblühen vieler dieser Meilensteine in der Spielgeschichte wie beispielsweise Doom, Unreal Tournament und vor allem Counterstrike, so gab es noch massenhaft andere große Momente in der Geschichte der LAN-Partys. Nicht nur die regelmäßig stattfindende DreamHack, die bereits einige Male ihren eigenen Weltrekord knackte und derzeit bei einem Besucherrekord von 22.810 Personen liegt, sorgt immer wieder für Aufsehen. Auch in Deutschland wurden schon einzigartige LAN-Partys veranstaltet: Als bestes Beispiel dient hier natürlich die unvergleichliche LAN-Party im Bundestag 2011. Diese sorgte dafür, dass sich viele Politiker zum ersten Mal aktiv mit Gaming auseinandersetzten, um das Thema in einem öffentlichen Rahmen kommentieren zu können. Auch die Northcon, die gemeinhin als größte LAN-Party Deutschlands bekannt war und mehrere Besucherrekorde im deutschen Raum hält, konnte neue Maßstäbe in der deutschen Spielerszene setzen. Trotz dieses Erfolgs konnte sich der Veranstalter nicht vor der Insolvenz retten, weswegen die letzte und auch beliebteste Northcon im Jahre 2013 stattfand. Ungeachtet aller wunderbaren Erinnerungen an gemeinsame Offline Events, wurde mit der Entwicklung des Internets und der weitflächigen Implementierung von Online Modi in allen gängigen Mehrspieler-Games, die Anzahl der veranstalteten LAN-Partys sowie die Besucherzahl immer kleiner. Statt weitere LAN-Partys zu veranstalten, traff man sich lieber Online. So kann natürlich jeder bequem von Zuhause aus mitdaddeln und sich das benötigte Geld, die Zeit und der Aufwand sparen, zu einer LAN-Party zu kommen, geschweige denn eine zu organisieren.

Das Phänomen in allen Einzelheiten

Eine LAN-Party startet mit den bereits erwähnten Vorbereitungen in puncto Essen und Trinken, schließlich muss bei dem mindestens 16-stündigen Event die Verpflegung der Teilnehmer gewährleistet sein. Häufig bringen alle Partygänger auch eigenen Proviant mit, welcher bevorzugt während des Gamings verzehrt wird. Zusätzlich zu ihren PCs, muss jeder der Kommenden auch ein Patchkabel für seine Verbindung zum Router/Switch mitbringen. Dieser wird in den meisten Fällen vom Gastgeber bereitgestellt. Ganz wichtig für Neulinge sei hier erwähnt, dass unbedingt ein Patchkabel und kein Crossoverkabel in die Partytasche wandert - mit letzterem kann man lediglich zwei Computer oder Switches miteinander verbinden, nicht aber einen Computer mit einem Switch. Nachdem sich die Teilnehmer von Mutti mitsamt Gaming-Equipment zur Party haben fahren lassen, geht es ans Aufbauen. Geübte Partyhengste schaffen diesen Vorgang innerhalb von wenigen Minuten, Anfänger brauchen meist ein bisschen länger, bis sie endlich die Sound-Stecker in die passenden Anschlüsse gesteckt haben.

Dann treten für gewöhnlich die ersten Probleme auf: Max lässt sich nochmal nach Hause fahren, um erwähntes Patch- oder gar sein Netzwerkkabel zu holen. Schließlich fallen die Funkmäuse von Julian und Dennis aus, die sich sowas aus unerfindlichen Gründen angeschafft haben und Alex verschüttet Cola über sein Keyboard. Nach mehreren Stunden frustrierenden Verbindungsversuchen, haben Moritz und Matteo endlich einen Ping zueinander und spielen Halo. Johannes vergnügt sich in irgendeinem Singleplayer und die restlichen Jungs schieben sich per USB die neuesten Schmuddelfilme zu. Bis endlich alle miteinander verbunden sind, fallen Valentin auch schon die Augen zu und legt sich zu Fabian im Raum nebenan schlafen. Der harte Kern zockt noch bis zum Sonnenaufgang und malt den Schlafenden mit Edding diverse Geschlechtsteile und Protoss-Einheiten auf die Gesichter. Als der Morgen graut und die Mütter vor der Tür stehen, sind die meisten froh, dass sie endlich in ihr eigenes Bett können. Ali und Jakob zocken noch hartnäckig bis zur letzten Minute, um die kostbare Zeit noch auszunutzen und schließlich ist die grandiose LAN-Party auch schon vorbei.

Bedeutung für den eSport

Beim Aufeinandertreffen vieler begeisterter Gamer, die sich auf engem Raum mit ihren Lieblingsspielen einfinden, sind Rivalitäten vorherbestimmt. Wer besitzt die bessere Rüstung? Wer kann den Bossgegner schneller besiegen? Oder auf das Wesentliche herabgestuft: Wer ist der bessere Spieler? So kamen auf vielen LAN-Partys kleinere Turniere auf, bei dem die Spieler nicht nur miteinander spielen, sondern ihren kämpferischen Geist zeigen und sogar Preise gewinnen konnten. Aus diesem Grund erscheint es nicht gerade abwegig zu sagen, dass die Geburt des eSports auf einer LAN-Party statt fand. Um dem Willen der Beste zu sein gebührend zu feiern, wurden natürlich Titel bevorzugt, die den Wettkampfgedanken schon von Grund auf als wichtiges Spielelement verwendete. Das ist sicherlich einer der Gründe, warum sich Spiele wie Warcraft III, Counter Strike 1.6 oder Quake großer Beliebtheit auf diversen LAN-Partys erfreuten. Neben der Förderung dieses Wettkampfgedankens, boten LAN-Partys völlig neue Möglichkeiten: Beispielsweise die Chance, Spieler vor Ort überwachen zu können, was einen ganz sicheren Schutz vor Cheatern bot.

Mit dem Wachstum dieser Veranstaltungen und dem zunehmenden öffentlichen Interesse an ihnen, stiegen die Preisgelder, die Spieler- und Zuschauerzahlen. Erste professionelle Teams, wie SK Gaming bildeten sich und sorgten für völlig neue Wege, dem Spiel zu begegnen. Große LAN-Events wie die vorhin schon erwähnte DreamHack zum Beispiel, bei der zahlreiche Spieler auch heute noch um viele Tausend Euros spielen oder die internationalen World Cyber Games, die 2009 ein Rekordpreisgeld von 500.000 Euro ausschütteten. Diese Events sorgten dafür, dass sich der eSport zu einer der größten, aber immer noch stetig wachsenden Nische des Gamings entwickelt hat. Trotz alledem konnte auch der Aspekt des eSports die traditionellen LAN-Partys nicht vor ihrem Verfall bewahren. Die Spiele wurden Online-fähig, massentauglich und vor allen Dingen Cheat-sicherer, als es noch zu den Blütezeiten der LAN-Partys der Fall war. Deswegen wurden viele LAN-Partys durch Online Turniere ersetzt, die wesentlich einfacher zu organisieren waren. Zwar konnten einige der großen LAN-Events diesen Prozess überleben, dennoch entwickelte sich der allgemeine Trend weg von den klassichen LAN-Partys mit implementierten Turnieren, hin zu rein professionellen eSport Turnieren, wie wir sie heute in regelmäßigen Abständen genießen können. Was denkt ihr über diese Entwicklung? Wart ihr schon auf LAN-Partys oder besucht ihr von Zeit zu Zeit sogar noch welche? Erzählt uns von eurer besten (oder auch schlimmsten?) LAN-Party.

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31. Oktober 2014 - 21:46
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Marth
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30.05.2018 - 17:51
15.11.13
139

Schöner Artikel :) Da kommen Erinnerungen hoch :D

Lan Partys sind bei uns immernoch vorhanden und auch für die Zukunft noch einige geplant. Und jedes mal wieder ein Highlight auch wenns eigentlich nur Probleme gibt. ^^ Und das mit dem Crossoverkabel ist eigentlich inzwischen kein Problem mehr es funktioniert bei allen halbwegs aktuellen Switches trotzdem :D

Eine der schlimmsten:

Bei einem bootete Windows nicht mehr und er hatte keine Recovery Disk, ein anderer schlägt auf den Tisch und ein PC der auf dem Tisch stand macht dabei nen gepflegen Neustart, währenddessen haben wir versucht bei 3 Leuten immernoch die Verbindung hinzukriegen (Kombi von Win7, Win 8 und XP ist manchmal nicht so einfach) Eigentlich gabs bei dem ganzen Abend nur Probleme aber wir habens trotzdem durchgezogen.

Die Beste war wohl die bei mir Zuhause in die auch einiges an Vorbereitung gegangen ist. Hat um 16 Uhr geöffnet und zum Beginn um 19 Uhr stand das Netzwerk mit jedem, die Spiele waren auch größtenteils verteilt und man hat gezockt bis zum nächsten Morgen wo wir dann beschlossen haben die LAN auf nen Tag 2 auszuweiten, der war zwar nicht mehr ganz so gut weil das einen doch kaputt macht aber trotzdem echt mega.

1. November 2014 - 16:09
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Dystopia
Benutzer
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21.09.2017 - 02:28
13.04.14
87

super Artikel mit Humor - bitte mehr davon!

relly gj PAderfind :)